Nur rund die Hälfte der Start-ups würde nach aktuellen Erkenntnissen erneut in Deutschland ein Unternehmen gründen. Das zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 133 Techfirmen zu Jahresbeginn. Anlass für die skeptische Bewertung sind eine schwache Konjunktur, fehlendes Wagniskapital und strukturelle Standortprobleme, die Wachstum und Expansion erschweren. Während einige Unternehmen ihre Lage verbessern konnten, berichten andere von steigenden Risiken bis hin zur drohenden Insolvenz innerhalb eines Jahres. Zugleich fehlen bei großen Finanzierungsrunden oft heimische Investoren, weshalb viele Start-ups auf Kapital aus dem Ausland angewiesen bleiben (welt: 24.02.26).
Start-ups bewerten Standort Deutschland zunehmend kritisch
Die Ergebnisse zeigen eine gespaltene Stimmung. Nur 50 Prozent der Gründer würden erneut in Deutschland starten, während 20 Prozent heute ein anderes EU-Land bevorzugen würden. Weitere 11 Prozent würden sich sogar für einen Standort außerhalb Europas entscheiden. Die USA gelten jedoch ebenfalls nicht als bevorzugte Alternative, denn nur sieben Prozent der Befragten würden rückblickend dorthin gehen.

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Unzufriedenheit nicht automatisch zur Abwanderung führt. Viele Unternehmen sehen weiterhin Chancen im deutschen Markt, gleichzeitig belasten wirtschaftliche Unsicherheit und bürokratische Hürden, sowie die Zurückhaltung von Investoren die Geschäftsentwicklung. Deshalb fordern Branchenvertreter gezielte Verbesserungen bei Finanzierung und Regulierung.
Wirtschaftliche Lage bleibt widersprüchlich
Die Bewertung der eigenen Geschäftssituation fällt gemischt aus. Rund 35 Prozent der befragten Firmen berichten von einer Verbesserung im vergangenen Jahr, während 30 Prozent eine Verschlechterung sehen. Weitere 35 Prozent erkennen keine Veränderung, was auf eine insgesamt stagnierende Entwicklung hinweist.
Deutlich kritischer fällt der Blick auf die allgemeine Lage der Branche aus. Nur 19 Prozent sehen für 2026 eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, während 37 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Gleichzeitig fürchtet etwa jedes elfte Unternehmen eine Insolvenz innerhalb der nächsten zwölf Monate, weshalb die Unsicherheit in der Branche spürbar zunimmt.
Kapitalmangel bremst Wachstum und Expansion
Ein zentrales Problem bleibt die Finanzierung. Nach der Gründung erhalten junge Unternehmen zwar häufig erste Mittel, doch bei größeren Summen für Wachstum entstehen Lücken. Deshalb müssen viele Start-ups für Expansionsphasen auf internationale Investoren zurückgreifen. Der Startup-Verband kritisiert seit Längerem, dass Deutschland beim Wagniskapital deutlich hinter anderen Ländern zurückliegt.
Die Unterschiede fallen erheblich aus. In den USA flossen 2025 pro Kopf mehr als 700 Euro in Start-ups, in Großbritannien fast 300 Euro und in Frankreich über 100 Euro. Deutschland erreichte dagegen nicht einmal 90 Euro pro Kopf. Diese Differenz wirkt sich direkt auf Skalierung, Innovationstempo und internationale Wettbewerbsfähigkeit aus.
Forderungen nach politischen Reformen
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst beschreibt die Lage klar: „Viele Start-ups kommen voran, aber ebenso viele kämpfen mit der schwierigen konjunkturellen Lage.“ Er fordert zugleich besseren Zugang zu öffentlichen Aufträgen, weniger Regulierung und mehr Möglichkeiten zur Datennutzung für innovative Technologien.
Die Branche sieht deshalb politischen Handlungsbedarf. Deutschland habe zwar ein wettbewerbsfähiges Start-up-System aufgebaut, jedoch verschärfen wirtschaftlich schwierige Zeiten bestehende Schwächen. Ohne gezielte Maßnahmen könnten innovative Unternehmen ihre Wachstumspläne reduzieren oder Standorte mit besseren Finanzierungsbedingungen bevorzugen.
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