Bankraub war gestern – jetzt pumpen Diebe Diesel nachts aus Lkw-Tanks

In Deutschland haben Diebe in den letzten zwei Wochen, besonders zwischen dem 25. März und dem 5. April 2026, mehrfach große Mengen Diesel gestohlen. Schwerpunkte lagen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern. Betroffen waren vor allem Lastwagen auf Autobahnparkplätzen sowie einzelne Firmengelände. Die Täter nutzten die Nacht, zapften Kraftstoff aus ungesicherten oder aufgebrochenen Tanks ab und trafen dabei teils auf Fahrer, die während der Ruhezeit im Fahrzeug schliefen. Allein im Raum Walldorf verschwanden rund 1.600 Liter, im Rhein-Neckar-Kreis weitere rund 900 Liter, bei Satteldorf etwa 750 Liter und an der A61 in Rheinland-Pfalz rund 600 Liter. Die Schäden gehen in die Tausende, während Ermittler als entscheidenden Risikofaktor vor allem schlecht gesicherte Fahrzeuge und leicht zugängliche Standorte sehen (ntv: 06.04.26).


Die neue Beute heißt Diesel

Im Rhein-Neckar-Kreis öffneten Täter laut Polizei in der Nacht auf Freitag zwei Tankanlagen von Lastwagen mit Werkzeug und saugten rund 900 Liter Diesel ab. Ein Fahrzeug stand in Ladenburg, das andere in Sinsheim. Der Wert des gestohlenen Kraftstoffs liegt wegen der hohen Preise bei mehr als 2.000 Euro. Deshalb zeigt dieser Fall, wie lukrativ selbst wenige Minuten an einem schlecht gesicherten Fahrzeug inzwischen sein können.

Diesel-Diebstahl nimmt zu -  Täter zapfen nachts Lkw-Tanks an und verursachen in mehreren Regionen hohe Schäden
Diesel-Diebstahl nimmt zu – Täter zapfen nachts Lkw-Tanks an und verursachen in mehreren Regionen hohe Schäden

Noch größer fiel die Beute rund um das Autobahnkreuz Walldorf aus. Dort pumpten Unbekannte am Wochenende aus mehreren geparkten Lastwagen insgesamt etwa 1.600 Liter Diesel ab, während die Fahrer in ihren Fahrzeugen schliefen. In mindestens einem Fall brachen die Täter sogar einen verschlossenen Tankdeckel auf. Zugleich macht genau dieses Muster klar, warum Rastplätze entlang wichtiger Transitachsen besonders anfällig sind.

Täter schlagen nachts und gezielt zu

Auch an der A6 bei Satteldorf zeigt sich dieselbe Methode. Dort verschwanden in der Nacht zum 1. April etwa 750 Liter Kraftstoff aus einem geparkten Sattelzug. Der Fahrer schlief im Fahrzeug, bemerkte den Diebstahl jedoch erst später. Die Polizei teilte zudem mit, dass der Diesel aus zwei unverschlossenen Tanks entnommen wurde. Deshalb reicht oft schon eine kleine Sicherheitslücke, damit Täter große Mengen abtransportieren können.

Bereits am 25. März hatte es auf einem Parkplatz an derselben Autobahn bei Satteldorf einen weiteren Fall gegeben. Damals wurden aus einem Lkw rund 500 Liter Diesel gestohlen. Außerdem meldete Rheinland-Pfalz einen Fall an der A61 im Raum Alzey-Worms, bei dem Unbekannte um den 20. März herum rund 600 Liter Diesel aus zwei Sattelzügen entwendeten. Damit verdichten sich die Hinweise auf eine Serie entlang stark befahrener Fernstraßen.


Kein Banktresor, sondern der Tank

In Bayern stoppte die Grenzpolizei an der A3 bei Passau zwei Männer mit 135 Litern mutmaßlich gestohlenen Diesels, mehreren Kanistern und einem Abpumpschlauch im Auto. Die Beamten vermuten, dass der Kraftstoff aus verschiedenen Fahrzeugen stammt. Währenddessen betonen die Behörden, dass es trotz hoher Preise nicht überall einen klaren flächendeckenden Trend gibt. Das LKA Rheinland-Pfalz spricht von einem leichten Anstieg, aber nicht von einer außergewöhnlichen Häufung. Dennoch liegen die geografischen Schwerpunkte dort aktuell an den Autobahnen A61, A3 und A48.

Die Polizei warnt deshalb seit Wochen vor genau diesem Delikt. In Bayern verwiesen Ermittler schon Mitte März darauf, dass sich mehrere hundert Liter Diesel schnell und nahezu geräuschlos abzapfen und abtransportieren lassen. Besonders gefährdet seien Speditionen, Baufirmen, landwirtschaftliche Betriebe und abgestellte Lkw während der Ruhezeiten. Bankraub war gestern. Heute reicht oft ein Schlauch, ein Kanister und ein ungesicherter Tank, um in kurzer Zeit hohe Schäden anzurichten.

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