Bundesumweltminister Schneider plant 2000 Windkraftanlagen im windarmen Süden

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat mit dem Klimaschutzprogramm 2026 den Bau von 2000 zusätzlichen Windkraftanlagen angekündigt, die bis 2030 vor allem in Süddeutschland entstehen sollen. Der Ausbau soll 12.000 Megawatt zusätzliche Leistung bringen, sieben Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr einsparen und rechnerisch 90 Millionen Tankfüllungen ersetzen. Zugleich liegt das Kernproblem offen: Viele der vorgesehenen Standorte befinden sich in windschwachen Regionen in Bayern und Baden-Württemberg, weshalb hohe Subventionen erforderlich sind, da diese dort nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Während Schneider den Plan als Beitrag zu mehr Versorgungssicherheit und geringerer Importabhängigkeit darstellt, konnte der Expertenrat für Klimafragen zentrale Berechnungen dazu nicht überprüfen, da sie nicht rechtzeitig vorgelegt wurden. Damit drohen höhere Lasten für den Steuerzahler, offene Fragen zur Wirtschaftlichkeit und neuer Streit in der Koalition (welt: 26.03.26).


Schneider setzt auf Ausbau von Windkraftanlage trotz offener Prüfung

Der Expertenrat für Klimafragen konnte den fast 300 Seiten starken Regierungsplan nicht wie vorgesehen bewerten. Das Umweltministerium hatte die Unterlagen zu spät und außerdem in vier getrennten Teilen übermittelt. Deshalb blieb eine vollständige Prüfung aus, obwohl das Gremium genau dafür eingesetzt ist.

Schneider will 2000 Windkraftanlagen im windschwachen Süden bauen - ohne Subventionen ist ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich
Schneider will 2000 Windkraftanlagen im windschwachen Süden bauen – ohne Subventionen ist ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich

Auch inhaltlich fiel das Urteil kritisch aus. Die Wirkung der rund 90 Einzelmaßnahmen lasse sich nicht belastbar nachweisen, zudem sei kein schlüssiges Gesamtkonzept erkennbar. Angaben zu Finanzierung, Wirtschaftlichkeit und sozialen Folgen fehlen ebenfalls, während wichtige Entscheidungen wie das künftige Heizungsgesetz im Programm gar nicht auftauchen.

Hohe Zuschüsse für schwache Standorte

Bei der Vorstellung des Programms stellte der Minister vor allem die geopolitische Begründung in den Vordergrund. Er sprach von „heimische Sicherheitsenergien“ und verband den Ausbau mit dem Ziel, Deutschland unabhängiger von fossilen Importen zu machen. Politisch wirkt das eingängig, jedoch ersetzt diese Linie keine belastbare Kostenrechnung.

Genau diese Kosten steigen im Süden deutlich. Dort gelten viele Standorte als netzdienlich, zugleich aber wegen schwacher Windverhältnisse als wirtschaftlich unattraktiv. Deshalb greift das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit Zuschlägen ein. Bei einer Standortgüte von 50 Prozent steigt die Vergütung auf das 1,55-Fache, bei 60 Prozent auf das 1,42-Fache. So kostet eine Kilowattstunde Strom normalerweise 7,25 Cent Förderung, in Süddeutschland jedoch oft 10,3 bis 11,2 Cent. Schneider will an diesem teuren Referenzertragsmodell festhalten, obwohl der Koalitionsvertrag eine Prüfung genau dieses Instruments vorsah.


Streit über den teuersten Weg der Energiewende

Die Zahlen aus Bayern zeigen die Dimension des Problems. Nach einer Analyse der Fachagentur Wind und Solar liegt der durchschnittliche Gütefaktor dort bei nur 55 Prozent. Außerdem stehen 76 Prozent der bayerischen Windräder an Schwachwindstandorten und erhalten dennoch hohe Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Fachagentur-Experte Jürgen Quentin erklärt: „Größere Anlagen, eine aufwändigere Standorterschließung und geringere Energieerträge führen zu höheren Stromgestehungskosten“.

Für die Industrie ist das ein schlechtes Signal. Schon ohne Netz-, Speicher- und Reservekosten liegt der geförderte Windstrom aus Süddeutschland deutlich über dem Preisniveau, das viele Unternehmen als wettbewerbsfähig ansehen. Deshalb wächst der Druck auf die Bundesregierung, den Ausbau stärker an Effizienz auszurichten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verfolgt mit ihrem „Netzpaket“ einen anderen Ansatz. In Regionen mit häufigen Abregelungen sollen neue Windparks keine Entschädigung mehr erhalten, wenn wegen überlasteter Leitungen abgeschaltet wird. Dadurch würden nördliche Standorte unattraktiver, während Investoren eher in den Süden ausweichen könnten. Unterstützt wird dieser Kurs von Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller. Damit steuert die Koalition auf den nächsten Grundsatzstreit zu.

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