Bundeswehr kauft Kampfhubschrauber für 2,5 Milliarden Euro ohne einsatzbereite Bewaffnung

Die Bundeswehr hat für rund 2,5 Milliarden Euro neue Kampfhubschrauber bestellt, deren vorgesehene Bewaffnung noch nicht einsatzbereit ist. Anfang November 2026 kritisiert der Bundesrechnungshof erhebliche Mängel bei der Beschaffung des Airbus H145M. Die Maschinen können zwar fliegen, stehen jedoch zunächst nicht für reguläre Kampfeinsätze zur Verfügung. Denn für die Bordkanone fehlt sicherheitsgeprüfte Munition, während die Integration der Panzerabwehrraketen noch nicht abgeschlossen ist. Damit droht der Bundeswehr eine jahrelange Verzögerung bei der militärischen Einsatzbereitschaft. Zugleich geraten Deutschlands Zusagen gegenüber der NATO in Gefahr.

Bundeswehr-Kampfhubschrauber für 2,5 Milliarden Euro können vorerst nicht kämpfen. Fehlende Waffen gefährden die NATO-Zusagen
Bundeswehr-Kampfhubschrauber für 2,5 Milliarden Euro können vorerst nicht kämpfen. Fehlende Waffen gefährden die NATO-Zusagen
Bild: Shutterstock

Kampfhubschrauber ohne einsatzfähige Waffen verfehlen ihren eigentlichen Zweck

Der entscheidende Mangel betrifft die militärische Kernfunktion der neuen Maschinen. Ein Kampfhubschrauber muss gegnerische Ziele bekämpfen und eigene Truppen durch Feuerkraft unterstützen können. Ohne einsatzfähige Bewaffnung kann er diese Aufgaben jedoch nicht erfüllen. Die Bundeswehr erhält damit zunächst Fluggeräte, die sich vor allem für Ausbildung und andere Aufgaben eignen. Für den vorgesehenen bewaffneten Kampfeinsatz fehlt ihnen hingegen die notwendige Ausstattung. Der Bundesrechnungshof kritisiert deshalb, dass die Maschinen zunächst nur in einer vorläufigen Konfiguration zur Verfügung stehen.

Besonders problematisch ist die vorgesehene 20-Millimeter-Bordkanone. Die dafür verfügbare Munition besitzt keine ausreichende Sicherheitsfreigabe, weil ihr Anzündhütchen empfindlich auf elektrostatische Einflüsse reagiert. Außerdem hat die Bundeswehr die vorgesehenen Geschosse bislang nicht abschließend erprobt. Entsprechende Prüfungen stehen laut den Berichten bereits seit Sommer 2020 aus. Wann eine sichere und zugelassene Munitionslösung bereitsteht, ist weiterhin unklar. Damit fehlt eine wesentliche Voraussetzung für den bewaffneten Einsatz der Hubschrauber.


Panzerabwehrraketen für 384 Millionen Euro noch nicht einsatzbereit

Auch bei der geplanten Raketenbewaffnung gibt es erhebliche Verzögerungen. Die Bundeswehr will den H145M mit Panzerabwehrlenkflugkörpern vom Typ Spike ER2 ausstatten. Erste Schussversuche im Mai 2025 scheiterten jedoch an technischen Problemen mit der Steuerung. Die Integration des Waffensystems ist deshalb noch nicht abgeschlossen. Trotzdem steht eine weitere Beschaffung von Lenkflugkörpern für rund 384 Millionen Euro an. Die Bundeswehr soll die Raketen frühestens Ende 2027 erhalten und anschließend bis 2029 erproben. Selbst das Verteidigungsministerium bewertet diesen Zeitplan als sehr ambitioniert.

Damit entsteht ein erhebliches finanzielles und militärisches Risiko. Die Bundeswehr investiert Milliarden in Kampfhubschrauber, obwohl deren vorgesehene Hauptbewaffnung noch nicht einsatzbereit ist. Hinzu kommen weitere Ausgaben für Raketen, deren Eignung auf dem H145M noch nicht abschließend nachgewiesen wurde. Der Bundesrechnungshof warnt deshalb vor der Möglichkeit, dass die Lenkflugkörper ihre Einsatzprüfung nicht bestehen. In diesem Fall könnte die Bundeswehr die beschafften Waffen nicht wie vorgesehen einsetzen. Für die eigentliche Kampfaufgabe wären die Hubschrauber ohne funktionierende Bewaffnung weitgehend wertlos.

Bereits 82 Hubschrauber bestellt – obwohl die Kampffähigkeit fehlt

Ursprünglich sollte die Entscheidung für den Airbus H145M die Beschaffung beschleunigen. Der Hubschraubertyp ist bereits am Markt verfügbar und stammt aus einer bewährten Modellfamilie. Unter anderem nutzen Rettungsdienste zivile Varianten, während die Bundeswehr militärische Ausführungen bereits für Spezialkräfte einsetzt. Allerdings erfordert der Umbau zum bewaffneten Kampfhubschrauber zusätzliche Technik und umfangreiche Zulassungen. Offenbar unterschätzte das Verteidigungsministerium den damit verbundenen Entwicklungs- und Integrationsaufwand. Die vermeintlich schnelle Beschaffung führt deshalb zunächst nicht zur gewünschten militärischen Einsatzfähigkeit.

Im Dezember 2023 bestellte Deutschland zunächst 62 Maschinen und vereinbarte Optionen auf weitere 20 Hubschrauber. Diese Option zog die Bundesregierung im Dezember 2025, womit die Bestellung inzwischen 82 Exemplare umfasst. Davon sind 72 für das Heer und zehn für die Luftwaffe vorgesehen. Die erste Maschine wurde bereits im November 2024 übergeben, weitere sollen bis Ende 2028 folgen. Der Milliardenauftrag umfasst allerdings nicht nur die Fluggeräte, sondern auch Ausbildung, Wartung und logistische Leistungen. Dennoch bleibt der entscheidende Widerspruch bestehen: Die Fluggeräte werden ausgeliefert, während ihre volle militärische Kampffähigkeit noch aussteht.


NATO-Zusagen gefährdet – Bundesrechnungshof fordert Überprüfung

Die Verzögerungen treffen die Bundeswehr in einer entscheidenden Phase ihrer Aufrüstung. Deutschland hat der NATO zugesagt, bis 2029 zunächst zwölf einsatzbereite Kampfhubschrauber bereitzustellen. Ab 2032 sollen insgesamt 72 Maschinen für entsprechende Aufgaben verfügbar sein. Dafür reicht es jedoch nicht aus, dass die Hubschrauber ausgeliefert wurden und fliegen können. Sie müssen auch über ihre vorgesehene Bewaffnung verfügen und militärisch einsetzbar sein. Der Bundesrechnungshof bezweifelt deshalb, dass die Bundeswehr ihre Verpflichtungen fristgerecht erfüllen kann. Das Verteidigungsministerium weist diese Befürchtung zurück und kündigt eine Prüfung der Kritikpunkte an.

Die Rechnungsprüfer empfehlen eine grundlegende Überprüfung des gesamten Beschaffungsvorhabens. Außerdem hatten sie gefordert, weitere Bestellungen zunächst auszusetzen. Die zusätzlichen 20 Maschinen hatte die Bundesregierung allerdings bereits vor Bekanntwerden der aktuellen Kritik fest bestellt. Damit verschärft sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Projekts. Zwar besitzen die Hubschrauber auch ohne Bewaffnung einen Nutzen für Ausbildung, Aufklärung und andere Aufgaben. Doch diese Fähigkeiten ersetzen nicht den vorgesehenen Kampfeinsatz. Ein flugfähiger Hubschrauber ist noch kein einsatzbereiter Kampfhubschrauber. Für ein milliardenschweres Rüstungsprojekt ist dieser Unterschied entscheidend.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: ntv (01.11.26) – BR24 (01.11.26) – Fokus (01.11.26)

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