Deutsche Goldreserven in New York – Experten drängen auf Rückholung

Deutschlands Goldreserven liegen zu einem großen Teil nicht in Frankfurt, sondern in New York. Konkret deponiert die Bundesbank derzeit 1.236 Tonnen Gold bei der US-Notenbank Fed. Das entspricht mehr als einem Drittel der deutschen Bestände. Zudem steht ein Marktwert von rund 164 Milliarden Euro im Raum, weshalb die Frage nach dem Lagerort aufgrund der politischen Weltlage und der Unabhängigkeit über die Verfügung wieder an Bedeutung gewinnt. Neue Dynamik bekam die Debatte, nachdem Donald Trump mit unberechenbaren Vorstößen auffiel, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen und damit in Europa Sorgen über verlässliche Absprachen mit Washington verstärkte (deutschlandfunk: 22.01.26).


Forderung nach mehr Unabhängigkeit

Mehrere Fachstimmen sehen die Konzentration in den USA inzwischen kritisch, weil die Weltlage rauer geworden ist. So erklärte der frühere Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Mönch, es wirke aktuell riskant, so viel Gold in den Vereinigten Staaten zu lagern. Deshalb sollte die Bundesbank aus seiner Sicht eine Rückholaktion der in den USA gelagerten Goldreserven zumindest prüfen. Er verbindet das ausdrücklich mit dem Ziel, die strategische Unabhängigkeit Deutschlands zu stärken. Gleichzeitig wird damit ein Signal an Märkte und Partner verbunden, dass Deutschland in Schlüsselfragen weniger abhängig auftreten will.

Deutschlands Goldreserven in New York – Experten warnen vor politischem Zugriff. Trumps Unberechenbarkeit erhöht das Risiko
Deutschlands Goldreserven in New York – Experten warnen vor politischem Zugriff. Trumps Unberechenbarkeit erhöht das Risiko

Auch aus dem Umfeld von Steuerzahlerorganisationen kommt Rückenwind für eine Verlagerung der Goldreserven, denn dort wächst die Skepsis gegenüber Washington. Der Chef des Europäischen Steuerzahlerbunds TAE, Jäger, warnte vor politischer Unkalkulierbarkeit in den USA. Dabei geht es nicht um Tagespolitik, sondern um planbare Rahmenbedingungen für Vermögenswerte, die als letzte Sicherheitsreserve gelten. Zudem verweisen Befürworter darauf, dass Gold im Krisenfall nicht nur einen Preis hat, sondern Vertrauen schaffen soll. Wer Vertrauen sichern will, achtet deshalb stärker auf die Unabhängigkeit auf den Zugriff, Rechtsrahmen und mögliche Druckpunkte.

Trump, Grönland und neue Risikorechnungen

In der aktuellen Debatte spielt auch die Sorge vor geopolitischen Eskalationen eine Rolle, weil sich Konflikte schneller zuspitzen können. Jäger nannte in diesem Zusammenhang Donald Trump „unkalkulierbar“ und fragte, was passieren könne, falls Provokationen rund um Grönland weitergingen. Dennoch bleibt der Kernpunkt nüchtern: Wer große Werte im Ausland lagert, muss politische und juristische Risiken mitbewerten. Dabei reicht schon die Möglichkeit von Sanktionen, Zugriffsbeschränkungen oder taktischen Drohkulissen, um die Risikoformel zu verändern. Außerdem wächst in Europa seit Jahren der Wunsch, kritische Reserven stärker unter eigener Kontrolle zu halten.

Kritiker fürchten zudem ein Szenario, in dem ein US-Präsident den Zugriff nicht physisch, sondern administrativ erschwert. Trump gilt als impulsiv und deshalb erscheint eine Blockade per Anordnung, Notstandsmaßnahme oder Sanktionslogik für manche nicht mehr undenkbar. Selbst wenn das Gold unangetastet im Tresor bleibt, könnte eine verzögerte Herausgabe im Ernstfall genau den Moment treffen, in dem Deutschland schnelle Verfügbarkeit braucht.

Dabei geht es weniger um Diebstahl als um Machtpolitik, denn Kontrolle entsteht oft über Regeln und Fristen. Wenn Washington Transfers verzögert oder Bedingungen knüpft, verliert Gold einen Teil seiner Funktion als sofort nutzbare Sicherheitsreserve. Gerade in einer Finanz- oder Bündniskrise wäre das ein strategischer Nachteil, weil Vertrauen auch von Handlungsfähigkeit lebt.

Grüne warnen vor politischem Spielball

Gegner einer schnellen Rückholung halten jedoch dagegen, dass New York einer der wichtigsten Handelsplätze für Gold ist, weshalb die Bestände dort operativ nutzbar bleiben. Damit ist Gold in den USA nicht nur gelagert, sondern im Zweifel auch leichter beleihbar oder handelbar. Zudem verweisen sie auf bewährte Verfahren, Kontrollen und langjährige Abkommen zwischen Zentralbanken. Die Frage lautet daher nicht nur „Wo ist das Gold?“, sondern auch „Wie schnell ist es im Ernstfall nutzbar?“. Genau an dieser Schnittstelle prallen Sicherheitslogik und Marktlogik aufeinander.

Aus der Bundespolitik kommt ebenfalls Druck in Richtung Verlagerung, weil sich die Debatte längst von Fachkreisen in den Bundestag bewegt hat. Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Beck, spricht sich für eine Rückführung beziehungsweise Umschichtung aus. Sie bezeichnet die Goldreserven als wichtigen Stabilitäts- und Vertrauensanker, weshalb der Lagerort nicht zum Gegenstand geopolitischer Machtspiele werden dürfe. Zugleich unterstreicht ihre Position, dass Goldreserven nicht nur technische Bilanzposten sind, sondern symbolische Bedeutung haben. Deshalb zählt in dieser Sichtweise besonders, dass Deutschland jederzeit ohne Reibungsverluste über sein Eigentum verfügen kann.


Warum die Debatte jetzt wieder hochkommt

Dem steht die bisherige Haltung an der Spitze der Bundesbank gegenüber, obwohl der politische Druck steigt. Bundesbankpräsident Joachim Nagel erklärte im Oktober des vergangenen Jahres, er lehne eine Lagerung der Goldreserven in Deutschland ab. Hingegen setzt die Notenbank traditionell auf eine Streuung über verschiedene Standorte, um operative Flexibilität zu behalten. Zudem spielt Vertrauen in etablierte Verwahrstellen eine Rolle, die seit Jahrzehnten im internationalen Zentralbankgeschäft verankert sind. Ob sich diese Bewertung unter neuen politischen Vorzeichen verschiebt, bleibt die entscheidende offene Linie.

Deutschland besitzt nach den USA die zweitgrößten Goldreserven weltweit, und allein diese Größenordnung macht jede Standortentscheidung zur strategischen Frage. Deshalb dürfte die Diskussion nicht bei Symbolen stehen bleiben, sondern konkrete Prüfungen auslösen, etwa Sicherheitskonzepte, Transportlogistik und Kosten einer Umschichtung. Zudem wird es darauf ankommen, wie die Bundesbank Zugriff, Handelbarkeit und Krisenfestigkeit gegeneinander gewichtet. Klar ist jedoch: Je volatiler die internationale Politik wirkt, desto stärker rückt der Lagerort in den Mittelpunkt. Und je stärker der Druck wächst, desto wahrscheinlicher wird eine neue, belastbare Begründung für den bisherigen Kurs.

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