In Berlin wird Ende März 2026 über mehrere Eingriffe beraten, die das Leben von Familien direkt verteuern und grundlegend verändern können. In der Koalition geht es um den Entfall des Ehegattensplittings, um das Ende der beitragsfreien Familienversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung und um neue Anreize, Teilzeit zurückzudrängen. Auslöser sind die Finanzprobleme der Sozialkassen, der Mangel an Arbeitskräften und der politische Wille, mehr Menschen in längere Erwerbsarbeit zu lenken. Genau darin liegt die Brisanz. Der Staat will nicht nur Einnahmen sichern, sondern zugleich das Verhalten von Ehepaaren beeinflussen. Betroffen sind Einverdiener-Haushalte, Familien mit Kindern und Paare, die Betreuung, Pflege und Beruf anders organisieren als es die Regierung künftig offenbar bevorzugt.
Familien sollen für den Umbau des Steuerrechts zahlen
Finanzminister Lars Klingbeil hat angekündigt, das Ehegattensplitting „in seiner heutigen Form für zukünftige Ehen abschaffen“ zu wollen. Damit greift die Koalition einen festen Bestandteil des deutschen Steuerrechts an. Es geht nicht um eine kleine Korrektur, sondern um einen gezielten Umbau. Der Staat will festlegen, welches Familienmodell er steuerlich noch akzeptiert und welches nicht mehr.

Das Ehegattensplitting berücksichtigt, dass Ehepartner wirtschaftlich zusammenleben und dauerhaft füreinander einstehen. Genau deshalb entlastet es Haushalte mit ungleicher Einkommensverteilung. Wer diesen Mechanismus abbaut, belastet vor allem Paare, in denen ein Partner mehr verdient und der andere mehr Zeit für Kinder, Haushalt oder Angehörige aufbringt. Die Koalition verkauft das als Modernisierung, jedoch trifft die Maßnahme vor allem jene, die ihre Ehe als gemeinsame Verantwortung leben.
Familienversicherung soll zur neuen Einnahmequelle werden
Noch gravierender wirkt die Debatte über die gesetzliche Krankenversicherung. Bislang können Ehepartner ohne eigenes Einkommen oder mit geringem Verdienst unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei mitversichert werden. Dieses Prinzip folgt dem Solidarprinzip der gesetzlichen Kasse. Dennoch denkt die Koalition darüber nach, gerade dort neue Beiträge zu kassieren.
Im Gespräch steht ein Mindestbeitrag von rund 225 Euro pro Monat. Für viele Haushalte wäre das ein harter Einschnitt, weil diese Summe Monat für Monat zusätzlich anfiele. Besonders stark träfe das Eltern mit kleinen Kindern, mit Pflegeaufgaben oder mit bewusst gewählter Arbeitsteilung. Während die Regierung von Finanzierung spricht, greift sie damit direkt massiv in die Kassen der Familien. Die Lasten verschwinden also nicht, sondern wechseln nur den Ort.
Teilzeit soll unattraktiver werden
Parallel dazu will die Koalition mehr Menschen aus der Teilzeit in längere Arbeitszeiten lenken. Offiziell heißt es zwar, niemand werde zu mehr Arbeit gezwungen. Gleichzeitig plant die Regierung steuerliche Vorteile für Prämien, wenn Beschäftigte ihre Stunden erhöhen oder in Vollzeit wechseln. Der Staat baut damit eine klare Richtung auf. Mehr Erwerbsarbeit soll belohnt werden, während andere Lebensmodelle an Boden verlieren.
Gerade für Eltern ist Teilzeit oft keine bequeme Option, sondern eine praktische Notwendigkeit. Kinderbetreuung, Schulzeiten, Pflege von Angehörigen und steigende Alltagskosten prägen diese Entscheidung. Wer das ignoriert, betrachtet Familien nur noch als Arbeitskräftereserve. Genau dieser Blick zeigt sich in der aktuellen Debatte sehr deutlich. Familie erscheint darin nicht als Leistung, sondern als Hindernis für mehr Erwerbsstunden.
Die Summe der Pläne trifft Familien an mehreren Stellen zugleich
Besonders brisant ist das Zusammenspiel der Vorschläge. Fällt das Ehegattensplitting teilweise weg, steigt die Steuerlast. Fällt zusätzlich die beitragsfreie Mitversicherung, steigen auch die festen Ausgaben. Werden zugleich neue Anreize gegen Teilzeit gesetzt, verengt sich der Spielraum für viele Haushalte noch weiter.
Daraus entsteht ein klarer politischer Kurs. Die Koalition will Ehepaare und Eltern stärker in ein Modell mit mehr Erwerbsarbeit, mehr Abgaben und weniger eigenständiger Aufteilung lenken. Wer Kinder betreut, Angehörige versorgt oder bewusst ein klassisches Familienmodell lebt, soll die Folgen künftig im Geldbeutel spüren. Das ist kein technischer Umbau, sondern ein Eingriff in die Lebensrealität von Millionen mit entsprechend sozialen Folgen. (KOB)
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