Die chinesische Zentralregierung steuert die Wärmepumpenbranche mit einem Strategiepapier mit dem Titel „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“. Darin setzt China bis 2030 auf Skalierung, höhere Standards und mehr Forschung. Ziel bleibt ein Vorteil im internationalen Wettbewerb. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) veröffentlichte dazu eine deutsche Fassung. Deshalb warnt der Verband vor einer Offensive chinesischer Hersteller auf europäische Märkte. Als Hauptgefahr gilt die Kombination aus Preisdruck und staatlicher Finanzierung. In Deutschland drohen Folgen für Marktanteile, Investitionen und Planbarkeit (t-online: 19.02.26).
BWP warnt vor Offensive und wachsendem Importdruck
Der BWP sieht die Entwicklung deshalb als akut. Asiatische Hersteller entwickeln Geräte gezielt für Europa. „Dass chinesische Hersteller in der Lage sind, sich europäische Märkte zu erschließen, sieht man auch daran, dass mittlerweile fast jeder von ihnen auch Propan-Wärmepumpen im Angebot hat. Sie wurden innerhalb weniger Jahre eigens für den europäischen Markt entwickelt“, sagt Björn Schreinermacher, Leiter Politik des BWP. Europa bevorzugt natürliche Kältemittel. Außerdem greift ab 2028 eine EU-Vorgabe für den Einbau. Propan zählt zu den verbreiteten natürlichen Kältemitteln.

Schreinermacher richtet den Blick zugleich auf Berlin. „Wir nehmen den Zusammenhang deshalb sehr ernst und erwarten das auch von der Bundesregierung“, stellt er klar. In Deutschland produzieren weiterhin Viessmann, Bosch, Stiebel Eltron und Vaillant. Gleichzeitig steigt der Druck durch asiatische Wettbewerber. Viele in der Branche fürchten einen Dominoeffekt. Erst Solar, dann Auto, jetzt Heizung.
Pekings Aktionsplan – Masse, Miniaturisierung und Effizienzsprung
Der Aktionsplan beschreibt konkrete Ziele bis 2030. China will die heimische Wärmepumpenindustrie sichtbar aufwerten. Peking will Standards erhöhen und Technik schneller entwickeln. Ein Schwerpunkt ist die Miniaturisierung. Geräte sollen kompakter werden und schneller einbaubar sein. Gleichzeitig sollen sie effizienter und klimafreundlicher laufen. Deshalb plant die Regierung mehr Forschung und Entwicklung. Bis 2030 sollen Geräte laut Papier mindestens 20 Prozent effizienter arbeiten.
Der Fokus liegt dennoch klar auf Stückzahlen. China plant die Skalierung sowohl für den Binnenmarkt, als auch für den Export. Genau das verschiebt den Wettbewerb. Preise können dann schneller fallen. Europäische Hersteller verlieren damit enorm an Spielraum.
Wärmepumpen als Standard in Gebäuden, Verkehr und Landwirtschaft
Mit dem Aktionsplan will China Wärmepumpen breit ausrollen. Sie sollen Kohlekessel und Kohleverbrennung schrittweise ersetzen. Das gilt für Wohngebäude, jedoch auch für Schulen. Das Papier nennt außerdem Krankenhäuser, Hotels und Büros. Auch die Industrie soll passende Lösungen erhalten. China denkt zudem an den Verkehr. Autos und Busse sollen damit beheizt werden. Auch die Landwirtschaft steht im Plan. Die Botschaft lautet: Wärmepumpen sollen Standard werden.
Peking koppelt das an „grüne“ Produktion. Hersteller sollen den CO₂-Fußabdruck klein halten. Sie sollen entlang der Kette kohlenstoffarm arbeiten. Außerdem soll China internationale Kooperationen ausbauen. Peking will „seine Vorteile nutzen“, um global Fuß zu fassen. Das wirkt klimabezogen, jedoch steckt Geopolitik dahinter. China importiert weiter viel Öl, Kohle und Gas. Peking will diese Abhängigkeit reduzieren. Wind und Solar wachsen stark, zugleich digitalisiert China Netze. Großspeicher kommen hinzu. E-Autos verbreiten sich und die Offensive bei Wärmepumpen passt in dieses Bild.
Geld, Förderung, Gesetz: Der Druckpunkt liegt in Europa
Ein Branchenexperte spricht von massiver Finanzierung. Er sagt gegenüber t-online, Hersteller könnten „quasi unbegrenzten Zugang zu finanziellen Mitteln“ erhalten. Genannt werden Mittel von Regionalregierungen und Plattformen. Außerdem sollen Banken zinslose Kredite geben. So soll der Hochlauf schneller gelingen. Dieses Muster kennt die Welt aus Photovoltaik. Auch die Autoindustrie erlebte es bereits. Deshalb bewertet der BWP die Offensive als politisch getrieben. Er sieht darin mehr als normalen Wettbewerb.
In Deutschland verschärft die Reform des „Heizungsgesetzes“ die Unsicherheit. Solange die Bundesregierung nichts Konkretes vorlegt, fehlt Planungssicherheit. Zudem hängt viel an der Förderung. „Sollte es zugleich zu einer Reform oder sogar Kürzung der Heizungsförderung kommen, könnte dies einen Wettlauf um die günstigsten Angebote auslösen. Die aktuelle Förderung führt zu hohen Qualitätserwartungen und zu einer Nachfrage nach europäischen Herstellern. Das könnte sich ändern, wenn der Preisdruck noch zunimmt“, warnt Schreinermacher.
In der kommenden Woche soll das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) Eckpunkte liefern. Danach beginnt das Gesetzgebungsverfahren. Parallel diskutiert die EU eine „Made in Europe“-Vorgabe. Sie könnte für öffentliche Aufträge und Subventionen gelten. Details bleiben jedoch offen. In Brüssel stehen strenge Herkunftsregeln im Raum. Genannt werden etwa E-Autos oder Stahl. Auch in Deutschland kursiert eine Idee. Fördermittel könnten an europäische Wärmepumpen geknüpft werden. Diese Entscheidungen bestimmen, wie stark die Offensive wirkt.
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