Der ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand stellte Ende Dezember 2025 die CO₂-Bepreisung als „richtiges Instrument“ dar und sprach von einem „Anreiz“ zum Umstieg durch höhere Spritpreise. Danach meldete der Club nach eigenen Angaben massive Beschwerden und es folgte eine Kündigungswelle. In der Berichterstattung ist von rund 60.000 Kündigungen im Kontext des Interviews die Rede. Der Rücktritt folgte am 2. Februar 2026, während der ADAC den Schritt mit „Irritationen“ unter Mitgliedern und Reputationsschaden begründete (welt: 02.02.26).
Erst Verteidigung, dann „Missverständnis“
Auslöser war ein Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, in dem Hillebrand zwei Sätze sagte, die bis heute nachhallen. Er erklärte: „Der ADAC hält die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen“. Außerdem sagte er: „Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“ Diese Zitate wirkten wie ein Plädoyer für teureres Tanken, obwohl er zugleich vor Preisspitzen warnte.

Danach setzte der Club auf ein Krisenmanagement in Etappen, jedoch fehlte eine klare Kante. Berichte beschreiben, dass Hillebrand die Grundlogik zunächst verteidigte und erst später von einem Missverständnis sprach. Genau diese Reihenfolge verschärfte den Schaden, weil sie wie Taktik wirkte und nicht wie Überzeugung. Viele Mitglieder lasen das als Signal: Erst hält der Funktionär die Linie, dann korrigiert er sie, wenn der Protest zu groß wird.
Rücktritt als späte Schadensbegrenzung
Parallel wuchs der Druck, während in sozialen Netzwerken Kündigungsschreiben kursierten und Beschwerden beim ADAC eingingen. Medien berichten von rund 60.000 Kündigungen im Umfeld des Interviews. Diese Zahl bestätigte der Club. Damit bekam die Affäre eine finanzielle Wucht, denn jeder Austritt trifft direkt die Beitragsbasis. Spätestens hier ging es nicht mehr nur um Deutung, sondern um reale Verluste.
Am 2. Februar 2026 folgte der Rücktritt, und der ADAC begründete ihn offiziell mit „Irritationen“ sowie „Reputationsschaden“. Laut Pressemitteilung übernahm Hillebrand „persönlich Verantwortung“ und Technikpräsident Karsten Schulze übernimmt den Bereich kommissarisch. Das klingt nach Ordnung, doch es beantwortet die Kernfrage nicht: Wofür steht der ADAC in der Sache? Viele sehen deshalb eher ein Bauernopfer, weil der Kopf fällt, während die Linie beibehalten wird.
Keine klare Ansage zum Kernproblem
Bis heute fehlt eine eindeutige Aussage, dass der ADAC höhere Spritpreise als politisches Steuerungsinstrument ablehnt, obwohl genau das viele Mitglieder erwarten. Der Club kann Klimaziele einordnen, doch er muss zuerst die Interessen seiner Mitglieder schützen – selbst wenn das politischen Vorgaben widerspricht und unbequeme Positionen erzwingt. Deshalb braucht es einen klaren Satz zur Belastungsgrenze. Solange eine solche Kursansage aussteht, bleibt offen, ob der Rücktritt mehr war als ein Bauernopfer zur Schadensbegrenzung. Das Vertrauen kommt nur zurück, wenn der ADAC den Auftrag der Beitragszahler sichtbar priorisiert und nicht erst reagiert, wenn es teuer wird.
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