Chemiekonzern Domo in Leuna insolvent – 550 Arbeitsplätze gefährdet

Die Chemiefirma Domo hat in Leuna überraschend Insolvenz angemeldet. Betroffen ist der Firmenverbund Domo Caproleuna und Domo Chemicals im Chemiepark. Am Standort arbeiten rund 550 Mitarbeiter. Ihre Arbeitsplätze sind gefährdet, falls der Betrieb nicht rasch stabilisiert wird.


Domo: Insolvenz als Folge der Konzernlage

Der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther bestätigte den Insolvenzantrag gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“, und damit ist das Verfahren offiziell. Nach dem Bericht liegt der Auslöser in Belgien, weil die Muttergesellschaft überschuldet sein soll und Verbindlichkeiten offenbar nicht mehr bedienen konnte. Der Antrag wurde am ersten Weihnachtsfeiertag gestellt, doch die finanzielle Gesamtlage wird erst im Verfahren vollständig sichtbar.

Domo in Leuna insolvent. 550 Jobs in Gefahr  - Land und Insolvenzverwalter versuchen die Produktion im Chemiepark zu stabilisieren
Domo in Leuna insolvent. 550 Jobs in Gefahr – Land und Insolvenzverwalter versuchen die Produktion im Chemiepark zu stabilisieren

Neben Leuna ist auch Domo Engineering Plastics im brandenburgischen Premnitz insolvent, und dadurch geraten verknüpfte Einkaufs- und Absatzströme unter zusätzlichen Stress. Kunden verlangen belastbare Lieferzusagen, während die Belegschaft schnelle Klarheit über Jobs braucht. Eine Pleite lässt sich rechtlich strukturieren, aber Planungssicherheit entsteht nur mit belastbaren Entscheidungen.

Produktion in Leuna: Polyamid 6 und Kostendruck

In Leuna produziert der Chemiekonzern unter anderem Polyamid 6, und der Werkstoff gilt als hitzebeständig sowie vielseitig einsetzbar. Er wird in Motorräumen von Fahrzeugen und in Schaltschränken genutzt, aber auch in Anwendungen für Outdoor-Textilien. Während der Energiepreiskrise 2022 rutschte das Werk in die Verlustzone, weil Energiepreise die Marge fraßen und zugleich der deutsche Markt härter kalkulierte.

Trotz dieser Belastung investierte Domo im Frühjahr 2025 in neue Anlagen im Chemiepark Leuna und setzte damit auf Modernisierung. Vertriebschef Vedran Kujundzic verwies im Mai gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“ auf eine stabilisierte operative Lage. „Die Auslastung ist zufriedenstellend“, sagte er, und er ergänzte: „Wir bleiben und investieren in die Zukunft.“


Jobs und Politik: Sachsen-Anhalt organisiert die Stabilisierung

Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) begleitet die Gespräche, und er kündigte Unterstützung für Jobs am Standort Leuna an. „Ich kenne die schwierige Situation seit einigen Wochen, leider konnte das Unternehmen keine Lösung finden“, sagte Schulze der „Mitteldeutschen Zeitung“, während das Land bereits Hilfe angeboten habe. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt und die Chemieparkgesellschaft Infra-Leuna sind eingebunden, damit Finanzierung und Abläufe greifen.

Schulze trennt die Standortleistung von der Konzernkrise, und er formuliert das ausdrücklich. „Die Ursache der Insolvenz hängt in erster Linie nicht mit dem Standort Leuna zusammen“, erklärte er, und er verwies damit auf die belgische Gruppe. Entscheidend wird nun, ob ein Investor den Industriepark-Teil übernimmt oder ob ein Verkauf einzelner Einheiten Jobs und Produktion absichert, denn ohne verlässliche Perspektive können Arbeitsplätze wegfallen und die Chemieindustrie in der Region Schaden nehmen.

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