Autovermieter Sixt kritisiert EU-Entwurf – Flottenregeln ab 2030 sorgen für Streit

Sixt reagiert auf einen neuen Vorstoß der EU-Kommission, denn der Entwurf zielt auf große Fuhrparks ab 2030. Damit rückt das Verbrenner-Verbot für viele Neuzulassungen früher in Reichweite, und zugleich entscheidet die verfügbare Ladeinfrastruktur darüber, ob die Elektroflotte im Mietgeschäft zuverlässig funktioniert (focus: 29.12.25).


Sixt setzt auf Marktlogik statt Vorgaben

Konstantin Sixt betont in einem Interview, dass bisher nur ein Vorschlag der EU-Kommission vorliegt, aber die Signalwirkung sei enorm. „Der Vorschlag würde faktisch eine Verschärfung und kein ‚Aus’ bedeuten. Denn das Verbrenner-Aus würde quasi für einen Großteil der Neuzulassungen laut dem EU-Vorschlag sogar bereits 2030 statt 2035 in einer anderen Form greifen.“ Für ihn wird das Verbrenner-Verbot damit zum echten Planungsfaktor.

Sixt kritisiert Pläne der EU-Kommission zum Verbrenner-Verbot - die Elektroflotte wächst, aber Ladeinfrastruktur und Strompreise bremsen
Sixt kritisiert Pläne der EU-Kommission zum Verbrenner-Verbot – die Elektroflotte wächst, aber Ladeinfrastruktur und Strompreise bremsen

Er fordert eine Debatte, weil Regulierung nicht nur Technik betrifft, sondern auch Energiepreise, Lieferketten und Investitionen. „Nun liegt aber das ganze Bild klar vor, was Politik und Öffentlichkeit kritisch diskutieren müssen – ebenso die wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen des EU-Vorschlags“, sagt er, und er verlangt belastbare Folgenabschätzungen.

Quoten treffen Kunden und Firmen gleichermaßen

Als zentrale Bremse nennt er die Ladeinfrastruktur, denn ohne verlässliche Schnelllader verliert der Kunde Zeit und Vertrauen. Er beschreibt zudem ein Ladenetz, das regional stark schwankt, und dadurch bleibt die Elektroflotte im Vermietgeschäft hinter den Möglichkeiten.

Bei Quoten bleibt seine Linie strikt, aber sie richtet sich nicht gegen Technologie. „Unsere Position – gestützt durch Studien und Kundenumfragen – ist eindeutig: Quoten sind kontraproduktiv, und in einer Marktwirtschaft soll der Kunde entscheiden, was er kaufen möchte.“ Beim Verbrenner-Verbot sieht er deshalb ein Akzeptanzrisiko, denn ein Benzinverbot per Quote wirkt wie Zwang, wenn die Praxis nicht überzeugt.

Die EU-Kommission müsse außerdem die Kostenrealität beachten, und genau hier sieht er ein Risiko für die Umstellungsgeschwindigkeit. Für die Elektroflotte zählt nicht nur der Kaufpreis, sondern auch der Stromtarif, weil Flottenkilometer schnell ins Gewicht fallen. Der Autovermieter verweist auf wachsende Verfügbarkeit, und er nennt den E-Fuhrpark einen Vorteil beim Einkauf, weil Skaleneffekte Preise senken können.


Mietwagen als Hebel für Akzeptanz

Viele Fahrer testen den Antrieb zuerst im Urlaub oder auf Geschäftsreise, und hier sieht Sixt eine Chance für den Markt. „Mietwagen können grundsätzlich ein sehr guter Einstieg in die Elektromobilität sein, wir sehen uns als ‚Begeisterungsbeschleuniger‘ für E-Autos“, erklärt er, und er verweist auf Marktforschungen zu späteren Käufen. Wenn die Erfahrung gut läuft, wächst die Elektroflotte im Privatmarkt, und die Ladeinfrastruktur entscheidet seltener über Frust.

Damit dieser Effekt skaliert, müsse die EU-Kommission die Grundlagen priorisieren, und zwar vor starren Vorgaben. Sixt hält ein Verbrenner-Verbot nur dann für planbar, wenn die Ladeinfrastruktur im Takt ausgebaut wird und Strompreise wettbewerbsfähig bleiben. „Wenn Politik Elektromobilität beschleunigen will, muss sie zuerst die Rahmenbedingungen schaffen – insbesondere eine flächendeckende Schnellladeinfrastruktur und wettbewerbsfähige Strompreise.“ In Brüssel, so sein Appell, sollten Regeln deshalb Investitionen auslösen und nicht nur Termine setzen.

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