Carl Zeiss Meditec zieht die Reißleine im China-Geschäft, weil der Zugang zum wichtigsten Markt schwieriger wird. Der Konzern will mehr Fertigung in die Volksrepublik verlagern, um dort weiter verkaufen zu können. Finanzvorstand Justus Felix Wehmer sagte: „Um weiter am großen chinesischen Markt partizipieren zu können, müssen wir mehr Wertschöpfung dorthin verlegen“. Gleichzeitig räumte er ein, dass das „Auswirkungen auf Standorte woanders in der Welt und sicherlich auch Deutschland, haben kann“. Die Aktie reagierte zuletzt mit einem Minus von rund zwei Prozent, weil Investoren die Risiken neu bewerten (onvista: 12.02.26).
China bleibt Pflichtmarkt für die Augenheilkunde
Ein Rückzug aus China steht für Zeiss Meditec nicht zur Debatte, obwohl das Umfeld härter wird. Wehmer betonte: „China ist der weltweit größte Markt für die Augenheilkunde.“ Der Konzern erzielt dort rund ein Viertel seines Umsatzes und damit hängt ein zentraler Teil des Geschäfts am Zugang zu Kliniken und Ausschreibungen. Zeiss Meditec verkauft in China unter anderem künstliche Linsen, Diagnostikgeräte, Operationsmikroskope und medizinische Laser. Deshalb soll die Wertschöpfung durch die Verlagerung der Produktion näher an den Kunden rücken, damit der Konzern in Vergaben nicht ins Hintertreffen gerät.

Die Produktionsbasis in der Volksrepublik existiert bereits, doch sie soll stärker genutzt werden. Zeiss Meditec betreibt zwei eigene Standorte in Guangzhou und Suzhou und genau dort dürfte künftig mehr Volumen entstehen. Wehmer hält sich bei Details zurück, weil interne Beschlüsse noch fehlen. Er sagt aber klar, dass die Entscheidung nicht nur operativ ist, sondern auch politisch geprägt bleibt. In Peking ändern sich Regeln schnell und wer nicht lokal produziert, verliert in sensiblen Segmenten leichter den Marktzugang.
Rote Zahlen zum Jahresstart verschärfen den Handlungsdruck
Der Strategiewechsel fällt in eine Phase, in der die Zahlen kippen. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember stand ein Verlust von 4,9 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch 15,7 Millionen Euro Gewinn erzielt wurden. Auch das operative Ergebnis (Ebita) brach um fast 80 Prozent auf gut 8 Millionen Euro ein, was die Lage zusätzlich zuspitzt. Negative Währungseffekte und höhere Abschreibungen spielten eine Rolle, doch der Haupttreiber bleibt das schwache China-Geschäft.
Wehmer beschreibt den Druck offen, aber ohne Schlagworte. Die Regierung in Peking schotte den Markt stärker ab und diese Schutzmaßnahmen verändern den Wettbewerb. Zudem spürt Zeiss Meditec verschärfte Auflagen, die laut Management als Reaktion auf EU-Strafzölle für chinesische Elektroautos eingeführt worden seien. Gleichzeitig bremst die schwache Wirtschaftslage in China die Investitionen und die Kaufzurückhaltung bleibt hoch. Damit geraten Premiumprodukte schneller unter Preisdruck, obwohl sie technologisch überzeugen.
Für Aussagen zu möglichen Einschnitten ist es laut Wehmer noch zu früh. Das gelte auch für die Frage, ob es Stellenabbau geben könnte, weil zunächst die zuständigen Gremien entscheiden müssen. Auch die im Januar ausgesetzte Prognose für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr bleibt vorerst auf Halde. Dennoch kündigt der Konzern Maßnahmen an, weil das Ergebnis keinen Spielraum lässt.
Konzernumbau bei Forschung und Prozessen soll Kosten senken
Neben der Verlagerung von Fertigung plant Zeiss Meditec eine Neuausrichtung der Forschung und Entwicklung. Dabei geht es um Prioritäten, aber auch um Geschwindigkeit, damit Projekte schneller marktreif werden. Zusätzlich sollen Effizienzprogramme greifen, weil Kostenblöcke im Konzern gesenkt werden müssen. Wehmer erklärte, man werde Prozesse prüfen, vereinheitlichen und standardisieren, um Geld zu sparen. „Ich will da gar keine Funktion besonders hervorheben, aber auch keine ausnehmen“, sagte er dazu.
Die neue Linie kann weit reichen, weil Standardisierung oft in Einkauf, Produktion, IT und Verwaltung eingreift. Gleichzeitig hängt der Erfolg stark davon ab, wie sich die Rahmenbedingungen in China entwickeln. Wenn Zulassungen länger dauern oder lokale Anbieter bevorzugt werden, steigt der Druck auf Margen weiter. Deshalb koppelt Zeiss Meditec die nächsten Schritte an mehr Klarheit in den kommenden Monaten.
Das Unternehmen will aktualisierte Ziele spätestens zur Halbjahresbilanz am 12. Mai vorlegen. Wehmer sagt: „Bis dahin haben wir mehr Klarheit.“ Bis dahin bleibt die Lage dynamisch, und Entscheidungen werden eng an China-Faktoren ausgerichtet. Für Anleger ist das relevant, weil die Profitabilität wieder anziehen muss, damit der Konzern nicht dauerhaft in den roten Zahlen bleibt.
Ausschreibungen, Zulassungen und Zölle erhöhen die Unsicherheit
Ein offener Punkt ist eine wichtige landesweite Ausschreibung in China, bei der Zeiss Meditec mit einer teuren Premiumlinse antritt. Ein Zuschlag wäre lukrativ, doch der Wettbewerb wird schärfer. Erst seit Kurzem weiß das Unternehmen, dass zwei lokale Anbieter ebenfalls bieten, und heimische Firmen werden bei der Vergabe zunehmend bevorzugt. Damit wächst das Risiko, dass Premiumsegmente nicht mehr automatisch an internationale Marken gehen.
Hinzu kommt eine zweite Linse, bei der laut Wehmer bisher nur eine mündliche Zulassung vorliegt. Solche Details sind für Planung entscheidend, weil ohne schriftliche Freigabe weder Absatz noch Produktion sauber kalkulierbar sind. Außerdem bleibt die Nachfrage rund um das chinesische Neujahrsfest abzuwarten, weil das Kaufverhalten in dieser Phase stark schwankt. Und auch die weitere Entwicklung der US-Zölle spielt hinein, weil sie Lieferketten und Preise beeinflusst, während globale Handelskonflikte wieder an Schärfe gewinnen.
Unterm Strich setzt Zeiss Meditec auf lokale Wertschöpfung, weil China der Kernmarkt bleibt. Gleichzeitig steigt das Risiko für andere Standorte, weil Kapazitäten sich verlagern könnten. Das Unternehmen vermeidet feste Zusagen, doch die Richtung steht fest, und das macht die nächsten Monate für Beschäftigte und Investoren gleichermaßen brisant.
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