Kapitalrente – Warum man dem Staat keinen Milliardenfonds anvertrauen darf

ein Kommentar unseres Autors Klaus Bastian

Berlin will ab 2028 eine verpflichtende Kapitalrente innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung einführen. Arbeitgeber und Beschäftigte sollen dafür schrittweise zwei zusätzliche Beitragspunkte zahlen. Ein öffentlicher Fonds soll die Beiträge zentral anlegen, wobei begrenzte Alternativen vorgesehen sind. Kapitaldeckung ist sinnvoll, doch staatliche Verwaltung schafft ein neues Problem. Während das Umlageverfahren kaum Vermögen ansammelt, wächst hier ein Kapitalstock von vielen Hundert Milliarden Euro. Deshalb wären spätere politische Zugriffe keine Randgefahr, sondern der entscheidende Schwachpunkt des Modells.


Private Vorsorge wäre einfacher und sicherer

Der Staat müsste keinen eigenen Pflichtfonds aufbauen. Er könnte dagegen private Vorsorgedepots steuerlich fördern und kostengünstige ETF-Lösungen zulassen. Geringverdiener könnten außerdem direkte Zuschüsse erhalten. Das Vermögen bliebe persönliches Eigentum, wäre vererbbar und läge außerhalb staatlicher Sondertöpfe.

Die Kapitalrente schafft einen riesigen Staatsfonds. Frühere Zweckverschiebungen zeigen, warum private Vorsorge sicherer wäre
Die Kapitalrente schafft einen riesigen Staatsfonds. Frühere Zweckverschiebungen zeigen, warum private Vorsorge sicherer wäre
Bild: KI-generiert

Im Umlageverfahren fließen die Beiträge fast sofort an heutige Rentner. Die Nachhaltigkeitsrücklage dient deshalb nur als kurzfristiger Puffer. Ende 2025 lag sie bei rund 41,3 Milliarden Euro. Ein kapitalgedecktes System braucht dagegen einen dauerhaft wachsenden Vermögensstock. Gerade dieser Größenunterschied macht die politische Kontrolle so gefährlich.

Kapitalrente macht den Staat zum Verwalter eines Rentenschatzes

Die Kapitalrente soll jährlich zwei Prozent der beitragspflichtigen Einkommen abschöpfen. Bei heutigen Größenordnungen wären das grob mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr. Nach zehn Jahren könnten die Bruttozuflüsse bereits über 300 Milliarden Euro erreichen. Kapitalerträge kämen hinzu, deshalb könnte der Fonds später zu den größten Vermögen Deutschlands gehören. Gegen solche Summen wirkt die heutige Rentenrücklage wie eine Portokasse.

Die bisherige Rentenpolitik liefert jedoch keinen Grund für Vertrauen. Für 2023 bezifferte die Rentenversicherung nicht beitragsgedeckte Leistungen nach erweiterter Abgrenzung auf 124,1 Milliarden Euro. Denen standen nur 84,3 Milliarden Euro Bundeszuschüsse gegenüber. Die rechnerische Differenz betrug deshalb 39,8 Milliarden Euro. Dazu gehörten 5,6 Milliarden Euro für Zeiten nach dem Fremdrentengesetz. Für diese Zeiten flossen zuvor keine Beiträge an die deutsche Rentenversicherung. Solche Leistungen können politisch gewollt sein, doch dann muss der Steuerhaushalt sie vollständig bezahlen.


Der Klimafonds zeigt den Wert staatlicher Versprechen

Der Klima- und Transformationsfonds war als Auszahlungskasse für Bürger gegründet worden. Die damalige Koalition versprach einen sozialen Ausgleich für steigende CO₂-Preise. Dafür kündigte sie ausdrücklich ein Klimageld an. Die Einnahmen aus der nationalen CO₂-Bepreisung und dem europäischen Emissionshandel fließen zugleich in den Fonds. Das Klimageld kam dennoch nicht. Stattdessen finanziert der KTF inzwischen Gebäudeförderung, Wasserstoffprojekte, Industriehilfen und 6,5 Milliarden Euro Zuschüsse zu den Netzentgelten.

Außerdem wollte die Bundesregierung 25 Titel aus dem regulären Kernhaushalt in den KTF verschieben. Der Bundesrechnungshof kritisierte deshalb die fehlende Zusätzlichkeit und die Vermischung mit normalen Haushaltsaufgaben. Bei der Kapitalrente könnte dasselbe Muster mit wesentlich größeren Summen folgen. Der Staat müsste das Geld nicht einmal offen beschlagnahmen. Eine spätere Mehrheit könnte Staatsanleihenquoten, politisch gewünschte Investitionen oder vermeintlich einmalige Entnahmen beschließen. Gesetze schützen nur so lange, bis der Gesetzgeber sie ändert. Wer Kapitaldeckung will, sollte deshalb private Eigentumskonten stärken und dem Staat keinen Rentenschatz anvertrauen.

Verfasser: Klaus Bastian – Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (16.07.26)Reuters (15.07.26)Die Bundesregierung (Stand: 02.07.26)BR24 (28.06.26)Handelsblatt (25.06.26)Ihre Vorsorge (25.06.26)WirtschaftsWoche (22.06.26)Table.Briefings (09.10.2025) und weitere

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