Black-Hawk-Beschaffung – Rechnungshof nennt teure Fehler und jahrelange Verzögerungen

In Österreich hat der Rechnungshof 2026 schwere Mängel bei der Black-Hawk-Beschaffung und Modernisierung des Bundesheeres offengelegt. Geprüft wurde ein Vorhaben aus den Jahren 2019 bis 2024, das neun modernisierte Hubschrauber sowie drei zusätzliche gebrauchte Maschinen umfasst. Auslöser der Kritik waren Fehler im Vergabeverfahren, eine schwache Projektsteuerung und zahlreiche Vertragsänderungen. Als entscheidenden Risikofaktor nennt der Bericht die unzureichende Führung eines komplexen und riskanten Großvorhabens. Die Folgen reichen von Mehrkosten in Millionenhöhe über jahrelange Verzögerungen bis zu einer deutlich zu niedrigen Einsatzbereitschaft der Flotte und hohen Zusatzlasten am Standort Langenlebarn (rechnungshof: 10.04.26).


Black-Hawk-Projekt verlor früh die Kontrolle über Kosten und Termine

Das Vorhaben wurde deutlich teurer als zunächst geplant. Ursprünglich standen 77,70 Millionen Euro im Raum, während der spätere Gesamtpreis für Modernisierung und Zukauf auf 125,85 Millionen Euro stieg. Damit überschritt das Projekt früh die ursprünglichen Erwartungen, obwohl Festpreise vereinbart waren.

Black-Hawk-Beschaffung in Österreich: Rechnungshof meldet Mehrkosten, Verzögerungen und eine zu geringe Einsatzbereitschaft
Black-Hawk-Beschaffung in Österreich: Rechnungshof meldet Mehrkosten, Verzögerungen und eine zu geringe Einsatzbereitschaft

Zugleich musste das erste Vergabeverfahren widerrufen werden. Der Rechnungshof spricht von einem „grober vermeidbarer Verfahrensfehler“. Danach folgten neun Vertragsänderungen, während sich die Modernisierung um rund fünf Jahre verzögerte. Außerdem verschob sich die Lieferung der drei zusätzlich beschafften Hubschrauber von Dezember 2022 auf August 2026.

Einsatzprobleme und Infrastrukturkosten verschärften das Black-Hawk-Fiasko

Neben den Kosten belastete vor allem die schwache Verfügbarkeit die Bilanz. Die Einsatzbereitschaft der Hubschrauber lag nur zwischen 22 und 33 Prozent. Vorgesehen waren jedoch 66 Prozent, weshalb das Heer klar hinter dem eigenen Ziel blieb. Dadurch fehlten Kapazitäten für Transportaufgaben, Unterstützungseinsätze und militärische Bereitschaft.

Auch am Fliegerhorst Langenlebarn stiegen die Kosten massiv. Für bauliche Anpassungen erhöhte sich der Aufwand von 9,70 auf 37,16 Millionen Euro. Gründe waren jedoch nicht nur höhere Baupreise, sondern auch planerische Schwächen, zusätzlicher Flächenbedarf und erweiterte technische Anforderungen. Während die Black-Hawk-Flotte vergrößert werden sollte, wuchs damit zugleich der finanzielle Druck auf das Ressort.


Rechnungshof fordert klare Zuständigkeiten und strenge Steuerung

Der Bericht kritisiert deshalb nicht nur einzelne Fehlentscheidungen, sondern die gesamte Projektführung. Das Ministerium behandelte das Vorhaben nicht als reguläres Großprojekt mit verbindlicher Steuerung, obwohl es neuartig, komplex und riskant war. Genau dieser Punkt wog besonders schwer, weil damit Kosten, Termine und Verfügbarkeit zugleich aus dem Ruder liefen.

Die Folgen reichen über das Hubschrauberprojekt hinaus. Mittel wurden gebunden, während andere Aufgaben im Verteidigungsbereich zurückstehen mussten. Zugleich sank die operative Flexibilität des Bundesheeres, weil eine zu geringe Zahl einsatzbereiter Maschinen verfügbar war. Deshalb fällt die Bilanz klar aus: Österreich erhielt ein verspätetes, teureres und nur eingeschränkt verfügbares System, während der Rechnungshof für künftige Beschaffungen belastbare Verträge, klare Verantwortung und lückenlose Kontrolle verlangt.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen