Sonnen GmbH insolvent – deutscher Batteriespeicher-Pionier vor der Zerschlagung

Der deutsche Hersteller für Batteriespeicher, Sonnen GmbH, hat am 22. Oktober 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Vorausgegangen waren jahrelange Verluste, massive Umsatzeinbrüche und eine gescheiterte Sanierung. Erst im August hatte Shell das Unternehmen an neue Investoren verkauft. Doch auch der Eigentümerwechsel konnte den wirtschaftlichen Niedergang nicht verhindern. Nun droht dem einstigen Vorzeigeunternehmen der Energiewende die weitgehende Zerschlagung. Rund 400 Beschäftigte am Hauptsitz sind unmittelbar betroffen, während zahlreiche Tochtergesellschaften abgewickelt werden sollen. Für mehr als 150.000 Kunden sollen Service und Bestandsverträge zunächst weiterlaufen. Die langfristige Betreuung ihrer Batteriespeicher bleibt jedoch ungewiss.

Sonnen GmbH nach Millionenverlusten insolvent. Rund 400 Mitarbeiter am Hauptsitz betroffen, über 150.000 Kunden bangen um den Service
Sonnen GmbH nach Millionenverlusten insolvent. Rund 400 Mitarbeiter am Hauptsitz betroffen, über 150.000 Kunden bangen um den Service
Bild: E. R., CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sonnen GmbH: Millionenverluste trotz radikalem Sparkurs

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten reichen mehrere Jahre zurück. Nach einem starken Wachstum brach der Konzernumsatz von 443 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 198,9 Millionen Euro im Jahr 2024 ein. Gleichzeitig erreichte der operative Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rund 188,7 Millionen Euro. Obwohl das Management anschließend massiv sparte, blieb das Unternehmen tief in den roten Zahlen. Für 2025 weisen interne Unterlagen noch einen operativen Verlust von 52,2 Millionen Euro aus.

Das Sanierungsprogramm namens „Sunrise“ sollte die Kosten senken und das Unternehmen wieder profitabel machen. Dafür strich Sonnen zahlreiche Arbeitsplätze und stellte einzelne Geschäftsbereiche ein. Die Beschäftigtenzahl sank von ursprünglich 1.318 auf etwa 800 im Januar 2026. Dennoch verfehlte das Unternehmen seine wirtschaftlichen Ziele deutlich. Besonders problematisch war die Kombination aus rückläufigen Einnahmen und weiterhin hohen Betriebskosten.


Verkauf durch Shell sollte die Rettung bringen

Shell hatte den Batteriespezialisten 2019 für rund 500 Millionen Euro übernommen. Der britische Energiekonzern wollte damit sein Geschäft mit dezentraler Stromversorgung ausbauen. Allerdings gelang es Sonnen auch unter dem finanzstarken Eigentümer nicht, dauerhaft Gewinne zu erzielen. Im August 2026 verkaufte Shell die Gesellschaft deshalb an Tiven, das Family Office des Investors Gert Purkert. Der neue Eigentümer sollte den Hersteller mithilfe von Sanierungsexperten wieder wirtschaftlich stabilisieren.

Nur zwei Monate später folgte jedoch der Insolvenzantrag. Nach aktuellen Berichten sollen zahlreiche Tochtergesellschaften geschlossen oder ebenfalls insolvenzrechtlich saniert werden. Dazu zählen offenbar auch Aktivitäten in Großbritannien und Italien. Lediglich ein Produktionsstandort soll erhalten bleiben. Die Sonnen GmbH selbst hat inzwischen bestätigt, dass sie ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt hat. Dabei führt die bisherige Geschäftsführung das Unternehmen zunächst weiter.


Vorwürfe gegen Investoren und ungewisse Zukunft für Kunden

Besonders brisant sind Berichte über eine mögliche Verlagerung von Patenten, Markenrechten und anderen Vermögenswerten in die USA. Mehrere Insider erheben entsprechende Vorwürfe gegen die neuen Eigentümer. Eine unabhängige Bestätigung für eine tatsächlich erfolgte Übertragung liegt jedoch nicht vor. Auch Shell und Tiven haben die Vorwürfe bislang nicht öffentlich aufgeklärt. Der amerikanische Markt entwickelte sich zuletzt deutlich besser als das europäische Geschäft. Ende 2025 entfielen bereits fast 30 Prozent des Konzernumsatzes auf Nordamerika.

Für die Kunden der Sonnen GmbH ist vor allem die weitere technische Betreuung entscheidend. Batteriespeicher benötigen teilweise herstellerspezifische Software, Kommunikationsschnittstellen und Ersatzteile. Deshalb kann eine dauerhafte Einstellung des Supports erhebliche Folgen haben. Besonders betroffen wären vernetzte Speicher und Anlagen mit cloudbasierten Funktionen. Die angekündigte Fortführung des Service bietet zunächst Entlastung, garantiert jedoch keine langfristige Versorgung mit Ersatzteilen oder Softwareupdates.

Die Insolvenz trifft damit einen Hersteller, der einst zu den bekanntesten deutschen Anbietern intelligenter Heimspeicher gehörte. Sonnen entwickelte nicht nur Batteriesysteme, sondern vernetzte diese auch zu virtuellen Kraftwerken. Dennoch konnte das Unternehmen aus seiner technischen Position kein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln. Für den Standort Wildpoldsried drohen weitere Arbeitsplatzverluste und der Abbau industrieller Wertschöpfung. Der Fall zeigt außerdem, dass selbst ein wachsender Markt für Batteriespeicher keinen wirtschaftlichen Erfolg einzelner Hersteller garantiert.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: BR24 (23.10.26) – Solarserver (23.10.26) – Handelsblatt (22.10.26) – ZfK (22.10.26)

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