Bahn erwägt Streichung von Zugverbindungen wegen marodem Schienennetz

In Bayern wird über die mögliche Streichung von Zugverbindungen diskutiert. Viele Gleise und Weichen der Deutschen Bahn sind stark verschlissen. Überlastete Strecken lösen deshalb immer häufiger Störungen aus. Das Thema kam in einer nicht öffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses im bayerischen Landtag auf. Dort beantwortete Bahnchefin Evelyn Palla Fragen der Abgeordneten. CSU-Verkehrspolitiker Jürgen Baumgärtner erklärte danach, wichtige Bahnknoten müssten womöglich entlastet werden. Deshalb könne es dazu kommen, „dass wir den einen oder anderen Zug streichen müssen“. Hintergrund ist ein Schienennetz, das seit Jahren zu wenig erneuert wurde. Dadurch steigt das Risiko für Ausfälle, Verspätungen und Kettenreaktionen im Betrieb. Zugleich verschärft eine neue Ifo-Analyse die Debatte. Laut Berechnung sollen rund 95 Prozent der über ein Sondervermögen aufgenommenen Infrastrukturkredite nicht in zusätzliche Investitionen geflossen sein (bild: 16.03.26).


Zweckentfremdetes Sondervermögen verschärft Debatte über Streichung von Zugverbindungen

Das Ifo-Institut untersuchte die Verwendung der kreditfinanzierten Mittel des Bundes. Demnach nahm der Staat im Jahr 2025 rund 24,3 Milliarden Euro über das Sondervermögen für Klimaneutralität und Infrastruktur auf. Die zusätzlichen Investitionen stiegen jedoch nur um etwa 1,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr.

Das Sondervermögen für Infrastruktur ist weitgehend versickert - jetzt droht die Streichung von Zugverbindungen wegen maroder Schienen
Das Sondervermögen für Infrastruktur ist weitgehend versickert – jetzt droht die Streichung von Zugverbindungen wegen maroder Schienen

Ifo-Präsident Clemens Fuest erklärte dazu: „Wir haben festgestellt, dass die Politik die schuldenfinanzierten Mittel nahezu vollständig für andere Zwecke, also zum Stopfen von Haushaltslöchern, genutzt hat“. Damit wächst der politische Druck, weil Milliarden für Infrastruktur vorgesehen waren, während zentrale Netze wie die Bahn weiter unter massivem Verschleiß leiden. Gerade dieser Widerspruch gibt der Diskussion über eine mögliche Streichung von Verbindungen zusätzliche Brisanz.

Weniger Züge gelten als kurzfristige Notmaßnahme

Im bayerischen Landtag ging es deshalb nicht nur um die Sanierung der Infrastruktur. Im Raum stehen auch Sofortmaßnahmen, um das Netz zu stabilisieren und besonders belastete Knoten zu entlasten. Baumgärtner sagte nach der Sitzung, dazu könne es erforderlich sein, „dass wir den einen oder anderen Zug streichen müssen“.

Eine endgültige Entscheidung gibt es jedoch noch nicht. Die Deutsche Bahn will zunächst die Ergebnisse einer internen Arbeitsgruppe abwarten, während diese dem Bundesverkehrsministerium ihre Analyse vorlegen soll. Erst danach will sich der Konzern offiziell äußern. Außerdem bleibt offen, ob eine mögliche Streichung nur Bayern oder das gesamte deutsche Schienennetz betreffen würde.


Politik und Bahn nennen den jahrelangen Sanierungsstau

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter will Zugstreichungen möglichst verhindern. „Ich habe keinen Plan, wie viele Züge wir streichen, darum geht’s eigentlich nicht“, sagte der CSU-Politiker. Sein Ziel sei ein stabiler Bahnverkehr, während zugleich die Infrastruktur modernisiert wird.

Bahnchefin Evelyn Palla benannte jedoch das eigentliche Grundproblem klar. „Wir haben eine Schieneninfrastruktur in Deutschland, insbesondere auch in Bayern, die über Jahre, Jahrzehnte vernachlässigt worden ist“, sagte sie. Die vollständige Erneuerung werde deshalb lange dauern und „mit Sicherheit noch zehn Jahre benötigen“. Solange das Netz nicht grundlegend modernisiert ist, bleibt das Risiko hoch, dass Störungen auf überlasteten Strecken den Betrieb im ganzen System beeinträchtigen.

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