345 Millionen Schadenersatz – Greenpeace droht nach US-Urteil die Pleite

Ein Gericht im US-Bundesstaat North Dakota verurteilte Greenpeace am Freitag zu 345 Millionen US-Dollar Schadenersatz wegen Protesten gegen die Dakota Access Pipeline. Auslöser war eine Klage des Betreibers Energy Transfer im Zusammenhang mit Aktionen aus den Jahren 2016 und 2017 rund um die über 1.700 Kilometer lange Leitung, die durch Gebiete von Sioux-Stämmen verläuft. Das Gericht sah unter anderem Hausfriedensbruch und Belästigung als relevante Punkte. Energy Transfer sprach dabei von einer „gewalttätigen und verleumderischen Kampagne“. Der entscheidende Risikofaktor liegt in der Höhe der Summe, weil sie für Greenpeace USA existenzbedrohend ist. Die unmittelbare Folge: Greenpeace kündigte umgehend Berufung an, denn wenn es bei dieser Summe bleibt droht Greenpeace USA die Pleite (t-online: 01.03.26).


Rekordsumme bleibt trotz deutlicher Reduzierung

Das Urteil fällt niedriger aus als eine frühere Festlegung, jedoch bleibt es ein finanzieller Einschlag. Geschworene hatten vor knapp einem Jahr in demselben Verfahren 600 Millionen Dollar angesetzt, während das Gericht nun 345 Millionen Dollar zusprach. Greenpeace sprach trotzdem von einem „Rückschlag“, weil die Reduzierung die Grundproblematik nicht löst. Die Chefjustiziarin von Greenpeace International, Kristin Casper, erklärte: „Dieser Rechtsstreit ist noch lange nicht vorbei“.

US Gericht verurteilt Greenpeace zu 345 Mio. Schadenersatz nach Pipeline-Blockade - Summe übersteigt das Greenpeace-USA-Vermögen massiv
US Gericht verurteilt Greenpeace zu 345 Mio. Schadenersatz nach Pipeline-Blockade – Summe übersteigt das Greenpeace-USA-Vermögen massiv

Pipeline-Konflikt: Stammesgebiete, Grundwasser, Klimawirkung

Der Fall betrifft Proteste gegen die Dakota Access Pipeline in den Jahren 2016 und 2017, die entlang der Trasse und an Knotenpunkten eskalierten. Die Leitung verläuft durch Gebiete von Sioux-Stämmen, weshalb die Proteste auch eine Konfliktlinie zwischen Infrastrukturprojekt und indigenen Rechten bildeten. Die Stämme und Greenpeace befürchten bei einem Leck eine Verschmutzung des Grundwassers, während sie zugleich die Treibhausgase aus dem geförderten Öl kritisieren.

Energy Transfer klagte deshalb gegen Greenpeace und machte die Organisation für Schäden im Umfeld der Proteste verantwortlich. Das Unternehmen behauptete, Greenpeace habe nicht nur begleitet, sondern gezielt angeheizt. Der Anwalt Trey Cox sagte, Greenpeace habe den Stamm der Standing Rock Sioux „ausgenutzt“, um eine Agenda gegen fossile Brennstoffe voranzutreiben.

Einschüchterungsklage oder Haftung: Der juristische Kern

Das Urteil erging unter anderem wegen Hausfriedensbruchs und Belästigung, deshalb bewertet das Gericht die Proteste nicht nur als politische Aktion. Greenpeace sieht den Prozess hingegen als sogenannte Einschüchterungsklage. Die Organisation geht davon aus, dass hohe Forderungen abschrecken sollen, während sie zugleich Protest und Unterstützungsarbeit kriminalisieren.

Diese Argumentation setzte Greenpeace auch öffentlich, jedoch mit Blick auf die grundsätzliche Signalwirkung. Bereits im März 2025 erklärte Greenpeace Deutschland, es gehe darum, „freie Meinungsäußerung zu unterbinden“. Damit verknüpft Greenpeace den Fall mit der Frage, ob Konzerne über Schadensersatzklagen kritische Kampagnen finanziell zerlegen können.


Existenzfrage – 345 Millionen Dollar gegen 24 Millionen Vermögen

Für Greenpeace USA ist das Urteil mehr als ein teurer Rechtsstreit, sondern eine akute Existenzfrage. Die Organisation gab für 2024 ein Vermögen von 24 Millionen US-Dollar an, während das Urteil 345 Millionen Dollar fordert. Das ist kein „enger Gürtel“, sondern eine finanzielle Wand, weil die Summe das angegebene Vermögen um ein Vielfaches übersteigt. Selbst wenn Greenpeace USA alle Rücklagen mobilisiert, bleibt eine Lücke, die die Organisation ohne massive externe Hilfe nicht schließen kann.

Genau deshalb steht eine Pleite im Raum, während das Berufungsverfahren zum letzten Hebel wird. Der deutsche Ableger ist nicht direkt betroffen, weil in den USA eine eigenständige Greenpeace-Organisation angeklagt ist, jedoch trifft die Sprengkraft der Entscheidung das gesamte Netzwerk. Wenn Energy Transfer die Forderung tatsächlich durchsetzt, drohen Zahlungsunfähigkeit, Zerschlagung von Strukturen und ein abruptes Ende von Projekten, weil schlicht das Geld fehlt.

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