Drei Projekte zur Wasserstoff-Erzeugung im Saarland gescheitert

Die deutsche Regierung will Wasserstoff zügig verfügbar machen. Im Saarland endet dieses Vorhaben vorerst in einem herben Rückschlag, denn die drei geplanten Projekte zur Wasserstoff-Erzeugung in Völklingen, Saarlouis und Perl werden nicht umgesetzt. Ausschlaggebend sind hohe Strompreise, fehlende Großabnehmer und Regeln, die Investitionen in Elektrolyseure in Deutschland für entsprechende Investoren erschweren. Für die Stahlindustrie verschärft das die Lage, weil der Umbau für grünen Stahl durch Direktreduktion mit Wasserstoff planbare Mengen erfordert (saarbruecker-zeitung: 15.01.26).


Saarland und das 2030-Ziel: Warum die Wasserstoff-Erzeugung stockt

Der Stillstand ist kein regionales Einzelereignis. Bundesweit wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Projekte zur Wasserstoff-Erzeugung gestoppt. „Die Ziele für den Wasserstoffhochlauf im Jahr 2030 werden krachend verfehlt“, sagte Felix Matthes, Vorsitzender des Nationalen Wasserstoffrats. Geplant waren zehn Gigawatt bis 2030, doch der Ausbau hinkt hinterher. Der Zeitplan kippt, weil ohne günstigen Strom und feste Abnahmeverträge Investitionen ausbleiben.

Im Saarland scheitern in Völklingen, Saarlouis und Perl gleich drei Projekte zur industriellen Wasserstoff-Herstellung
Im Saarland scheitern in Völklingen, Saarlouis und Perl gleich drei Projekte zur industriellen Wasserstoff-Herstellung

Die Ursachen liegen vor allem in der Kostenstruktur. Strompreise treiben die Rechnung, weil Elektrolyse viel elektrische Energie benötigt. Hinzu kommen komplexe Vorgaben für Herkunftsnachweise und Förderlogik, die den Bau neuer Anlagen riskanter machen. Außerdem fehlen große Abnehmer mit langenjährigen Verträgen, weil Wasserstoff im Vergleich zu etablierten Energieträgern noch viel zu teuer ist. So entsteht ein von der Politik künstlich erzeugter Markt, der wirtschaftlich aber nicht trägt.

Stahlindustrie im Fokus: Jobs hängen am Preis

Im Saarland konzentriert sich das Risiko auf die Stahlindustrie. Rund 14.000 Beschäftigte arbeiten in der Branche. Die Werke benötigen perspektivisch große Mengen grünen Wasserstoffs, um die CO₂-intensive Produktion zu ersetzen. Ohne sichere Liefermengen lassen sich Investitionen schwer seriös kalkulieren. Dann werden Modernisierungen kleinteilig, während internationale Wettbewerber schneller skalieren.

Auch die Dimension ist klar bezifferbar. Die Stahlindustrie im Land rechnet langfristig mit etwa 120.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr. Das erfordert industrielle Kapazitäten zur Wasserstoff-Erzeugung, nicht nur Demonstrationsanlagen. Solche Volumina entstehen erst, wenn Elektrolyseure in Serie gebaut werden und Abnahmeverträge die Finanzierung absichern. Der Stahlsektor wird damit zum Gradmesser für die gesamte Strategie.

Strompreise und Infrastruktur: Welche Hebel jetzt zählen

Ein Kurswechsel beginnt bei den Strompreisen. Abgaben, Netzentgelte und ein verlässliches Industriestrom-Konzept bestimmen die Energiekosten der Elektrolyse. Wenn die Kilowattstunde teuer bleibt, bleibt auch Wasserstoff auf absehbare Zeit ein Hochpreisprodukt. Ebenso wichtig ist Planungssicherheit, weil Unternehmen nur dann langfristig bestellen, wenn Regeln stabil bleiben und Förderinstrumente nachvollziehbar greifen.

Zudem entscheidet die Infrastruktur über das Tempo. Elektrolyseure benötigen Netzanschlüsse, Flächen und Genehmigungen, die nicht jahrelang in Verfahren hängen dürfen. Standardisierte Prozesse könnten Projektzeiten verkürzen, ohne die Kontrolle zu schwächen. Förderprogramme sollten außerdem Skalierung belohnen, damit aus Pilotformaten rasch industrielle Serien entstehen.


Saarland nach dem Rückschlag

Das Scheitern der drei Vorhaben trifft das Saarland im Kern der Industrietransformation. Ohne bezahlbaren Wasserstoff sinkt der Spielraum der Stahlindustrie und Investitionen wandern an Standorte mit besseren Bedingungen. Davon hängen auch Zulieferer, Handwerk und Logistik ab. Der wirtschaftliche Schaden entsteht schrittweise, aber er verfestigt sich.

Die Trendwende ist an klare Voraussetzungen gebunden. Ohne sinkende Strompreise, belastbare Abnahmeverträge und schnellere Genehmigungen bleiben Projekte zur Wasserstoff-Erzeugung wirtschaftlich nicht darstellbar. Der Nachteil ist besonders sichtbar im Vergleich zum benachbarten Frankreich, wo energieintensive Unternehmen oft günstigere, langfristig abgesicherte Stromkonditionen erhalten und damit auch die Wasserstoff-Erzeugung über Elektrolyseure deutlich preiswerter kalkulieren können. Dann verliert das Saargebiet Zeit, während andere Standorte die Industrieketten neu sortieren. Für die Stahlindustrie geht es nicht um Image, sondern um Kosten und verlässliche Liefermengen.

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