Abrechnung mit der deutschen Energiewende – viel gebaut, wenig geliefert, teuer bezahlt

Deutschland meldet Rekorde bei Wind und Solar, jedoch bleibt die Wirkung im Gesamtsystem klein – und genau hier beginnt die Abrechnung mit der Realität der Energiewende. „Viel gebaut, wenig geliefert“ trifft die Lage besser als jede Jubelmeldung, denn der Ausbau allein löst keine Versorgungsfrage. Gleichzeitig steigen Noteingriffe ins Netz und Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt, sodass die Kosten für Haushalte und Industrie weiter nach oben drücken.


22 Prozent – die Abrechnung mit der Gesamtbilanz

Maßgeblich ist der gesamte Endenergieverbrauch aus Strom, Wärme und Verkehr, weil dort die Energiewende entschieden wird. 2024 lag der Anteil Erneuerbarer bei rund 22 Prozent und 2025 änderte sich dieser Wert nach vorläufigen Auswertungen kaum. Deutschland liegt damit unter dem EU-Durchschnitt, während Spanien, Portugal, Griechenland oder Bulgarien höhere Quoten erreichen.

Abrechnung mit ideologiegetriebener Energiewende: viel gebaut, wenig geliefert – Kosten explodieren, Netzeingriffe und Stromimporte steigen
Abrechnung mit ideologiegetriebener Energiewende: viel gebaut, wenig geliefert – Kosten explodieren, Netzeingriffe und Stromimporte steigen

Rund 50 Prozent des Endenergieverbrauchs entfallen auf Wärme, etwa 25 Prozent auf Mobilität und nur rund 25 Prozent auf Strom, deshalb verzerren reine Stromquoten den Blick. Laut Fraunhofer ISE deckten Erneuerbare 2025 rund 55,9 Prozent im Stromsektor ab, allerdings entspricht das prozentual nahezu dem Niveau von 2024. Im Wärmesektor stagniert der Anteil seit Jahren bei etwa 18 Prozent, und im Verkehr liegt er unter 7 Prozent, sodass die zwei großen Verbrauchsblöcke kaum vorankommen.

Leistung ist nicht Menge – und Zeit ist die harte Währung

Zwischen 2020 und 2025 kamen in Deutschland rund 64 bis 72 Gigawatt neue Wind- und Solarleistung hinzu. In installierter Leistung entspricht das grob 45 bis 50 früheren deutschen Atomkraftwerken, dennoch stieg der Anteil Erneuerbarer am gesamten Endenergieverbrauch im gleichen Zeitraum nur um etwa drei Prozentpunkte. Genau diese Lücke liefert die nächste Abrechnung, weil installierte Leistung keine verlässliche Liefermenge garantiert.

Entscheidend ist die Differenz zwischen installierter Leistung und tatsächlich erzeugter Strommenge, denn die installierten Megawatt zeigen nur die theoretisch mögliche Spitzenleistung. Relevant bleibt die gelieferte Energie, die zudem zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein muss. Solar liefert vor allem im Sommer, während der Bedarf im Winter höher liegt, deshalb entstehen saisonale Lücken, und die Abrechnung fällt in Engpassstunden besonders hart aus.

53 Noteingriffe pro Tag – der Netzbetrieb als Dauerkrise

Das Stromnetz wird zum Engpass, weil Erzeugung und Transport nicht synchron wachsen. Seit 2020 hat sich die Zahl der Redispatch-Maßnahmen zur Stabilisierung nahezu verdreifacht und die Kurve zeigt weiter nach oben. 2020 waren es knapp 6.798 Eingriffe, 2022 bereits 12.633 und 2024 rund 17.297. 2025 wurden schließlich 19.318 Noteingriffe registriert, also im Schnitt 53 pro Tag, um Stromausfälle zu verhindern.

Die Kosten laufen parallel nach oben, deshalb steigt der Preisdruck trotz Ausbau. Im 3. Quartal 2024 lagen die Kosten für Netzengpassmanagement bei 608 Mio. Euro, im 3. Quartal 2025 bei rund 667 Mio. Euro. Im Norden wird Windstrom abgeregelt, weil Leitungen fehlen, während im Süden Gaskraftwerke hochfahren oder Importstrom einspringt, sodass doppelte Belastungen entstehen. Dadurch zahlt Deutschland Entschädigungen fürs Abschalten und gleichzeitig für teuren Ersatz, obwohl Anlagen verfügbar wären und diese Abrechnung landet am Ende bei den Stromkunden.


Milliarden-Zuschüsse und Importtrend – die Rechnung steigt

Der Strompreis hängt zunehmend an Systemkosten, während der Staat gegensteuert. Für 2026 plant der Bund Zuschüsse von rund 31 Milliarden Euro, unter anderem für EEG-Konto, Netzentgelte, Stromsteuer, Stromkompensation und Industriestrompreis. Ohne diese Mittel wären viele Preise für Haushalte und Industrie kaum tragbar, doch die strukturellen Ursachen bleiben. Die Abrechnung für die Entlastung trägt allerdings der Steuerzahler.

Auch die Außenbilanz hat sich gedreht, weshalb die Abhängigkeit wächst. Bis 2023 war Deutschland häufig Stromexportland, und 2017 lag der Exportüberschuss bei rund 60 Terawattstunden. Seit der Abschaltung der Kernkraftwerke ist Deutschland Nettoimporteur, 2024 wurden etwa 28 Terawattstunden importiert und 2025 noch rund 22 Terawattstunden. Das kostet mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr, obwohl die installierte Erneuerbaren-Leistung Rekorde erreicht.

Fünf Billionen bis 2045 – und die soziale Bruchkante

Die Gesamtkosten bleiben politisch oft unscharf, jedoch nennen Studien große Größenordnungen. Untersuchungen im Auftrag der Industrie- und Handelskammer beziffern die Energiewende bis 2045 auf rund fünf Billionen Euro. Rechnet man Umbauten in Gebäuden und Industrie hinzu, steigen die Summen weiter, weshalb Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit unter Druck geraten. (KOB)

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