Diffamierung der Blackout-Mahner – wie die Krisenvorsorge politisch verzerrt wurde

Wer vor einem Blackout warnte, bekam in Deutschland oft Diffamierung statt Argumente, denn Mahner schob man rasch ins rechte Spektrum. Krisenvorsorge wirkte dadurch wie ein Gesinnungszeichen, obwohl sie schlicht schützt. Energiewende-Kritik reichte häufig als Stempel, und beim Katastrophenschutz blieb die Wirkung solcher Warnungen lange begrenzt.


Diffamierung durch Reichweite: Harald Lesch als „Professor für fast alles“ im ÖRR

Gerade im ÖRR prägen bekannte Gesichter den Ton, jedoch ersetzt Reichweite keine Risikoprüfung. Harald Lesch gilt vielen Zuschauern als eine Art „Professor für fast alles“, weil er komplexe Themen oft zugespitzt erklärt. In „Terra X“ kommentierte er die Schlagzeile „Das brauchen Sie, falls der Blackout kommt“ mit den Worten: „Das ist eigentlich alles Blödsinn, das ist echt Angstmacherei“. Solche Sätze setzen eine Norm und sie entwerten Krisenvorsorge im Alltag.

„Das ist eigentlich alles Blödsinn, das ist echt Angstmacherei“ - die Diffamierung der Mahner lähmt die Vorsorge
„Das ist eigentlich alles Blödsinn, das ist echt Angstmacherei“ – die Diffamierung der Mahner lähmt die Vorsorge

Zugleich verstärkt diese Abwertung ein altes Muster, denn Warnungen gelten dann nicht als Notfallplanung, sondern als Überreaktion. Wer sich auf einen Stromausfall vorbereitet, wirkt schneller exzentrisch. So bekommt Diffamierung Rückenwind, obwohl sie den Kern verfehlt.

Wenn Energiewende zur Moralfrage wird, verlieren Fakten an Raum

Viele Mahner kritisierten keine Lebensstile, sondern Abhängigkeiten, während sie Redundanz und Netzstabilität einforderten. Dennoch reagierten Teile des Diskurses mit Etiketten, denn man sah in jeder Energiewende-Debatte sofort ein Lager. Wer technische Grenzen nannte, landete schnell im rechten Raster und diese Diffamierung beendete Gespräche, bevor sie begannen.

Außerdem dient das Wort „Prepper“ oft als Kampfbegriff, obwohl es um Basisvorsorge geht. Wasser, Konserven, Bargeld und eine Powerbank sind keine rechte Weltanschauung. Ein Gaskocher mit Kartuschen hilft ebenfalls. Wer so handelt, betreibt Notfallplanung, nicht Politik.


Krisenvorsorge scheitert an Scham, und die Zahlen zeigen es

Eine repräsentative Verivox-Umfrage zeigte 73 Prozent ohne konkrete Vorbereitung, während nur 27 Prozent sich gerüstet sahen. Deshalb wirkt das rechte Framing so schädlich, denn es macht Krisenvorsorge sozial riskant. Viele verzichten aus Angst vor Verdächtigungen, obwohl ein Stromausfall keine Rücksicht auf Haltungen nimmt.

Trotzdem lässt sich Resilienz pragmatisch erhöhen. Wer Wasser und Lebensmittelvorräte organisiert, gewinnt Zeit. Wer Kommunikationswege klärt und für eine alternative Beleuchtung sorgt, bleibt handlungsfähig. So verhindert man Panik und man reduziert die Folgen eines Blackout.

Katastrophenschutz braucht Zuständigkeiten, nicht Verleumdung

Auch der Katastrophenschutz leidet, weil Politik Debatten gern verkürzt, statt Strukturen zu prüfen. In Berlin kritisierte der Landesrechnungshof ungeklärte Zuständigkeiten und fehlende Pläne und solche Befunde betreffen Versorgung und Einsatzfähigkeit. Genau hier braucht es Zivilschutz als Pflichtaufgabe, nicht als Nebenprojekt.

Dennoch lenkt Diffamierung vom organisatorischen Kern ab. Wer Mahner als „rechts“ markiert, erspart sich unbequeme Fragen. Das schwächt den Staat, weil er Übungen, Krisenstäbe und Wiederanlaufkonzepte schneller vertagt.

Ausweg: Energieumbau absichern und Vorsorge entpolitisieren

Ein moderner Energieumbau gelingt nur, wenn er Risiken offen bilanziert, daher braucht es Standards für Krisenvorsorge in Haushalten und Behörden. Medien sollten Reichweitenurteile einordnen, statt sie als Schlusspunkt zu behandeln. Behörden müssen Szenarien trainieren und Ergebnisse veröffentlichen, damit Vertrauen wächst.

Schließlich endet die Diffamierung erst, wenn man Kritik wieder als Bestandteil von Sicherheit versteht. Ein Blackout bleibt möglich, und ein Stromausfall trifft zuerst die Unvorbereiteten. Wer Katastrophenschutz messbar stärkt, entzieht dem Lagerdenken den Boden. Wer Krisenvorsorge normalisiert, macht Resilienz zur Routine.

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