Berliner Verkehrsbetriebe: Fast 120 Elektrobusse außer Betrieb – Ebusco-Flotte komplett abgestellt

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben stehen nach aktuellem Stand fast 120 Elektrobusse nicht zur Verfügung. Darunter fällt die komplette Ebusco-Flotte mit 90 Fahrzeugen, hinzu kommen knapp 30 weitere E-Busse anderer Hersteller. Gleichzeitig fehlen Doppeldeckerbusse, und der Schienenersatzverkehr bindet zusätzliche Busse im Tagesgeschäft (berliner-zeitung: 22.01.26).


Berliner Verkehrsbetriebe: Garantiethema stoppt Ebusco im Fahrgastbetrieb

Die Berliner Verkehrsbetriebe melden ein Problem bei Ebusco-Bussen, das nicht den elektrischen Antrieb betrifft. Ein Sprecher sagte: „Bei Bussen des Herstellers Ebusco gibt es momentan – wie bereits kommuniziert – ein Garantiethema“. Bei Routinekontrollen wurden kleine Risse am Fahrzeugrahmen festgestellt, weshalb die betroffenen Busse vorerst abgestellt bleiben.

Beim Berliner Verkehrsbetrieb sind fast 120 Elektrobusse ausgefallen. Busse der Ebusco-Flotte stehen komplett

Der Sprecher ergänzte: „Ein Sicherheitsrisiko bestand zu keinem Zeitpunkt.“ Für den Betrieb zählt dennoch, dass die Fahrzeuge bis zur Instandsetzung nicht fahren. Die BVG erklärt dazu: „Wie bei Garantiefällen üblich, werden die betroffenen Busse bis zur Behebung der Schäden nicht eingesetzt. Das betrifft aktuell fast alle Busse dieses Typs“. Damit fällt der überwiegende Teil der Ebusco-Flotte aus, die bei der BVG aus 90 Fahrzeugen des Typs 2.2 besteht.

Betrieb unter knapper Reserve: Umsteuerung und Schienenersatzverkehr

Die Berliner Verkehrsbetriebe stabilisieren den Fahrplan mit Reserven und Verschiebungen zwischen Betriebshöfen. Gleichzeitig bleibt die Ausmusterung älterer Fahrzeuge vorerst ausgesetzt, damit kurzfristig genug Busse verfügbar sind. Diese Entscheidung verlängert den Einsatz von Dieselbussen, obwohl die Flottenstrategie auf Elektrifizierung zielt.

Hinzu kommt umfangreicher Schienenersatzverkehr, unter anderem auf der U6. Dafür mietet die BVG zeitweise zusätzliche Euro-6-Dieselbusse an und setzt sie im SEV ein. Das entlastet Baustellenverkehre, jedoch bindet es Fahrzeuge, die im Regelbetrieb fehlen. Der Ersatzbusbetrieb reduziert damit die Flexibilität in der täglichen Disposition.


Elektrobusse in Berlin: Weitere Ausfälle bei Mercedes und Solaris

Der Ausfall betrifft nicht nur Ebusco. Nach internen Angaben stehen zusätzlich E-Busse der Typen Mercedes-Benz Citaro und Solaris Urbino Electric, die bei der BVG als EE19 und EE20 geführt werden. Dadurch wächst die Zahl der nicht verfügbaren Elektrobusse in Berlin weiter, auch wenn diese Baureihen als robuster gelten.

Die Disposition passt Umläufe kurzfristig an, weil Fahrzeuge fehlen. Werkstätten priorisieren Reparaturen, um Busse schnell wieder einsatzfähig zu machen. Gleichzeitig laufen planmäßige Wartungen und Unfallinstandsetzungen, die Personal und Kapazität binden. So bleiben elektrische Stadtbusse nicht in der vorgesehenen Stückzahl verfügbar, obwohl sie im Tagesgeschäft fest eingeplant sind.

Doppeldeckerbusse: Werkstattbindung senkt die verfügbare Kapazität

Auch bei den Doppeldeckerbusse gibt es Ausfälle, die die Kapazität spürbar reduzieren. Nach Auswertungen von Bus-Beobachtern stehen derzeit 36 Fahrzeuge aus einer Flotte von mehr als 190 Doppeldeckern der Typen ADL DL20 und DL21. Die BVG nennt Werkstattaufenthalte und einzelne Unfallschäden als Ursachen.

Ein Sprecher teilte mit: „Die Verfügbarkeit unserer Doppeldecker entwickelt sich insgesamt stabil.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Derzeit liegt die Zahl einsatzfähiger Fahrzeuge leicht unter unserem Zielniveau.“ Fehlende Doppeldeckerbusse lassen sich nicht auf jeder Linie kompensieren, weil sie viele Sitzplätze bieten. Wenn Doppelstockbusse fehlen, sinkt die Kapazität insbesondere auf stark nachgefragten Strecken.

Einordnung: Qualitätskritik, Lieferketten und Reparaturhorizont

Die BVG stellte Ebusco 2022 öffentlich vor, doch die Serienlieferung begann später als angekündigt. Als Gründe wurden Engpässe bei Bauteilen sowie Störungen in der Lieferkette genannt. Danach folgte deutliche Kritik an der Verarbeitung, unter anderem mit der Feststellung: „Fehlender Unterbodenschutz, falsche und schlechte Schweißnähte, Rost und abgebrochene Gewindebohrer sind schon eine erschreckende Bilanz“.

Seit 2024 belastet zudem die wirtschaftliche Krise des niederländischen Busherstellers die Planbarkeit. Nach Insiderangaben sollen Reparaturen ab Frühjahr 2026 beginnen, was den Zeitraum eingeschränkter Verfügbarkeit verlängert. Für die Berliner Verkehrsbetriebe bleibt deshalb entscheidend, wie schnell Garantiearbeiten umgesetzt werden und wie stabil die übrige Flotte läuft. Gleichzeitig bindet Schienenersatzverkehr weitere Busse, sodass Reserven eng bleiben.

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