Deep Fission startet 2 Kilometer tiefe Bohrung für unterirdischen SMR in Kansas

In Parsons im US-Bundesstaat Kansas hat das Startup Deep Fission eine erste Tiefenbohrung für ein unterirdisches Mini-Atomkraftwerk begonnen. Die Bohrung soll bis auf 6.000 Fuß reichen, also knapp zwei Kilometer tief, und gehört zu einem Projekt mit insgesamt drei Erkundungsbohrungen. Auslöser ist der Plan, einen Small Modular Reactor (SMR) tief im Erdreich zu betreiben, weil dort Strahlung besser abgeschirmt und der Reaktor kompakter ausgelegt werden könnte. Entscheidend bleibt jedoch, ob der Untergrund geologisch stabil genug ist und wie sich Grundwasser, Temperatur und Druck in dieser Tiefe verhalten. Genau davon hängt die technische Machbarkeit ab. Zugleich bleiben große Risiken offen, weil Betrieb, Kritikalität und spätere Entnahme spaltbarer Materialien aus der Tiefe ferngesteuert erfolgen müssten (golem: 13.03.26).


Deep Fission prüft Untergrund für unterirdischen SMR

Die jetzt gestarteten Bohrungen dienen zunächst nicht dem Bau des Reaktors selbst. Ihr Durchmesser liegt bei nur 20 Zentimetern, weil sie ausschließlich Daten über den Untergrund liefern sollen. Deep Fission will damit klären, wie tragfähig das Gestein ist und welche Bedingungen in großer Tiefe tatsächlich herrschen.

Das amerikanische Startup-Unternehmen Deep Fission hat in Kansas mit einer 2 Kilometer tiefen Bohrung für einen unterirdischen SMR begonnen
Das amerikanische Startup-Unternehmen Deep Fission hat in Kansas mit einer 2 Kilometer tiefen Bohrung für einen unterirdischen SMR begonnen

Außerdem soll untersucht werden, wie sich Grundwasser in diesem Bereich bewegt. Ebenso wichtig sind Temperatur und Druck, weil beide Werte direkt in die spätere Reaktorauslegung einfließen. Erst wenn diese Daten belastbar vorliegen, lässt sich einschätzen, ob ein größerer Schacht für einen echten Reaktoreinsatz überhaupt sinnvoll wäre.

Der Vorteil der Tiefe bringt zugleich neue Probleme

Das Unternehmen setzt auf einen Druckwasserreaktor, der in ein späteres, deutlich breiteres Bohrloch abgesenkt werden soll. In rund zwei Kilometern Tiefe herrscht ein hoher Umgebungsdruck, weshalb der Reaktor kleiner konstruiert werden könnte. Zugleich würde das umgebende Erdreich einen Teil der Abschirmung übernehmen, was den technischen Aufwand an der Oberfläche verringern könnte.

Doch genau dieses Konzept macht den Betrieb kompliziert. Ein Reaktor in dieser Tiefe lässt sich nicht klassisch warten oder direkt bedienen. Deshalb müssten zentrale Schritte wie Inbetriebnahme, Erreichen der Kritikalität und spätere Entnahme von spaltbarem Material ferngesteuert ablaufen. Bevor Deep Fission an einen regulären Start denken kann, muss das Unternehmen diese Prozesse sicher beherrschen.


Leistung begrenzt, Ausbau nur mit massiver Skalierung möglich

Der geplante Reaktor soll 15 Megawatt leisten. Das ist für einen einzelnen SMR zwar beachtlich, reicht jedoch nicht an die Leistung großer Kernkraftwerke heran. Um auf ein ähnliches Stromniveau zu kommen, wären rund 100 solcher Reaktoren in ebenso vielen Bohrlöchern nötig.

Damit verschiebt sich das Problem von der Einzellösung zur Skalierung. Jeder zusätzliche Reaktor würde neue Bohrungen, neue Technik und neue Sicherheitsprozesse erfordern. Außerdem steigt mit der Zahl der Anlagen auch der Aufwand für Überwachung, Fernsteuerung und Materiallogistik.

Dennoch scheint die Finanzierung des Vorhabens vorerst gesichert. Nach Angaben des Unternehmens haben sich private Investoren bereits Leistungen von mehr als 12 Gigawatt gesichert, was rechnerisch etwa 800 kleinen Tiefenreaktoren entspricht. Außerdem unterstützt das US-Energieministerium das Projekt. Rückenwind kommt zudem aus Washington, denn seit Mai 2025 dürfen Reaktortests auch außerhalb der nationalen Labore stattfinden.

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