Ludwigshafen – Der Stellenabbau bei BASF hat sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich beschleunigt. Der Konzern strich seit Anfang 2024 weltweit rund 7.000 Arbeitsplätze. Allein am Stammwerk fallen derzeit monatlich 300 bis 350 Vollzeitstellen weg. Deshalb sank ihre Zahl im Mai erstmals seit 1954 unter 30.000. Im ersten Halbjahr verschwanden mehr Stellen als in den beiden Vorjahren zusammen. Dennoch schreibt das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt weiterhin Verluste. Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage und globale Überkapazitäten belasten den Standort.
Stellenabbau bei BASF kostet einmalig 1,9 Milliarden Euro
Rund zwei Drittel des Personalabbaus entfallen nach Unternehmensangaben auf Europa. BASF nennt jedoch keine genaue Aufteilung nach Ländern oder Standorten. Ludwigshafen trägt erkennbar einen großen Teil der Kürzungen. Der Vorstand erwartet außerdem, dass das aktuelle Abbautempo zunächst anhält. Der Stellenabbau bei BASF erfolgt vor allem über freiwillige Programme und Frühverrentungen.

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Bis Ende 2026 will BASF seine jährlichen Kosten um 2,3 Milliarden Euro senken. Dafür kalkuliert der Konzern jedoch mit einmaligen Ausgaben von rund 1,9 Milliarden Euro. Ein Teil fließt in hohe Abfindungen und längere Übergangszahlungen. Langjährige Beschäftigte können laut FAZ in einzelnen Fällen bis zur gesetzlichen Rente 70 Prozent ihres Gehalts erhalten. Trotzdem rechnet sich das Programm laut Vorstand durch die späteren Einsparungen.
BASF-Chef fordert Debatte über Kündigungsschutz
Die Standortvereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen bis Ende 2028 aus. Deshalb setzt BASF auf freiwillige Abgänge und sozialverträgliche Lösungen. Vorstandschef Markus Kamieth verwies dazu auf die rechtlichen Grenzen: „Da können wir nicht raus.“ Gleichzeitig bezeichnete er Restrukturierungen in Deutschland als „extrem teuer“. Diese Kosten könnten besonders junge Unternehmen bei notwendigen Anpassungen belasten.
Das Stammwerk bleibt jedoch trotz steigender Produktivität defizitär. Der Anteil hoch wettbewerbsfähiger Anlagen wuchs seit 2024 von 78 auf 88 Prozent. Damit gelten noch zwölf Prozent der mehr als 850 Produktionseinheiten als gefährdet. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil bei mehr als 20 Prozent. Der Stellenabbau bei BASF begleitet deshalb auch Anlagenumbauten und mögliche Schließungen. BASF prüft fortlaufend, ob sich die verbleibenden Einheiten wirtschaftlich sanieren lassen.
Aufgaben wandern von Deutschland nach Indien
Zusätzlich führt BASF das Programm „CoreShift“ ein. Damit sollen die Fixkosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20 Prozent sinken. Der Konzern will deshalb Prozesse, Forschung, Dienstleistungen und Zentralfunktionen stärker vereinheitlichen. Außerdem verlagert BASF Teile seines Berliner Service-Standorts nach Indien. Welche weiteren Folgen dies für die Beschäftigung hat, bleibt bislang offen.
Parallel trennt sich BASF von Geschäften außerhalb des engeren Chemiekerns. Dazu gehören Autolacke, Teile der Agrarchemie und die frühere Öl- und Gastochter Wintershall Dea. Gleichzeitig prüft der Vorstand neue Übernahmen. Zukäufe seien derzeit attraktiver als der Bau eigener Großanlagen. Sie müssen jedoch klare Synergien mit den Kerngeschäften schaffen. Auch LyondellBasell und Sabic bieten bereits größere Unternehmensteile zum Verkauf an.
Hormus-Krise erhöht Umsatz und Chemikalienpreise
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal dennoch um 16,4 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA legte außerdem um gut die Hälfte auf 2,4 Milliarden Euro zu. Die zeitweise blockierte Straße von Hormus verknappte Lieferungen aus Asien. BASF blieb jedoch lieferfähig und konnte höhere Preise durchsetzen. Deshalb erhöhte der Konzern seine Jahresprognose auf 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro.
Die Entlastung dürfte allerdings nur vorübergehend wirken. Schwache europäische Nachfrage und asiatische Überkapazitäten bestehen weiter. Zugleich erschwert extremes Niedrigwasser auf dem Rhein den Transport nach Ludwigshafen. BASF nutzt deshalb Spezialschiffe sowie zusätzliche Bahn- und Straßenverbindungen. Dennoch schließt der Konzern Engpässe bei einzelnen Produkten nicht aus. Damit bleiben die Standortkosten hoch, obwohl Quartalsergebnis und Auslastung zuletzt gestiegen sind.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: BASF (29.07.26) – Frankfurter Allgemeine (29.07.26) – Reuters (29.07.26) – Tagesschau (29.07.26)
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