Die Solarförderung treibt Stromkosten nach oben

Die Solarförderung hat den Photovoltaik-Ausbau in Deutschland massiv beschleunigt, und sie prägt heute Strompreise und Netzausbau. Einspeisevergütung, EEG-Umlage, Netzentgelte und Dunkelflaute hängen dabei eng zusammen. Wer das entstandene Konstrukt versteht, erkennt auch dessen Schwachstellen. Die Bundesregierung stellt im Jahr 2027 fast 30 Milliarden für entsprechende Subventionen zur Verfügung und der Betrag steigt von Jahr zu Jahr. Deshalb wird es Zeit, dass die Wirtschaftlichkeit wieder stärker in den Fokus rückt.


Solarförderung und Einspeisevergütung: Hohe Renditen, schwache Kostensignale

Mit dem EEG 2000 wurde die Einspeisevergütung als fester Zahlungsstrom über 20 Jahre etabliert. Für kleine PV-Anlagen lag sie anfangs bei fast 51 Cent pro Kilowattstunde, und damit weit über anderen erneuerbaren Technologien. Der Feed-in-Tarif lockte Kapital an, aber er belohnte vor allem installierte Leistung statt Systemnutzen. So entstanden PV-Subventionen, die nicht konsequent auf Kosteneffizienz zielten, sie waren eher eine gute Kapitalanlage für Investoren.

Die Solarförderung macht Strom teurer: Einspeisevergütung, EEG-Umlage und Netzentgelte steigen, und bei Dunkelflaute drohen Engpässe
Die Solarförderung macht Strom teurer: Einspeisevergütung, EEG-Umlage und Netzentgelte steigen, und bei Dunkelflaute drohen Engpässe

Gleichzeitig fiel der spezifische Ertrag in Deutschland vergleichsweise niedrig aus. Um 2000 erreichten PV-Anlagen oft nur rund 850 Volllaststunden je kWp, während Onshore-Wind meist 1400 bis 1700 Volllaststunden schaffte. Die Differenz wirkt direkt auf die Kosten pro vermiedener Tonne CO₂. Trotzdem blieb das Investitionssignal stark, weil die Vergütung Risiken weitgehend abfedern konnte.

EEG-Umlage und Strompreis: Vom Versprechen zur Dauerbelastung

Die EEG-Umlage deckte lange die Differenz zwischen Börsenerlösen und garantierten Vergütungen, und sie erhöhte jede Kilowattstunde für private Haushalte. Jürgen Trittin sagte 2004: „Die Förderung erneuerbarer Energien (kostet) einen durchschnittlichen Haushalt nur rund einen Euro im Monat … – so viel wie eine Kugel Eis.“ Die Ökostromumlage entwickelte sich später jedoch zu einem spürbaren Kostentreiber.

Zwischen 2010 und 2020 stieg die EEG-Umlage bis auf 6,8 Cent pro Kilowattstunde, und die jährliche Mehrbelastung lag für viele Haushalte bei rund 250 Euro. Als die Energiekrise die Beschaffungskosten zusätzlich nach oben trieb, wurde die Umlage abgeschafft. Die Finanzierung verlagerte sich damit in den Bundeshaushalt, und Steuerzahler tragen seither die Differenzkosten indirekt trotzdem weiter.

Netzentgelte und Netzanschluss: Ausbaukosten landen bei den Verbrauchern

Der gesetzliche Vorrang erneuerbarer Anlagen zwingt Netzbetreiber zum schnellen Anschluss, und dafür müssen sie passende Netzverknüpfungspunkte schaffen. Bei großen Anlagen gehören Transformatoren sowie Mess- und Steuertechnik dazu, während kleinere PV-Anlagen oft über bestehende Hausanschlüsse einspeisen. Trotzdem steigt der Ausbaubedarf im Verteilnetz, und die Kosten fließen in die Netzentgelte.

Netzgebühren steigen auch deshalb, weil Betreiber bei der Standortwahl kaum nach Netzkapazität optimieren. Zudem melden viele Anlagen eine Anschlussleistung von 100 Prozent der installierten Leistung, obwohl PV-Anschlüsse im Schnitt nur etwa zu 13 Prozent ausgelastet sind. So entsteht eine teure Infrastrukturreserve, während die Lastprofile im Alltag kaum profitieren. Netzentgelte werden dadurch zu einem zentralen Preistreiber.


Dunkelflaute und Hellbrise: Teure Stabilität durch Redispatch

Ein hoher Anteil wetterabhängiger Erzeugung verschärft das Risiko der Dunkelflaute, weil Wintertage oft wenig Sonne liefern und Windphasen ausbleiben können. Dann sinkt die Einspeisung abrupt, während der Bedarf durch Heizung und Industrie hoch bleibt. In solchen Erzeugungslücken müssen Kohle- und Gaskraftwerke einspringen, und Importe stabilisieren das System. Die Preisvolatilität nimmt dadurch noch weiter zu.

Umgekehrt führen sonnige und windreiche Tage zu Hellbrisen, und dann entsteht Überangebot im Netz. Netzbetreiber regeln Anlagen per „Redispatch“ ab, und negative Börsenpreise treten häufiger auf. Diese Eingriffe kosten Geld, weil Ausgleichszahlungen und Reservekapazitäten bezahlt werden müssen. Die Solarförderung verstärkt den Effekt, wenn Ausbau schneller wächst als Speicher und Steuerung.

Reformbedarf: Anreize für Speicher, Systemdienlichkeit und Reserve

Die Förderlogik muss Systemkosten stärker einpreisen, und sie sollte Investitionen in Speicher attraktiver machen. Ohne Speicher steigt der Druck auf Netze, und Redispatch wird zur Dauermaßnahme. Gleichzeitig braucht das System steuerbare Kraftwerke als Rückhalt, damit Dunkelflaute nicht zum Versorgungsproblem wird. Flexible Gaskraftwerke gelten hier als realistische Brücke, doch sie haben beim immer weiteren Ausbau nur geringe Betriebszeiten und wird der Strom noch teurer.

Einspeisevergütung und PV-Subventionen können zielgenauer wirken, wenn sie Systemdienlichkeit belohnen. Dazu gehören netzfreundliche Standorte, steuerbare Einspeisung und ein Beitrag zu Anschluss- und Ausbaukosten. Netzentgelte und EEG-Umlage bleiben damit zentrale Stellgrößen, weil sie Kosten entweder sichtbar machen oder verdecken. Die Solarförderung muss deshalb künftig weniger Masse und mehr Effizienz finanzieren.

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