Die USA wollen Griechenland zur Energie-Drehscheibe ausbauen, indem sie mehr LNG über griechische Terminals nach Europa bringen und die Weiterleitung in die regionale Energieinfrastruktur stärken. Ziel ist eine stabilere Gasversorgung in Südosteuropa, die weniger anfällig für Lieferausfälle und Engpässe ist (riffreporter: 02.01.26).
Warum Washington Griechenland als Umschlagplatz priorisiert
Griechenland liegt an einer maritimen Hauptachse im östlichen Mittelmeer. Das ermöglicht es, LNG per Tanker flexibel anzulanden, unabhängig von einzelnen Pipelinekorridoren. Für die USA ist diese Flexibilität entscheidend, weil Liefermengen kurzfristig umgelenkt werden können, wenn sich Nachfrage, Preise oder geopolitische Risiken verändern.

Gleichzeitig zählt die Anschlussfähigkeit ins Hinterland. Eine Drehscheibe entsteht erst dann, wenn das Gas nach der Anlandung zügig in Nachbarländer weiterfließen kann. Deshalb rückt neben den Häfen vor allem die Energieinfrastruktur in den Fokus: Interkonnektoren, Verdichter, Mess- und Regelstationen sowie klare Regeln für Kapazitätsbuchungen. Ohne diese Elemente bleiben Terminals lokale Importpunkte.
Energie-Drehscheibe: So soll US-LNG über Griechenland in den europäischen Markt fließen
Das Funktionsprinzip ist technisch klar und wirtschaftlich wirksam. LNG kommt per Schiff an, wird in Terminals entladen und regasifiziert, anschließend ins Netz eingespeist und über grenzüberschreitende Verbindungen verteilt. Damit entsteht ein zusätzlicher Eintrittspunkt in die europäische Gasversorgung, der nicht von einem einzigen Lieferweg abhängt.
Washington koppelt diesen Ansatz an verlässliche Verfügbarkeit. Ein Umschlagplatz muss planbar liefern, nicht nur in Spitzenzeiten. Deshalb achten die USA besonders darauf, dass die Terminals ausreichend Kapazität haben und die Energieinfrastruktur die Mengen auch tatsächlich abtransportieren kann. Genau hier entscheidet sich, ob Griechenland dauerhaft als Energie-Drehscheibe funktioniert oder nur kurzfristig entlastet.
Alexandroupoli und Revithoussa: Infrastruktur, die Verteilung ermöglicht
Alexandroupoli gilt als Standort mit klarer Nordwärts-Logik. Der Punkt ist nicht der Hafen an sich, sondern die Möglichkeit, Gas Richtung Bulgarien und weiter in die Region zu leiten. Je besser die Netzanbindung, desto eher wird Griechenland für die regionale Gasversorgung relevant. Das erhöht den Wettbewerb zwischen Bezugsquellen und reduziert die Marktmacht einzelner Routen.
Revithoussa bleibt parallel ein stabilisierender Faktor. Als etablierter Importpunkt kann die Anlage Lastspitzen abfangen und operative Risiken reduzieren, etwa bei Wartungsfenstern oder wetterbedingten Verzögerungen. Für Washington ist diese Redundanz wichtig, weil ein belastbarer Knoten mehrere Anlandepunkte braucht. In der Summe stützt das die Rolle Griechenlands als Energie-Drehscheibe, weil Ausfälle an einer Stelle nicht sofort die gesamte Lieferkette bremsen.
Langfristige Bindungen: Warum Verträge für die Drehscheiben-Strategie entscheidend sind
Spot-Lieferungen sind nützlich, aber sie ersetzen keine Struktur. Eine Drehscheibe braucht Grundauslastung, sonst bleiben Investitionen teuer und die Kapazitäten schwanken. Deshalb gewinnen längerfristige Vereinbarungen an Gewicht. Sie sichern Lieferfenster, verbessern die Planbarkeit für Betreiber und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass LNG regelmäßig über Griechenland in den Markt fließt.
Diese Stabilität wirkt direkt auf die Gasversorgung. Wenn Abnehmer in der Region auf wiederkehrende Mengen vertrauen können, sinkt das Risiko kurzfristiger Beschaffungsnotlagen. Gleichzeitig steigt der Druck auf andere Lieferwege, konkurrenzfähig zu bleiben. Damit wird Griechenland nicht nur Empfänger, sondern ein verteilerwirksamer Knoten in der europäischen Gaslogistik.
Der Engpass liegt im Hinterland: Netze, Kapazitäten, Betrieb
Ob die US-Strategie aufgeht, hängt am Zusammenspiel von Hafen und Netz. Terminals können nur so viel Wert schaffen, wie die Energieinfrastruktur abtransportiert. Deshalb sind Leitungs- und Verdichterkapazitäten entscheidend, ebenso transparente Kapazitätsauktionen und saubere Bilanzierungsregeln. Ohne diese Grundlagen drohen Flaschenhälse genau dort, wo die Drehscheibe wirken soll.
Für Europa bedeutet das: Zusätzliche LNG-Mengen über Griechenland helfen nur dann dauerhaft, wenn die Durchleitung in die Region technisch und regulatorisch abgesichert ist. Gelingt das, wird Griechenland als Energie-Drehscheibe zu einem stabilen Eintrittstor in die europäische Gasversorgung. Dann entsteht ein Korridor, der Lieferketten diversifiziert und Krisenrisiken verringert.
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