Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt vor Verlust von 150.000 Stellen im laufenden Jahr

In Deutschland droht der Metall- und Elektroindustrie 2026 ein weiterer massiver Arbeitsplatzabbau. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rechnet in diesem Jahr mit dem Verlust von bis zu 150.000 Stellen. Anlass für die Warnung ist die anhaltende Krise der Branche, die trotz eines deutlichen Auftragsplus im letzten Quartal 2025 nicht abklingt. Der zentrale Kontext bleibt der Industriestandort Deutschland mit hohen Energiepreisen, hohen Unternehmenssteuern, steigenden Sozialabgaben und wachsender Bürokratie. Als zusätzlicher Risikofaktor gilt, dass der jüngste Auftragsschub vor allem aus staatlich finanzierten Rüstungsaufträgen stammt, während das übrige Geschäft schwach bleibt. Die Folgen treffen deshalb Beschäftigte und Betriebe zugleich, denn die Branche verliert weiter Jobs und fällt bei der Zahl der Beschäftigten auf den niedrigsten Stand seit Jahren (ntv: 08.03.26).


Rüstungsaufträge verdecken die schwache Grundlage

Das zuletzt gemeldete Auftragsplus wirkt auf den ersten Blick wie ein positives Signal. Tatsächlich stammt der Zuwachs jedoch vor allem aus dem Verteidigungssektor. Ohne diese staatlich finanzierten Großaufträge bleibt die Auftragslage laut dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall schlecht.

Arbeitgeberverband warnt: In der Metall- und Elektroindustrie droht 2026 trotz Rüstungsaufträgen der Abbau bis zu 150.000 Stellen
Arbeitgeberverband warnt: In der Metall- und Elektroindustrie droht 2026 trotz Rüstungsaufträgen der Abbau bis zu 150.000 Stellen

Gerade darin liegt das eigentliche Problem. Einzelne Großbestellungen verbessern zwar kurzfristig die Statistik, sie stabilisieren jedoch nicht die gesamte Industrie. Für viele Unternehmen zählt deshalb nicht der Sonderboom bei Rüstungsgütern, sondern die weiterhin schwache Nachfrage in den übrigen Bereichen.

Arbeitgeberverband spricht von Deindustrialisierung

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall beschreibt die Lage ungewöhnlich scharf. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander sagte: „Wir sind mitten in einer Deindustrialisierung und die Aussichten sind sehr düster. Die Situation ist wirklich dramatisch.“ Zugleich sprach er von der größten Krise der Branche seit Gründung der Bundesrepublik.

Diese Einschätzung stützt der Arbeitgeberverband mit konkreten Zahlen. Seit 2018 hat die Metall- und Elektroindustrie bereits 270.000 Arbeitsplätze verloren. Im vergangenen Monat fiel die Zahl der Beschäftigten zudem unter 3,8 Millionen. Ein so niedriger Wert wurde zuletzt 2015 erreicht, weshalb die neue Prognose für 2026 zusätzlich an Brisanz gewinnt.

Hohe Kosten verschärfen den Druck auf die Betriebe

Als Hauptursachen nennt der Verband die Standortbedingungen in Deutschland. Vor allem hohe Energiekosten, hohe Unternehmenssteuern und hohe Sozialabgaben belasten die Unternehmen. Außerdem sieht Gesamtmetall in der Bürokratie ein zentrales Hemmnis für Investitionen und Produktion.

Zander kritisiert dabei nicht nur das Ausmaß der Regeln, sondern auch das Tempo der angekündigten Entlastung. Der von der Bundesregierung angekündigte Bürokratieabbau dauere zu lange. Zugleich fehle aus Sicht des Verbands eine klare und systematische Strategie, um Unternehmen tatsächlich zu entlasten.


Kritik an Staat und Verwaltung wird schärfer

Besonders deutlich fiel Zanders Vergleich zur Bürokratie aus. „Wir sind in der Tierseuchenbekämpfung systematischer als beim Bürokratieabbau“, sagte er. Außerdem forderte er, auch Bürokraten abzubauen, weil es in den öffentlichen Verwaltungen zu viel Personal gebe, das die Haushalte zusätzlich belaste.

Damit verschiebt sich die Debatte über die Krise der Industrie immer stärker auf die politischen Rahmenbedingungen. Die Branche befindet sich laut Verband seit zwei Jahren in einer Rezession, während die Kosten hoch bleiben und strukturelle Entlastungen ausbleiben. Solange sich daran nichts ändert, dürfte der erwartete Verlust von bis zu 150.000 Arbeitsplätzen nur ein weiteres Signal für den fortschreitenden Rückgang des Industriestandorts Deutschland sein.

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