Der Autozulieferer Magna schließt seinen Standort in Rosenberg im Neckar-Odenwald-Kreis (Baden-Württemberg), nachdem die Suche nach einem Investor gescheitert ist. Am Mittwoch, 11. Februar, informierte das Unternehmen die Belegschaft über das endgültige Aus für das Werk, das Magna bereits im Oktober 2024 zur Schließung angekündigt hatte. Das Werk, welches Getriebekomponenten für die Automobilindustrie herstellt, galt als größter Arbeitgeber am Ort. Es fand sich jedoch trotz Gesprächen mit Interessenten keine Lösung. Magna will den Betrieb nun „in den kommenden zwei Jahren schrittweise heruntergefahren“. Die endgültige Stilllegung selbst wurde noch nicht exakt datiert. Ursprünglich plante der Konzern die Schließung bis Ende 2026, betroffen waren rund 350 Stellen. Nach einem früheren Abbauprogramm dürften in Rosenberg noch etwa 220 Mitarbeiter übrig sein (merkur: 19.02.26).
Vom Getrag-Werk zum Magna-Standort – der Hintergrund der Entscheidung
Der Standort in Rosenberg war nicht immer ein Magna-Werk, sondern gehörte ursprünglich zum Getriebehersteller Getrag aus Untergruppenbach (Kreis Heilbronn). Magna übernahm Getrag im Jahr 2015, weshalb Rosenberg später Teil des kanadisch-österreichischen Konzerns wurde. Im Oktober 2024 kündigte Magna dann an, das Werk bis Ende 2026 zu schließen, zugleich begann die Belegschaft auf eine andere Lösung zu hoffen. Diese Hoffnung speiste sich aus der Idee, dass ein neuer Eigentümer den Betrieb fortführen könnte, während Magna sich zurückzieht.

Seit der Ankündigung liefen nach Medienberichten Gespräche mit potenziellen Investoren, jedoch ohne Ergebnis. Genannt wurde dabei unter anderem Mutares aus München, außerdem prüften Beteiligte weitere Optionen. Am 11. Februar erhielten die Beschäftigten schließlich die Information, dass die Schließung nicht mehr verhindert wird und damit endete die Investorensuche faktisch. Für die Region bedeutet das einen harten Einschnitt, denn das Werk prägt den Arbeitsmarkt vor Ort.
Konzernsprecher verweist auf Prüfung und Marktlage
Magna bestätigte den Schritt über einen Konzernsprecher. Wörtlich hieß es: „Magna bestätigt, dass das Unternehmen den Mitarbeitern am Standort Rosenberg die schwierige Entscheidung mitgeteilt hat, den Betrieb einzustellen und den Standort zu schließen“. Als Begründung nannte der Sprecher eine „umfassende Überprüfung der langfristigen Zukunftsfähigkeit“ des Werkes, während zugleich schwankende Branchendynamiken und die allgemeinen Geschäftsaussichten eine Rolle spielten. Zudem betonte er: „Leider konnte keine tragfähige Alternative gefunden werden.“
Damit setzt Magna in Rosenberg auf einen klaren Schnitt, obwohl sich die Belegschaft zuvor noch an einen Verkauf geklammert hatte. Das Unternehmen stellt die Entscheidung als Ergebnis eines Prüfprozesses dar, nicht als kurzfristige Reaktion. Für die Beschäftigten zählt jedoch vor allem die Konsequenz: Der Standort verliert seine Perspektive, während sich die Suche nach Anschlusslösungen auf Transfer, Abfindungen und neue Arbeitgeber verlagert.
Zeitplan bleibt offen, dennoch läuft der Rückbau bereits
Interessant ist, dass Magna offenbar nicht starr am ursprünglichen Enddatum festhält, obwohl die Schließung weiterhin für den Zeitraum bis Ende 2026 im Raum steht. Statt eines fixen Schlussstrichs kündigte der Sprecher an, der Standort werde „in den kommenden zwei Jahren schrittweise heruntergefahren“, weshalb sich der Prozess über mehrere Etappen ziehen dürfte. Laut früheren Berichten baute Magna bereits Anfang 2025 rund 100 Stellen über ein Freiwilligenprogramm ab, sodass die Mannschaft deutlich schrumpfte. Deshalb betrifft die anstehende Stilllegung nach diesen Angaben noch etwa 220 Mitarbeiter, während der genaue Abschalttermin weiterhin offen bleibt.
Für viele Beschäftigte verschiebt sich damit die Frage vom „Ob“ zum „Wann“, zugleich beginnt die wirtschaftliche Wirkung sofort. Ein schrittweiser Rückbau kann zwar Übergänge erleichtern, jedoch verlängert er auch die Unsicherheit. Zudem müssen Zulieferketten, Schichten und Maschinenbelegung angepasst werden, während die Region parallel neue Jobs aufnehmen muss.
Weitere Einschnitte bis 2026 auch in Untergruppenbach angekündigt
Rosenberg verliert mit dem Werk seinen größten Arbeitgeber, und das trifft eine Gemeinde dieser Größe besonders stark. Zugleich zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit, dass Magna nicht überall schließen musste. 2023 konnte die Schließung eines weiteren Standorts noch verhindert werden. Für Baden-Württemberg bleibt die Lage dennoch angespannt. Bis Ende 2026 sollen auch am Standort von Magna PT in Untergruppenbach Arbeitsplätze wegfallen. Damit wächst der Druck auf den industriellen Arbeitsmarkt in der Region weiter.
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