Polen hat Ende Dezember nach Angaben der Regierung einen Cyberangriff auf das Energiesystem abgewehrt. Dabei stand das Stromnetz unter extremer Belastung und stand kurz vor einem Blackout. Vize-Ministerpräsident und Digitalminister Krzysztof Gawkowski sprach im Radiosender RMF FM von einer angespannten Lage, die nur durch schnelles Eingreifen stabil blieb (euronews: 14.01.26).
Cyberangriff: Eingriff in Steuerung und Netzkommunikation
Gawkowski erklärte, der Angriff habe auf die digitale Steuerung des Energiesystems gezielt. „Wir standen kurz vor einem Blackout“, sagte er. Zudem erklärte er: „Die digitalen Panzer sind schon da.“ Nach seiner Darstellung sollten Kommunikationswege zwischen Erzeugungsanlagen und Netzbetreibern gestört werden, damit die operative Führung des Stromnetzes beeinträchtigt wird.

Ein solcher Cyberangriff wirkt nicht durch physische Zerstörung, sondern durch Eingriffe in Datenflüsse. Wenn Steuerinformationen verzögert oder verfälscht ankommen, geraten Schaltentscheidungen unter Zeitdruck. In dieser Phase kann aus einer Störung rasch ein Stromausfall entstehen.
Betroffene Anlagen: Energieinfrastruktur auf mehreren Ebenen
Energieminister Milosz Motyka bestätigte komplexe Angriffe auf zentrale Systeme, meldete jedoch keine Unterbrechung der Versorgung. Nach Regierungsangaben gehörten ein großes Heizkraftwerk sowie kleinere, landesweit verteilte Anlagen erneuerbarer Energien zu den Zielen. Damit war die Energieinfrastruktur nicht punktuell, sondern strukturell betroffen.
Diese Breite erhöht die Verwundbarkeit, weil große Anlagen und dezentrale Quellen unterschiedlich gesichert sind. Gleichzeitig bleibt das Stromnetz auf stabile Signale angewiesen, unabhängig von der Größe der angeschlossenen Erzeuger.
Abwehrmaßnahmen: Cybersicherheit verhinderte den Blackout
Gawkowski machte Russland für den Angriff verantwortlich und sprach von Sabotage. Entscheidend sei jedoch gewesen, dass Betreiber und staatliche Stellen früh reagierten. Die vorhandene Cybersicherheit habe funktioniert, weshalb es zu keinem Blackout kam.
Dabei ging es nicht nur um technische Schutzsysteme, sondern auch um klare Abläufe in Leitstellen. Schnelle Entscheidungen und abgestimmte Reaktionen hielten das System stabil, obwohl der Druck hoch war.
Einordnung: Wachsende Bedrohung für das Stromnetz
Die Regierung sieht in dem Vorfall kein Einzelereignis. Gawkowski verwies darauf, dass Angriffe auf kritische Systeme zunehmen. Damit steigt der Aufwand, die Energieinfrastruktur dauerhaft abzusichern.
Ein weiterer Cyberangriff könne erneut auf Koordination und Reaktionszeit zielen. Deshalb bleibt die Absicherung des Energienetzes eine sicherheitspolitische Aufgabe, bei der Technik, Organisation und IT-Sicherheit zusammenwirken müssen.
Lesen Sie auch:
