Aldi Süd stellt seine Verwaltung neu auf. Gleichzeitig bestätigt der Discounter, dass in der Zentrale in Mülheim an der Ruhr ein Stellenabbau geplant ist. Konkret könnten bis zu 500 der rund 2000 Arbeitsplätze wegfallen, weil das Unternehmen Prozesse weltweit durch ein IT-Projekt zusammenführt (fokus: 22.0.1.26).
Globales IT-Projekt verändert die Verwaltung
Im Mittelpunkt steht das IT-Projekt „Ahead“, denn Aldi Süd will Abläufe vereinheitlichen und Aufgaben bündeln. Dadurch geraten klassische Verwaltungsbereiche besonders in den Fokus. Dazu zählen vor allem Buchhaltung, Personal und Einkauf, weil dort viele Prozesse standardisierbar sind. Zudem erleichtert eine einheitliche IT-Struktur die Steuerung über Ländergrenzen hinweg.

Der Umbau folgt einer klaren Linie, jedoch trifft er Beschäftigte an einem zentralen Standort. Der Discounter setzt stärker auf zentrale Plattformen und gemeinsame Standards. Damit verschieben sich Zuständigkeiten, während lokale Strukturen an Bedeutung verlieren. Außerdem entsteht ein höherer Druck, Routinen zu automatisieren oder anders zu organisieren.
Stellenabbau auch in anderen Ländern bereits umgesetzt
Der Kurs ist nicht neu, sondern Teil einer internationalen Strategie. In den USA, in Großbritannien und in Österreich hat der Discounter bereits hunderte Arbeitsplätze gestrichen, um weltweit ähnliche Prozesse zu etablieren. Dadurch will Aldi Süd schneller arbeiten und Kosten reduzieren. Gleichzeitig sollen Entscheidungen in mehreren Märkten nach denselben Regeln laufen.
Größere Unternehmen setzen solche Programme oft in Wellen um, weil Systeme zuerst aufgebaut und dann ausgerollt werden. Deshalb wirkt der Einschnitt in Mülheim wie der nächste Schritt in einer längeren Umstellung. Zudem passt er zu dem Ziel, Strukturen zu verschlanken und Aufgaben dort zu bündeln, wo sie für viele Länder zugleich erledigt werden können.
Salzburg wird zum Knotenpunkt für Einkauf und Personal
Ein zentraler Baustein der Neuausrichtung ist Salzburg. Der Konzern will strategische Kompetenzen dort hin verlagern, damit wichtige Weichenstellungen künftig gebündelt erfolgen. Vor allem Entscheidungen im globalen Einkauf und im Personalwesen sollen dort stärker zusammenlaufen. Damit verändert sich die Rolle der deutschen Zentrale. Nicht mehr jede Schlüsselentscheidung fällt dann am Standort Mülheim.
Gleichzeitig trennt Aldi Süd strategische Steuerung und operative Routine stärker. Während Salzburg als Entscheidungszentrum aufgebaut wird, wandern wiederkehrende Aufgaben an externe Dienstleister. Genannt wird dabei Genpact, weil solche Anbieter standardisierte Prozesse in großer Skalierung abwickeln können. Dadurch sinkt der Bedarf an internen Arbeitsplätzen, während die Abhängigkeit von Dienstleistern zunimmt.
Aldi Nord verfolgt offenbar bislang einen anderen Kurs
Auffällig ist der Vergleich zur Schwester: Beim Discounter Aldi Nord sind nach aktuellem Stand keine ähnlich groß angelegten Pläne für einen Stellenabbau bekannt. Damit bleibt offen, ob beide Gruppen langfristig denselben Weg einschlagen oder unterschiedliche Modelle bevorzugen. Allerdings kann sich diese Lage ändern, weil Zentralisierungsprogramme oft schrittweise entstehen und dann auf weitere Bereiche ausgeweitet werden.
Für Mülheim ist die Entwicklung dennoch ein klares Signal. Aldi Süd treibt die Vereinheitlichung konsequent voran, während die Verwaltung stärker international organisiert wird. Gleichzeitig zeigt der Umfang, dass es nicht um einzelne Anpassungen geht, sondern um einen strukturellen Umbau der Zentrale.
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