Dieselpreise legen Fischerei in den Niederlanden lahm – Hälfte der Flotte bleibt im Hafen

In Amsterdam und anderen niederländischen Häfen liegt diese Woche mindestens die Hälfte der Flotte still, weil die hohen Dieselpreise große Teile der Fischerei unrentabel machen. Besonders betroffen sind die treibstoffintensiven Beamtrawler für Nordseearten wie Seezunge, Steinbutt und Scholle, die rund 7 Prozent der EU-Flotte stellen. Auslöser ist der starke Anstieg der Kraftstoffkosten im Umfeld des Iran-Krieges, während die Erlöse aus den Fängen kaum noch reichen, um Besatzungen zu bezahlen und Schiffe weiter zu betreiben. Zugleich melden auch Belgien, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien wachsenden Druck. Die Folgen treffen deshalb nicht nur die Fischer, sondern bereits auch Großhandel, Restaurants und Verbraucher durch steigende Preise und ein knapperes Angebot (berlinermorgen: 27.03.26).


Fischerei kämpft mit explodierenden Betriebskosten

Vor allem die niederländischen Plattfisch-Fischer geraten an ihre Grenzen. Nach Angaben von VisNed blieben 80 bis 90 Prozent der Beamtrawler in dieser Woche im Hafen. Diese Schiffe verbrauchen viel Diesel, deshalb trifft sie der Preisschock besonders hart.

Hohe Dieselpreise lähmen die Fischerei in den Niederlanden. Immer mehr Schiffe bleiben im Hafen, während Fisch in Europa knapper wird
Hohe Dieselpreise lähmen die Fischerei in den Niederlanden. Immer mehr Schiffe bleiben im Hafen, während Fisch in Europa knapper wird

Der Anstieg fällt drastisch aus. Vor dem Iran-Krieg lagen die wöchentlichen Dieselausgaben laut Branchenangaben bei 12.000 bis 13.000 Euro. Inzwischen steigen die Rechnungen auf fast 30.000 Euro, während der Wert des erwarteten Fangs in ähnlicher Höhe liegt. Gewerkschaftssprecher Durk van Tuinen sagte: „Jetzt entspricht die Treibstoffrechnung den Einnahmen, das funktioniert einfach nicht.“

Die Krise erfasst den europäischen Markt

Die Niederlande stehen mit dem Problem nicht allein da. Auch Flotten in Belgien, Großbritannien und Frankreich kämpfen mit höheren Treibstoffkosten. Außerdem berichtet der Branchenverband Europêche, dass Spanien, Italien und Frankreich bereits begrenzte Hilfen eingeführt haben. Dennoch bleiben viele Schiffe an Land, weil selbst diese Maßnahmen die Verluste nicht ausgleichen.

Damit wächst das Risiko für den gesamten Fischmarkt in Europa. Wenn Grundfisch-Fischereien auf Kabeljau, Schellfisch oder Plattfisch aussetzen, sinkt das Angebot schnell. Zugleich geraten Küstengemeinden unter Druck, weil Jobs an Bord, in Auktionen, im Transport und in der Verarbeitung von der Fischerei abhängen.

Verbraucher zahlen mehr, auch in Deutschland

Die Preisfolgen zeigen sich bereits im Handel und in der Gastronomie. Van Tuinen zufolge stieg der Preis für Seezunge von 12 auf 18 Euro je Kilo. Restaurants reagieren deshalb unterschiedlich. Einige verkleinern Portionen, andere streichen bestimmte Fischgerichte ganz von der Karte.

Auch in Deutschland dürfte sich dieser Druck bemerkbar machen. Nordseeprodukte könnten teurer werden, während Gastwirte ihre Einkaufskosten immer schwerer kalkulieren können. Zugleich droht bei stark nachgefragten Arten eine geringere Auswahl. Das trifft Verbraucher direkt, außerdem belastet es Betriebe, die auf frische Ware aus der Fischerei angewiesen sind.


Branche verlangt rasche Hilfen aus Brüssel

Die Branche fordert nun Eingriffe auf EU-Ebene. Im Mittelpunkt steht der Europäische Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds, kurz EMFAF. Gefordert werden direkte Zuschüsse, steuerliche Entlastungen beim Diesel und Hilfen pro Schiff statt nur pro Unternehmen. Gerade größere Betreiber drängen deshalb auf flexiblere Regeln.

Dafür gibt es ein Vorbild. Schon nach der Invasion der Ukraine 2022 lockerte die EU-Kommission vorübergehend die Beihilferegeln, um die Liquidität der Flotten zu sichern. Bleiben koordinierte Maßnahmen aus, drohen längere Stillstände, strukturelle Flottenverluste und eine schwächere Versorgung mit Fischprodukten in Europa.

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