Der ADAC stößt mit seiner Haltung zur CO2-Steuer viele Mitglieder vor den Kopf, weil er höhere Spritpreise faktisch als notwendiges Druckmittel akzeptiert. Für Millionen Fahrer bedeutet das nicht „Lenkung“, sondern eine weitere Belastung im Alltag, und zwar unabhängig davon, ob sie auf Elektromobilität umsteigen können. Gerade Pendler, Handwerker und Familien auf dem Land zahlen zuerst, weil Alternativen fehlen und die Infrastruktur nicht Schritt hält. Wenn dann ausgerechnet der ADAC, der lange als Schutzmacht der Autofahrer galt, steigende Abgaben beim Tanken verteidigt, wirkt das wie ein Bruch mit dem eigenen Auftrag. Parallel wirbt der Club mit Tankrabatt. Genau dieser Widerspruch verschärft den Eindruck, dass der Kurs nicht zu Ende gedacht ist (presseportal: 23.12.25).
ADAC und der Ruf nach höheren Preisen
Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ macht ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand eine klare Ansage. Er nennt die CO2-Steuer den richtigen Hebel. Die Botschaft lautet: Spritpreise sollen steigen, damit Klimaziele erreichbar werden. Politisch ist das bequem, weil der Preis an der Zapfsäule sichtbar wirkt, aber sozial ist es unerquicklich, weil es vor allem jene trifft, die keine Wahl haben.

Hillebrand koppelt den Ansatz an Elektromobilität und fordert niedrigere Strompreise. Wörtlich sagt er: „Nur wenn der Ladestrom günstiger als der Sprit wird, kommt die E-Mobilität richtig in Gang“, und er argumentiert damit konsequent aus Sicht des Umstiegs. Trotzdem bleibt der Kernpunkt: Wer heute keinen Wechsel leisten kann, zahlt mehr, und diese Gruppe bildet den Großteil der Mitgliederbasis.
Abgabenlogik trifft den Alltag, und Rabatte wirken wie ein Feigenblatt
Im Alltag wirkt die CO2-Steuer wie eine Dauererhöhung, und sie addiert sich zu Versicherungen, Wartung und Reparaturen. Viele Haushalte kalkulieren eng, und jede zusätzliche Verteuerung bei den Kraftstoffkosten frisst Spielraum, der an anderer Stelle fehlt. Der Klimapreis mag ökonomisch begründbar sein, aber er braucht ein nachvollziehbares Konzept für Übergänge, sonst wird er als Strafabgabe wahrgenommen.
Genau deshalb fällt der Tankrabatt des Clubs so unangenehm ins Bild. Ein Preisnachlass von Centbeträgen wirkt wie ein Trostpflaster, weil er den Trend nicht stoppt, aber er dient als Marketingargument. Wer höhere Spritpreise befürwortet, kann schlecht gleichzeitig den Literpreis künstlich senken und damit suggerieren, man helfe den Fahrern spürbar. Diese Doppellinie schwächt den Anspruch, für Mitgliederinteressen einzustehen.
Elektromobilität braucht Tempo, aber der Weg dorthin darf nicht einseitig werden
Elektromobilität kann schneller wachsen, wenn Laden verlässlich ist und der Strompreis deutlich unter dem Tanken liegt, und deshalb ist die Forderung nach Entlastung beim Strom logisch. Trotzdem bleibt der Umstieg für viele teuer, weil Anschaffungskosten, Ladepunkt, Reichweite und Nutzungsprofile nicht überall passen. Solange das gilt, bedeutet jede Erhöhung über die CO2-Steuer vor allem eines: höhere Spritpreise für jene, die noch nicht wechseln können.
Wenn der Autoclub diesen Kurs glaubwürdig vertreten will, muss er seine Rolle präzisieren und Übergänge konkret absichern. Dazu gehört, den Tankrabatt entweder konsequent zu erklären oder zu beenden, damit die Linie nicht opportunistisch wirkt. Sonst bleibt der Eindruck, dass der ADAC bei Klimazielen mitgeht, aber die Rechnung den eigenen Mitgliedern präsentiert, und genau das sorgt für Unmut.
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