1,2 Milliarden Euro Abschreibung – EnBW steigt aus britischen Offshore-Windparks aus

EnBW steigt aus den britischen Offshore-Windparkprojekten Mona und Morgan aus. Damit ist das Engagement in der irischen See vorerst beendet. Im Jahresabschluss 2025 folgt eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro, weil der Konzern bereits viel Geld in die Projektierung gesteckt hat. Ohne staatliche Förderung lassen sich die Windparks für EnBW nicht wirtschaftlich betreiben. Am Ende trägt der Stromkunde die Kosten, für die gescheiterten Projekte (schwaebische: 15.01.26).


Abschreibung aufgrund gescheiterter staatlicher Förderung

Die Abschreibung ist keine Folge eines operativen Einbruchs. Sie resultiert aus einer Neubewertung von Projektwerten. Großbritannien vergibt Förderzusagen für Offshore-Anlagen über sogenannte Differenzverträge. Diese garantieren feste Strompreise über viele Jahre. Ohne diesen Mechanismus fehlt die wirtschaftliche Grundlage.

EnBW beendet Offshore-Projekte mit 1,2 Mrd. Euro Abschreibung – ohne staatliche Förderung ist kein wirtschaftlicher Betrieb möglich
EnBW beendet Offshore-Projekte mit 1,2 Mrd. Euro Abschreibung – ohne staatliche Förderung ist kein wirtschaftlicher Betrieb möglich

EnBW nahm mit Partner Jera Nex BP an der Auktion teil, erhielt jedoch keinen Zuschlag. Wörtlich teilte der Konzern mit, man habe „keine staatliche Förderung“ bekommen. Damit entfällt die kalkulierbare Erlösbasis. Aus Sicht des Unternehmens rechnet sich der Betrieb der Anlagen nicht mehr. Deshalb folgt die Wertberichtigung auf die bereits aktivierten Projektkosten.

Millionen für Planung, Genehmigung und Vorleistungen

Offshore-Windkraft verursacht hohe Ausgaben, lange bevor sich ein Rotor dreht. EnBW investierte über Jahre in Flächensicherung, Umweltgutachten, Netzanschlusskonzepte und Projektentwicklung. Diese Investitionen galten als werthaltig, solange eine Subvention realistisch war. Nach der Auktion änderte sich diese Annahme grundlegend.

Die Abschreibung bildet genau diesen Bruch ab. Die geplanten Cashflows fallen weg, während die Ausgaben real sind. Deshalb korrigiert EnBW die Bilanz. Der Konzern betont zwar, die Maßnahme sei nicht liquiditätswirksam. Trotzdem ist das Kapital wirtschaftlich verloren.

Wettbewerb verschärft Druck auf Offshore-Windkraft

Während EnBW leer ausging, sicherte sich RWE den Großteil der britischen Förderzusagen. Der Konkurrent erhält für mehrere Projekte feste Vergütungen über 20 Jahre. Damit zeigt sich, wie hart der Preiswettbewerb in der Windenergie auf See geworden ist.

Steigende Kosten in den Lieferketten und höhere Zinsen verschärfen die Lage zusätzlich. EnBW erklärte, die Wirtschaftlichkeit sei „nach Maßstäben und Kriterien“ nicht mehr gegeben. Diese Einschätzung betrifft nicht nur ein einzelnes Projekt, sondern die gesamte Offshore-Windkraft unter aktuellen Rahmenbedingungen.


Abschreibung bleibt nicht ohne Folgen für den Stromkunden

Formell zahlt nicht der Stromkunde direkt die Abschreibung. Praktisch wirken solche Verluste jedoch auf die Gesamtstrategie eines Versorgers. EnBW versorgt rund 5,5 Millionen Energieverbraucher. Sinkende Gewinne schränken Investitionsspielräume ein und erhöhen den Druck auf Preise, Netzentgelte und langfristige Kalkulationen.

Der Konzern priorisiert deshalb Investitionen in Deutschland. Bis 2030 plant EnBW bis zu 50 Milliarden Euro, vor allem für Netze. Projekte ohne Förderung fallen diesem Kurs zum Opfer. Für den Stromkunden bedeutet das: Fehlinvestitionen aus der Vergangenheit verschwinden nicht folgenlos wenn sie bilanziell abgewickelt werden.

Offenes Projekt Morven und strategische Weichenstellung

Unklar bleibt die Zukunft des Projekts Morven vor Schottland. Auch hier arbeitet EnBW mit Jera Nex BP zusammen. Das Projekt befindet sich jedoch in einem frühen Stadium. Eine Entscheidung folgt später.

Die aktuelle Abschreibung markiert dennoch eine strategische Zäsur. Ohne staatliche Förderung, ohne gesicherte Preise und ohne ausreichende Rendite zieht EnBW die Reißleine. Die Windenergie auf See bleibt damit ein Hochrisikogeschäft, dessen Kosten am Ende immer Teil der Stromrechnung sind.

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