Datenschutz gefährdet – Apple warnt vor Datenzugriffen durch Digital Markets Act der EU

Apple verschärft seine Kritik am Digital Markets Act der EU. Anlass ist ein Zwischenbericht der EU-Kommission, der dem Gesetz nach zwei Jahren eine positive Wirkung zuschreibt. Apple-Manager Kyle Andeer widerspricht jedoch deutlich. Er sieht in den Auflagen für das iPhone ein Risiko für Datenschutz, Jugendschutz und Innovation. Betroffen sind Millionen iPhone-Nutzer in der EU, Entwickler und Anbieter digitaler Dienste. Zugleich musste Apple sein lange geschlossenes System für fremde App-Stores, externe Bezahldienste und zusätzliche Schnittstellen öffnen (handelsblatt: 04.05.26).


Apple sieht Datenschutz durch EU-Vorgaben gefährdet

Andeer bewertet den Zwischenbericht der EU-Kommission ungewöhnlich scharf. Die Behörde habe ihre eigene Arbeit beurteilt, sagte der für Regulierung zuständige Apple-Manager dem Handelsblatt. Von einer nüchternen Analyse könne aus seiner Sicht keine Rede sein. Apple sei deshalb „frustriert“.

Der Digital Markets Act der EU zwingt Apple zur Öffnung des iPhones - Apple warnt vor Risiken für Nutzer beim Datenschutz
Der Digital Markets Act der EU zwingt Apple zur Öffnung des iPhones – Apple warnt vor Risiken für Nutzer beim Datenschutz

Die EU-Kommission stuft Apple wie Amazon, Google und Microsoft als Gatekeeper ein. Deshalb muss der Konzern zentrale Plattformfunktionen öffnen. Nutzer können in der EU inzwischen App-Stores anderer Anbieter verwenden. Außerdem dürfen Entwickler eigene oder externe Bezahlsysteme einsetzen. Für Apple greift der DMA damit tief in die Sicherheitsarchitektur des iPhones ein.

Meta-Zugriff auf WLAN-Daten zeigt den Kern des Konflikts

Besonders heikel ist nach Apples Darstellung die Interoperabilität. Andeer nennt die Auslegung der EU „radikal“. Drittanbieter könnten dadurch Informationen erhalten, die Apple bislang nicht weitergegeben habe. Dazu zählt laut Andeer die gespeicherte Historie von WLAN-Netzen.

Als Beispiel nennt Apple Meta. Der Konzern könne demnach erkennen, in welchen WLAN-Netzen sich Nutzer angemeldet haben. Dazu gehören sensible Orte wie Krankenhäuser, Hotels oder Flughäfen. Solche Daten erlauben Rückschlüsse auf Aufenthaltsorte, Routinen und Kontakte. Deshalb sieht Apple den Datenschutz der Nutzer unmittelbar gefährdet.

Drittanbieter-Stores verschieben Kontrolle und Verantwortung

Die EU-Kommission verweist jedoch auf breite Beteiligung. Nach ihren Angaben flossen 450 Beiträge von Unternehmen, kleinen und mittleren Betrieben, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Bürgern in die Bewertung ein. Andeer hält das Ergebnis dennoch für unzureichend. Gespräche mit Apple hätten aus seiner Sicht kaum Spuren im Bericht hinterlassen.

Apple kritisiert außerdem die Folgen neuer App-Stores auf dem iPhone. Andeer nennt als Beispiele Pornografie, Glücksspiel und Fortnite. Bei diesen Angeboten sieht Apple besondere Risiken für Kinder. Zugleich braucht Fortnite eine Einordnung: Apple hatte das Spiel 2020 nach einem Zahlungsstreit mit Epic Games aus dem App-Store entfernt, nicht aus Gründen des Jugendschutzes.


Innovationen erreichen EU-Nutzer später

Auch bei neuen Funktionen sieht Apple konkrete Folgen. Laut Andeer verzögern sich einzelne Neuerungen in der EU um sechs bis acht Wochen. Apple müsse technische Standards zunächst so absichern, dass sie auch im geöffneten System funktionieren. Als Beispiel nennt er simultane Übersetzungen über Airpods.

Bei rund einem Dutzend Funktionen sei es bereits zu Verzögerungen gekommen. Die iPhone-Spiegelung fehlt in der EU bislang ganz. Damit könnten Nutzer den iPhone-Bildschirm auf Computer oder Fernseher übertragen und dort steuern. Apple argumentiert, der Konzern müsse eigene Entwicklungen mit Wettbewerbern teilen. Der Datenschutz bleibt dabei ein zentraler Streitpunkt. Zugleich betont Andeer, Apple habe Innovationen bisher nicht bewusst zurückgehalten.

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