BASF baut in Berlin ab und setzt auf Asien – der nächste Schlag gegen den Standort Deutschland

BASF verlagert Arbeitsplätze vom Berliner Standort nach Asien. Betroffen sind Finanz- und Personalservices sowie Aufgaben mit Bezug zu Lieferketten. Der Chemiekonzern will diese Bereiche künftig in Indien und Malaysia bündeln. Anlass ist ein verschärfter Sparkurs im Rahmen eines umfassenden Umbaus. Der kritische Punkt liegt in der fehlenden Klarheit über das Ausmaß der Kürzungen. Für die rund 2.800 Beschäftigten in Berlin wächst deshalb die Unsicherheit, während Proteste und politische Kritik zunehmen (merkur: 04.03.26).


Protest in Berlin nach überraschender Kehrtwende

Die Entscheidung trifft die Belegschaft an einem besonders empfindlichen Punkt. BASF hatte den Standort Berlin vor rund 20 Jahren gezielt aufgebaut. Damals bündelte der Konzern interne Dienstleistungen wie Finanzen, Personal und IT in der Hauptstadt. Die Mitarbeiter akzeptierten dafür sogar niedrigere Löhne, damit die Aufgaben nicht in die Slowakei verlagert wurden.

BASF setzt auf Asien statt Berlin - die Verlagerung von Jobs verschärft den Druck auf den deutschen Standort massiv
BASF setzt auf Asien statt Berlin – die Verlagerung von Jobs verschärft den Druck auf den deutschen Standort massiv

Jetzt wächst der Unmut, weil diese frühere Zusage faktisch an Gewicht verliert. In der vergangenen Woche demonstrierten rund 300 Mitarbeiter vor dem BASF-Servicezentrum im Prenzlauer Berg. Sie wollen erreichen, dass die Konzernführung über Alternativen verhandelt. Stephanie Albrecht-Suliak von der IGBCE erklärte: „Gemeinsam wurde sich vor über 20 Jahren zum Standort bekannt, gemeinsam haben wir den Standort aufgebaut, die Beschäftigten Verzicht geübt, gemeinsam werden wir den Standort verteidigen.“ Auch Berlins Regierender Bürgermeister sprach bei der Kundgebung.

BASF setzt auf Asien und verschärft den Konzernumbau

Trotz der Proteste hält BASF an seinem Kurs fest. Der Konzern bezeichnet die Maßnahmen als Teil eines Transformationsprozesses. Ziel ist es, Abläufe stärker zu automatisieren und mehr Aufgaben an kostengünstigere Standorte zu verlagern. Tätigkeiten, die nah an den jeweiligen Standorten erbracht werden müssen, sollen jedoch in Berlin bleiben.

Der Schritt in Richtung Asien passt in einen größeren Umbau. In den vergangenen zwei Jahren baute BASF konzernweit 4.800 Stellen ab. Etwa die Hälfte davon entfiel auf Deutschland. Zudem sank die Zahl der Führungskräfte um elf Prozent. Zugleich verschlechterten sich wichtige Kennzahlen. Der Umsatz sank im vergangenen Jahr um drei Prozent auf rund 59,7 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen fiel um fast zehn Prozent auf knapp 6,6 Milliarden Euro.


China wird für BASF immer wichtiger

Parallel zum Abbau in Deutschland investiert BASF massiv im Ausland. Noch im ersten Quartal soll der große Verbundstandort in Zhanjiang in China eröffnen. Dort sollen rund 2.000 Arbeitsplätze entstehen. Das Projekt hat ein Volumen von etwa 8,7 Milliarden Euro und ist das größte Einzelvorhaben des Konzerns. Nach Ludwigshafen und Antwerpen wird Zhanjiang damit zum drittgrößten BASF-Standort.

Hinter dieser Strategie stehen klare wirtschaftliche Motive. China macht bereits rund die Hälfte des weltweiten Chemiemarkts aus. Außerdem erwartet BASF dort einen großen Teil des Wachstums in der Region Asien-Pazifik. Hinzu kommen niedrigere Betriebskosten. Energie ist günstiger, während Steuern, Abgaben und bürokratische Hürden häufig geringer ausfallen. Deshalb beschleunigt BASF seine Verlagerung nach Asien, während deutsche Standorte weiter unter Druck geraten. Für Berlin ist das mehr als ein Einzelfall. Der Standort steht exemplarisch für den schleichenden Verlust industrieller Funktionen in Deutschland.

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