hGears insolvent: E-Bike-Einbruch und hohe Kosten treffen 181 Mitarbeiter

Schramberg – hGears fertigt hochpräzise Zahnräder und Getriebekomponenten für E-Bikes, elektrifizierte Fahrzeuge und Elektrowerkzeuge. Die deutsche Tochter hat am 7. September beim Amtsgericht Rottweil Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Ursache ist Zahlungsunfähigkeit durch zu geringe Produktionsmengen und eine zu hohe Kostenbasis. Besonders das schwache E-Bike-Geschäft belastet das Werk, während vorhandene Kapazitäten nicht ausreichend ausgelastet sind. Betroffen sind 181 Mitarbeiter. Die Produktion läuft jedoch zunächst weiter. Kündigungen sind dennoch nicht ausgeschlossen.

Bei hGears gefährden niedrige Produktionsmengen, hohe Kosten und die E-Bike-Schwäche 181 Arbeitsplätze am Standort Schramberg
Bei hGears gefährden niedrige Produktionsmengen, hohe Kosten und die E-Bike-Schwäche 181 Arbeitsplätze am Standort Schramberg
Symbolbild: Shutterstock

hGears kämpft mit sinkenden Produktionsmengen

Die wirtschaftlichen Probleme reichen über einen kurzfristigen Liquiditätsengpass hinaus. Das Unternehmen nennt ausdrücklich zu niedrige Produktionsvolumina als Ursache der Zahlungsunfähigkeit. Gleichzeitig passt die Kostenstruktur nicht mehr zum aktuellen Geschäftsvolumen. Deshalb soll die Eigenverwaltung eine umfassende Restrukturierung ermöglichen.


Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im E-Bike-Geschäft. Dort sank der Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026 um 31,2 Prozent auf 5,1 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 7,5 Millionen Euro. hGears begründete den Rückgang außerdem mit schwacher Fahrradproduktion und dem weiteren Lagerabbau in der Branche.

E-Bike-Geschäft bricht um mehr als 30 Prozent ein

Auch andere Geschäftsbereiche konnten den Rückgang nur teilweise auffangen. Der Konzernumsatz sank im ersten Halbjahr um 5,6 Prozent auf 46,8 Millionen Euro. Das Geschäft mit Komponenten für elektrifizierte Fahrzeuge legte dagegen um sieben Prozent auf 25,5 Millionen Euro zu. Dennoch blieb das bereinigte EBITDA mit 0,4 Millionen Euro niedrig.

hGears hatte bereits vor dem Insolvenzantrag Kosten reduziert und Strukturen angepasst. Der Konzern senkte unter anderem seinen Personalaufwand. Trotzdem reichten die Maßnahmen für den deutschen Standort offenbar nicht aus. Außerdem belastet die geringe Auslastung eine Produktionsstruktur, die auf größere Stückzahlen ausgelegt ist.

181 Arbeitsplätze hängen am Sanierungsplan

Für die Beschäftigten gibt es bislang keine verbindliche Arbeitsplatzgarantie. Der Sanierungsplan befindet sich noch in Arbeit. Deshalb steht auch noch nicht fest, wie stark die Belegschaft verkleinert werden könnte. Kündigungen schließt das Unternehmen bei einer notwendigen Anpassung der Kostenstruktur jedoch nicht aus.

Gleichzeitig produziert das Werk weiter und beliefert seine Kunden. Die Eigenverwaltung soll deshalb eine Sanierung während des laufenden Betriebs ermöglichen. Die bisherige Geschäftsführung bleibt dabei handlungsfähig. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter begleitet und kontrolliert das Verfahren.


Insolvenz bleibt auf Schramberg begrenzt

Das Verfahren betrifft ausschließlich die hGears Schramberg GmbH. Die Muttergesellschaft hGears AG sowie weitere Konzerngesellschaften sind derzeit nicht insolvent. Auch die Produktionsstandorte in Italien und China arbeiten weiter. Finanzielle Folgen für die börsennotierte Muttergesellschaft sind jedoch möglich.

Zwischen der AG und der Schramberger Tochter besteht ein Beherrschungsvertrag. Deshalb prüft der Konzern mögliche Auswirkungen auf Vermögen, Finanzierung und Ergebnis. Für Schramberg entscheidet nun vor allem die künftige Auslastung über den Erfolg der Sanierung. Bleiben Produktionsmengen dauerhaft niedrig, muss der Standort seine Kosten deutlich an das kleinere Geschäftsvolumen anpassen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Outdoor Industry Compass (10.09.26)Neue Rotweiler Zeitung (08.09.26)

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