Im Januar 2026 brach die Einnahmen aus der Körperschaftssteuer in Deutschland dramatisch ein. Im Vergleich zu Januar 2025 fielen sie um 79,1 % auf 181 Millionen Euro. Auslöser waren laut Bundesfinanzministerium deutlich geringere Nachzahlungen aus der Veranlagung, während die Rückerstattungen stiegen. Das Ministerium verweist dazu auf die schwache Konjunktur, besonders in der Industrie. Außerdem brach die Gewerbesteuerumlage um 73,1 % auf 47 Millionen Euro ein, während die gesamten Steuereinnahmen um 3,4 % auf 64,5 Milliarden Euro sanken (finanzmarktwelt: 24.02.26).
Körperschaftssteuer – er zahlt und warum der Absturz so schwer wiegt
Die Steuer trifft vor allem Kapitalgesellschaften wie GmbHs und AGs, jedoch nur bei Gewinnen. Wenn diese Gewinne wegbrechen, fällt das Aufkommen aus der Körperschaftssteuer schnell. Genau deshalb gilt der Januar als direkter Hinweis auf die Ertragslage vieler Unternehmen. Das Ministerium rechnet für 2026 trotzdem mit knapp 41 Milliarden Euro Einnahmen und erwartet damit ein Plus von 4 %.

Den Absturz beschreibt das Bundesfinanzministerium wörtlich, mit einem klaren Hinweis auf die Industrie: „Bei der Körperschaftsteuer war das Aufkommen im Januar 2026 im Vorjahresvergleich gar um rund 79 Prozent rückläufig. Hier waren die aus der Veranlagung resultierenden Nachzahlungen gegenüber Januar 2025 deutlich rückläufig, wohingegen sich die Erstattungen etwas erhöhten. Neben den üblichen Einnahmeschwankungen im Rahmen der Veranlagung dürfte bei der Entwicklung dieser Steuerart auch die schwache konjunkturelle Entwicklung insbesondere in der Industrie weiterhin eine Rolle spielen.“ Diese Passage setzt den Rahmen. Sie verbindet den Veranlagungseffekt mit der Konjunktur.
Gewerbesteuerumlage kollabiert – Kommunen geraten mit ins Risiko
Auch die Gewerbesteuerumlage sackte ab, während sie sonst als robuster Indikator gilt. Gemeinden reichen dabei einen Teil ihrer Gewerbesteuer an Bund und Länder weiter, deshalb schlägt ein Rückgang schnell durch. Wie viel Gewerbesteuer die Kommunen insgesamt einnahmen, zeigt die Umlage zwar nicht. Dennoch spricht der Einbruch dafür, dass auch die Gewerbesteuer kräftig nachgab.
Damit entsteht ein doppeltes Loch bei Unternehmensabgaben. Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer hängen am Gewinn, deshalb verstärken sie sich im Abschwung gegenseitig. Für den Staat bedeutet das weniger Spielraum, zugleich steigen die Erwartungen an andere Steuerquellen. Genau dort wirkt der Januar wie ein Warnsignal.
Lohnsteuer steigt, Umsatzsteuer hält – doch der Effekt kommt vor allem aus Löhnen
Ein Teil der Einnahmeseite sieht stabil aus, jedoch aus einem anderen Grund als „Boom“. Die Lohnsteuer stieg um 9,1 % auf 23,16 Milliarden Euro. Das Ministerium erklärt den Mechanismus, während es auf den Abrechnungsmonat verweist: „Das Kassenaufkommen im Januar ergibt sich überwiegend aus der Besteuerung der Lohnzahlungen für Dezember. Die recht kräftige Veränderungsrate dürfte somit maßgeblich auf die im Verlauf des vergangenen Jahres spürbaren Anstiege der gesamtwirtschaftlichen Bruttolöhne und -gehälter zurückzuführen sein.“ Höhere Tarifabschlüsse treiben also das Aufkommen.
Auch die Umsatzsteuer stieg noch um 2 % auf 25,91 Milliarden Euro, außerdem trotz schwächerer Industrie. Das passt zu einem Bild, in dem Konsum und Beschäftigung kurzfristig tragen. Gleichzeitig brechen gewinnabhängige Steuern weg und genau das wirkt gefährlich. Denn Gewinne kippen oft früher als Jobs.
Einordnung: Industrie-Rezession seit 2018, jetzt mit härteren Folgen
Wenn Unternehmenssteuern so stark fallen, bedeutet das meist sinkende Gewinne oder Verlustlagen, denn diese Steuern fallen auf Gewinne an und nicht auf den Umsatz. Noch halten sich Lohn- und Umsatzsteuer, jedoch nur solange Arbeitsplätze und Nachfrage nicht nachziehen.
Genau hier liegt das Risiko für die nächsten Monate. Wenn Industrie-Jobs wegfallen und nicht ersetzt werden, sinken Einkommen und Konsum. Dann geraten auch Lohn- und Umsatzsteuer unter Druck, deshalb wirkt der jetzige Bruch wie ein Vorläufer. Für die Körperschaftssteuer bleibt die Frage, ob die Industrie im Jahresverlauf wieder Gewinne erreicht.
Sondervermögen und Aufrüstung stützen das BIP – Strukturprobleme bleiben bestehen
Die Bundespolitik versucht die Wirtschaft über Kredite, Sondervermögen und Aufrüstung anzuschieben, statt tiefgreifende Strukturreformen anzugehen. Kurzfristig kann das funktionieren, weil zusätzliche Aufträge die Wirtschaftsleistung erhöhen. Zugleich bleibt offen, ob daraus nachhaltige Produktivität entsteht. Denn reine Ausgaben ersetzen keine wettbewerbsfähige Industrie.
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