Der Ausbau von Rechenzentren soll in Deutschland nach dem Willen der Bundesregierung bis 2030 verdoppelt werden – eine Studie warnt vor zunehmenden Konflikten um den hohen Wasserverbrauch. Rechenzentren hierzulande könnten 27 Milliarden Liter Wasser im Jahr 2030 statt derzeit rund 13 Milliarden Liter zur Kühlung benötigen, erklärte die Umweltorganisation Greenpeace am Freitag. Der Trend zu immer größeren Anlagen verstärke lokalen „Wasserstress“.

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In Rechenzentren kommen große Mengen leistungsstarker Computer zum Einsatz, um dort Daten zu speichern oder Verarbeitungsschritte und Rechenleistung für unzählige digitale Dienste zu übernehmen – etwa für die Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI). Zugleich sorgen der immense Stromhunger der Anlagen und der Wasserverbrauch für Debatten über die Umweltauswirkungen. In den USA entwickelte sich der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Ausbau von Rechenzentren zu einem zentralen Thema im Wahlkampf zu den Kongresswahlen, in denen Trumps Republikaner eine massive Niederlage erlitten.
In Deutschland sind laut der Studie des Öko-Instituts für Greenpeace knapp 30 riesige Rechenzentren mit je mehr als 100 Megawatt Serverleistung geplant. Je nach eingesetzter Kühltechnik werde ihr jährlicher Wasserbedarf auf 200 bis 930 Millionen Liter geschätzt, erklärte Greenpeace. Die rund 13 Milliarden Liter, die im vergangenen Jahr verbraucht worden seien, entsprechen demnach dem Trinkwasserbedarf einer Großstadt mit 275.000 Menschen.
Nur Kühlsysteme mit vollständig geschlossenen Kreisläufen können den Wasserverbrauch eines Rechenzentrums demnach auf Null senken. Etwa ein Drittel der derzeit rund 1200 Betreiber von Rechenzentren hierzulande nutze in den Sommermonaten jedoch Verdunstungskühlanlagen, erklärte Greenpeace. Dabei entweiche das genutzte Trinkwasser als Wasserdampf in die Atmosphäre und steht dem lokalen Wasserkreislauf und der Versorgung der Haushalte nicht mehr zur Verfügung. „Wer neben einem Rechenzentrum lebt, sorgt sich zu Recht um Lebensqualität, versiegende Brunnen und steigende Wasser- und Stromkosten“, erklärte Linda Klapdor von Greenpeace.
Künftig dürften deutlich mehr Deutsche eine solche Anlage in der Nachbarschaft haben: Die Bundesregierung will bis 2030 doppelt soviel Rechenkapazität erreichen und daher den Ausbau beschleunigen, das hat sie in ihrer Rechenzentrumsstrategie beschlossen. Derzeit gibt es laut dem Digitalverband Bitkom in Deutschland gut 2000 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von jeweils mehr als 100 Kilowatt.
2026 stiegen die Investitionen in Rechenzentren der Bitkom-Studie zufolge um 57 Prozent und erreichten ein Rekordniveau von 23,5 Milliarden Euro. Dennoch könnte Deutschland laut Verband hinter den Ausbauzielen der Bundesregierung zurückbleiben. Der größte Standort ist demnach mit Abstand Hessen, darauf folgen Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Greenpeace forderte, in wasserarmen Regionen dürften Rechenzentren nur mit geschlossenen Wasserkreisläufen ans Netz gehen. Der Strom für den Betrieb von Rechenzentren müsse zudem aus erneuerbaren Energien stammen.
Bitkom sieht in seiner am Dienstag veröffentlichten Studie bereits Fortschritte bei der Wassereffizienz der Rechenzentren in Deutschland. Für die Betreiber liegt es laut Bitkom-Präsident Wintergerst „im eigenen Interesse, den Ressourcenverbrauch ihrer Rechenzentren möglichst gering halten“. Der Energiebedarf der Zentren steigt laut Studie aber mit wachsendem Bedarf an Rechenleistung weiter, obwohl die Zentren effizienter würden.
Greenpeace kritisierte auch, dass Betreiber von Rechenzentren ihre Pflicht, den Wasserverbrauch zu melden, nur „lückenhaft“ erfüllten. Fehlende Daten würden zudem nicht systematisch kontrolliert, es fehlten verbindliche Obergrenzen für den Verbrauch. „Auch im aktuellen Ergebnisbericht des Digitalgipfels der Bundesregierung finden sich keine Kennzahlen zu Energie, Wasser oder Abwärme für die geplante Vervierfachung der KI-Rechenkapazität“, monierte die Umweltschutzorganisation.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Auswertung des datenjournalistischen Teams des Senders SWR. Anfragen und Recherchen bei rund 30 der größten Betreiber in Deutschland hätten ergeben, dass mehr als die Hälfte von ihnen der Pflicht „mutmaßlich nicht“ nachkomme, Strom- und Wasserverbrauch der großen Rechenzentren wie nach dem Energieeffizienzgesetz erforderlich zu veröffentlichen, berichtete tagesschau.de. Die Angaben seien online oft nicht zu finden, auf Anfrage reagierten viele Betreiber nicht oder wollten sich nicht äußern.
Verfasser: AFP – oer/ilo
Verwendete Quellen: AFP Presseportal
