Der deutsche Atomausstieg hat nach Berechnungen des norwegischen Wirtschaftsprofessors Jan Emblemsvåg Mehrkosten von rund 330 Milliarden Euro verursacht. Das entspricht etwa 3900 Euro pro Kopf und rund 15.600 Euro für eine vierköpfige Familie. Im Kern geht es um die Stilllegung funktionierender Kernkraftwerke, obwohl Deutschland danach neue Gaskraftwerke fördern, erneuerbare Energien erneut bezuschussen und zusätzliche Systemkosten tragen musste. Fachleute sehen darin einen schweren energiepolitischen Fehler, weil zugleich günstiger und verlässlicher Strom für Industrie, Digitalisierung und KI-Rechenzentren verloren ging. Die Folgen reichen laut mehreren Experten von hohen Belastungen für Steuerzahler und Stromkunden bis zu mehr Stromimporten, größerer Auslandsabhängigkeit und Risiken für Wachstum und Versorgung (bild: 15.03.26).
Atomausstieg kostet laut Studie 3900 Euro pro Kopf
Manuel Frondel vom Leibniz-Institut nennt den Atomausstieg den „größten energiepolitischen Fehler der vergangenen Jahrzehnte“. Er sagt: „Wir sprechen hier von dreistelligen Milliardenbeträgen, die Deutschland volkswirtschaftlich verloren hat.“ Damit meint er nicht nur direkte Ausgaben, sondern zugleich entgangene Wertschöpfung und schwächere Wachstumschancen. Frondel verweist außerdem auf die Energieprognose 2009, an der er selbst mitarbeitete. Diese Studie der Bundesregierung kam bereits damals zu dem Ergebnis, dass eine Laufzeitverlängerung um zwölf Jahre einen volkswirtschaftlichen Nutzen von mehr als 100 Milliarden Euro gebracht hätte.

Noch konkreter fällt die Rechnung von Jan Emblemsvåg aus. In seiner Studie vergleicht er die Kosten der Energiewende mit einem Szenario, in dem Deutschland weiter auf Kernkraft gesetzt hätte. Er berücksichtigt Investitionen, Betriebskosten und staatliche Fördergelder, weshalb am Ende rund 330 Milliarden Euro an Mehrkosten stehen. Diese Summe entspricht etwa 3900 Euro pro Kopf.
Mehr Importe und weniger verlässlicher Strom
Auch André Thess von der Universität Stuttgart sieht schwere Folgen für den Strommarkt. Er sagt: „Nach dem Atomausstieg ist Deutschland vom Stromexporteur zum Stromimporteur geworden. Wir kaufen regelmäßig Strom aus dem Ausland zu hohen Preisen, darunter französischen Atomstrom.“ Damit beschreibt er einen tiefen Wandel, weil Deutschland verlässliche Erzeugung im Inland verloren hat und zugleich stärker auf Zukäufe angewiesen ist. Zur Abhängigkeit von erneuerbaren Technologien ergänzt Thess: „Zu Letzterem erlaube ich mir die Bemerkung, dass Solarmodule und Windkraftanlagen nicht vom Himmel fallen, sondern aus China importiert werden.“
Beim Strompreis fällt die Bewertung jedoch etwas vorsichtiger aus. Frondel erwartet beim Strompreis eher einen begrenzten Effekt. Er geht von „ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde weniger“ aus. Der Grund liegt im Preisaufbau. Steuern, Abgaben und Netzentgelte machen einen großen Teil des Strompreises aus.
Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing urteilt deutlich schärfer. Er sagt: „Eine Tatsache ist, dass das Bruttonationaleinkommen etwa proportional zum Energieverbrauch eines Staates ist und unser Wohlstand von billiger Energie abhängt. Insofern war es Wahnsinn, funktionierende Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten.“
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisiert den Atomausstieg. Sie bezeichnete ihn als „großer strategischer Fehler“. Die Kritik richtet sich deshalb nicht nur gegen die hohen Kosten pro Kopf. Sie verweist zugleich auf ein tieferes Problem. Industrie, Digitalisierung und KI-Rechenzentren brauchen verlässlichen und bezahlbaren Strom. Wetterabhängige Erzeugung kann diesen Bedarf nach Ansicht der Kritiker jedoch nicht allein decken.
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