Bielefeld legt Wasserstoff-Müllwagen-Flotte still – nächste Tankstelle zu weit weg

Bielefeld hat sieben wasserstoffgetriebene Müllwagen stillgelegt, weil die bislang genutzte H2-Tankstelle in Rheda-Wiedenbrück geschlossen wurde. Für jede Betankung fielen zuvor rund 80 Kilometer Hin- und Rückfahrt an. Nach dem Ausfall dieser Station bleibt als Alternative nur eine deutlich längere Tankfahrt, die den Regelbetrieb sprengt (electrive: 09.02.26). Die Flotte kostete rund 7 Millionen Euro, also etwa 1 Million Euro pro Fahrzeug, und galt durch Bundesmittel als hochsubventioniert. Bielefeld setzte den ersten Wasserstoff-Müllwagen 2021 in den Betrieb. Die sechs weiteren Fahrzeuge kamen deutlich später dazu und wurden erst vor rund zwei Jahren in Betrieb genommen.


Tankstelle fällt weg, Reichweite reicht im Alltag nicht mehr

Die Fahrzeuge tankten bisher in Rheda-Wiedenbrück. Pro Tankvorgang fielen rund 80 Kilometer Hin- und Rückfahrt an. Das belastete den Betrieb, weil die Reichweite der Müllwagen laut Berichten bei etwa 300 Kilometern lag. Damit verschwand ein spürbarer Teil der Tagesleistung schon auf dem Weg zur Zapfsäule.

Bielefeld legt 7 hochsubventionierte Wasserstoff-Müllwagen still, nachdem Tankstelle in 40 Kilometer Entfernung geschlossen wurde
Bielefeld legt 7 hochsubventionierte Wasserstoff-Müllwagen still, nachdem Tankstelle in 40 Kilometer Entfernung geschlossen wurde

Seit der Schließung dieser Station bleibt als Alternative Münster. Dort liegt die nächste Option laut Darstellung rund 90 Kilometer je Strecke entfernt. Das ergibt etwa 180 Kilometer Hin- und Rückfahrt nur für die Betankung der Fahrzeuge. Diese Lösung gilt deshalb als „nicht mehr darstellbar“, weil die Restreichweite für nicht mehr für die Tourenplanung reicht.

Hohe Mehrkosten, hoher Zuschuss: Die Förderung in Zahlen

Die Dimension der Subvention lässt sich an den Mehrkosten gegenüber einem konventionellen Müllwagen festmachen. Für den H2-Müllwagen wurden 1.000.000 Euro angesetzt. Ein herkömmlicher Müllwagen wurde mit rund 250.000 Euro beziffert. Daraus ergeben sich Mehrkosten von etwa 750.000 Euro pro Fahrzeug.

Genau diese Differenz war die Basis der Förderung. Der Bund übernahm 90 Prozent der Mehrkosten, also 675.000 Euro Zuschuss pro Fahrzeug. Trotz der hohen Förderung die sich für die 7 Fahrzeuge auf fast 5 Millionen Euro beläuft, steht die Flotte still, weil die Versorgung fehlt.


Tankstelle in der Stadt, doch Förderregeln blockieren die Nutzung

Das fatale an der Situation ist, dass in Bielefeld eine Wasserstofftankstelle existiert. Sie wurde ebenfalls staatlich gefördert, allerdings ist ihre Nutzung aufgrund der Förderung vertraglich auf die H2-Busse beschränkt. Die Müllwagen dürfen dort nicht tanken, obwohl sie zum kommunalen Fuhrpark gehören. Damit verhindert eine formale Förderregel eine naheliegende Lösung.

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