Der Autozulieferer Magna will sein Werk im unterfränkischen Dorfprozelten Mitte 2027 schließen. Die Standortleitung informierte die 216 Beschäftigten Mitte Juli 2026 über die Entscheidung. Das Werk fertigt Außen- und Rückspiegel, doch der Konzern sieht keine wirtschaftliche Perspektive mehr. Als Gründe nennt das Unternehmen eine negative Markt- und Geschäftsentwicklung trotz Investitionen und Kostensenkungen. Die Stilllegung kommt rund anderthalb Jahre vor dem zugesagten Ende der Standortsicherung und trifft auch die 1.750-Einwohner-Gemeinde.
Magna beendet Standortsicherung deutlich früher
Bereits im März 2023 wollte der Konzern den Standort bis Mitte 2025 vollständig aufgeben. Dagegen organisierten Belegschaft und IG Metall Warnstreiks sowie einen regionalen Aktionstag. Außerdem unterstützten Politiker und Kommunen die Verhandlungen über eine Fortführung. Im Juli 2023 einigten sich beide Seiten schließlich auf ein neues Standortkonzept.

Bild: Raysonho @ Open Grid Scheduler / Scalable Grid Engine, CC0, via Wikimedia Commons
Das Eckpunktepapier sicherte mindestens 250 Arbeitsplätze bis Ende 2028. Dafür akzeptierten die Beschäftigten jedoch weitreichende Personalanpassungen und Freiwilligenprogramme. Im Gegenzug sollte das Werk neue Technologien, zusätzliche Produkte und Folgeaufträge erhalten. Heute liegt die Belegschaft mit 216 Mitarbeitern bereits unter der zugesagten Mindestgröße.
Gewerkschaft widerspricht der Konzernbegründung
Magna erklärt, die bisherigen Maßnahmen hätten keine tragfähige Zukunft geschaffen. „Trotz finanzieller Investitionen und umgesetzter Kostensenkungsmaßnahmen in den letzten Jahren konnte die Zukunftsfähigkeit nicht aufrechterhalten werden“, teilte ein Sprecher mit. Die IG Metall widerspricht jedoch der Darstellung einer unvermeidbaren Entwicklung. Sie wirft dem Management vor, zugesagte Arbeit, Anlagen und Aufträge nicht geliefert zu haben.
Nach Gewerkschaftsangaben erhielt Dorfprozelten zudem keine neuen Produkte aus anderen Konzernstandorten. Außerdem beendete das Management das vorgesehene Marktsegment für Overhead-Konsolen. Die zentrale LC-Spiegelglas-Technologie erreicht ebenfalls nicht die Serienreife. Für deren Entwicklung flossen laut IG Metall erhebliche Fördermittel aus Bayern, deren konkrete Höhe bisher nicht veröffentlicht wurde.
Dorfprozelten verliert wichtigen Industriearbeitgeber
Für Dorfprozelten bedeutet die Schließung den Verlust eines wichtigen Industriearbeitgebers. Bürgermeisterin Elisabeth Steger bezeichnete die Nachricht deshalb als „dramatisch“ und als „Schlag für die Familien“. Außerdem verliert die Gemeinde voraussichtlich Gewerbesteuereinnahmen. Vergleichbare Industriearbeitsplätze sind in der näheren Umgebung jedoch nur begrenzt verfügbar.
Der Fall gehört zu einem breiten Stellenabbau bei deutschen Autozulieferern. Ende des dritten Quartals 2025 beschäftigte die Autoindustrie 48.700 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. Bei Teile- und Zubehörherstellern sank die Beschäftigung sogar um 11,1 Prozent auf knapp 235.400 Mitarbeiter. Die IG Metall will deshalb in einer Mitgliederversammlung über weitere Schritte beraten. Von Magna verlangt sie Lösungen, bei denen es um Zeit und Geld für die Betroffenen geht.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: IG Metall Aschaffenburg (Stand:16.07.26) – BR24 (14.07.26) – Produktion (14.07.26) – Industrie Magazin (14.07.26)
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