Leuna – Die insolvente Leuna Polyamid GmbH stellt ihre Produktion Ende September ein und schließt den Betrieb im Oktober. Die Investorensuche blieb ohne verbindliches Angebot, nachdem hohe Energie- und Rohstoffkosten, Vorkasseforderungen und chinesischer Preisdruck die Finanzierung belasteten. Rund 400 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze. Weil die komplexen Anlagen sicher heruntergefahren werden müssen, ordnete das Landesverwaltungsamt am 10. September einen kontrollierten Betriebsstopp an. Ein ungeplanter Stillstand könnte außerdem Sicherheitsprobleme im Chemiepark verursachen.

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Leuna Polyamid scheitert wenige Monate nach der Rettung
Die Gesellschaft hatte den Betrieb erst am 1. April übernommen. InfraLeuna und Leuna-Harze gründeten dafür eine gemeinsame Auffanggesellschaft nach der Insolvenz von Domo Caproleuna. Doch bereits zweieinhalb Monate später beantragte auch das neue Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Rettung hielt deshalb nur wenige Wochen.
Die Geschäftsführung nennt mehrere wirtschaftliche Ursachen für das Scheitern. Rohstoffpreise stiegen nach ihren Angaben stark, während Lieferanten teilweise Vorkasse verlangten. Außerdem belasteten hohe Energiekosten und günstige Konkurrenz aus China das Geschäft. Für Leuna Polyamid fand sich deshalb trotz Gesprächen kein Investor mit verbindlichem Angebot.
Behörde schreibt sicheren Anlagenstopp vor
Bis Ende September produziert das Werk noch bestellte Ware für Vertragskunden. Danach soll der Abfahrbetrieb mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Oktober beginnen. Die Stilllegung dauert nach Unternehmensangaben 15 bis 20 Tage. Allerdings darf das Werk seine Anlagen nicht einfach abschalten.
Das Landesverwaltungsamt verlangt deshalb einen detaillierten Plan für den sicheren Stillstand. Außerdem muss das Unternehmen genügend qualifiziertes Personal sowie die nötigen technischen Voraussetzungen vorhalten. Hintergrund sind komplexe Anlagen und gefährliche Stoffe im Produktionsverbund. Ein unkontrollierter Ausfall könnte deshalb erhebliche Sicherheitsprobleme verursachen.
Schließung trifft den gesamten Chemiestandort Leuna
Die Folgen reichen über die rund 400 Arbeitsplätze hinaus. Leuna Polyamid war über Jahre in den Stoff- und Energieverbund des Standorts eingebunden. InfraLeuna erwartet deshalb Auswirkungen auf mehrere Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. Unter anderem verändern sich Mengen bei Ammoniak, Benzol, Schwefel, Propylen, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff.
Schon die Insolvenz des Vorgängers hatte erhebliche öffentliche Kosten verursacht. Sachsen-Anhalt finanzierte damals einen Notbetrieb mit rund 79,5 Millionen Euro, weil ein sofortiges Abschalten nicht sicher möglich war. Nun endet jedoch auch die Auffanglösung. Damit verliert der mitteldeutsche Chemiestandort einen weiteren großen Produktionsbaustein, während die Branche zugleich mit hohen Kosten und schwacher Nachfrage kämpft.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Kunststoff Web (11.09.26) – ICIS (10.09.26) – Frankfurter Rundschau (09.09.26)
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