4,57 Millionen Beschäftigte ohne Berufsabschluss – jährlich kommen 100.000 hinzu

Berlin – Eine neue Bertelsmann-Studie zeigt eine wachsende Qualifikationslücke am deutschen Arbeitsmarkt. In Deutschland gab es 2025 rund 4,57 Millionen Beschäftigte ohne Berufsabschluss zwischen 25 und 64 Jahren. Seit 2017 stieg ihre Zahl damit um 810.000, durchschnittlich um etwa 100.000 pro Jahr. KI und Konjunkturschwäche bedrohen besonders einfache Tätigkeiten, deshalb wachsen Arbeitslosigkeit, Niedriglohnrisiken und geringe Aufstiegschancen. Unternehmen finden jedoch weiterhin zu wenige Fachkräfte und nutzen dieses Arbeitskräftepotenzial nur unzureichend.


Beschäftigte ohne Berufsabschluss sind sechsmal häufiger arbeitslos

Fast 14 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatten damit keinen anerkannten Abschluss. Die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsabschluss lag 2025 um 650.000 über dem Stand von 2019. Gegenüber 2017 beträgt das Plus sogar 810.000. Der Anstieg setzte sich außerdem trotz des anhaltenden Fachkräftebedarfs am Arbeitsmarkt fort.

Beschäftigte ohne Berufsabschluss nehmen jährlich um 100.000 zu. KI, Helferjobs und fehlende Qualifizierung verschärfen die Folgen
Beschäftigte ohne Berufsabschluss nehmen jährlich um 100.000 zu. KI, Helferjobs und fehlende Qualifizierung verschärfen die Folgen
Bild: Shutterstock

Die Arbeitslosenquote ohne Berufsabschluss lag 2025 bei 21,3 Prozent. Mit Berufsausbildung betrug sie dagegen nur 3,5 Prozent. Außerdem waren 617.000 Menschen ohne Berufsausbildung langzeitarbeitslos. Unter allen Arbeitslosen ohne Abschluss waren 39 Prozent mindestens ein Jahr ohne Arbeit.

Immer weniger Stellen für Helferjobs am Arbeitsmarkt

Die Forscher analysierten fast 40 Millionen Online-Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025. Im vergangenen Jahr kamen jedoch nur 0,69 Anzeigen auf einen arbeitslosen Helfer. Bei Fachkräften waren es dagegen 4,81 Anzeigen. Auf eine arbeitslose Fachkraft entfielen damit siebenmal mehr Angebote als auf einen arbeitslosen Helfer.

Beschäftigte ohne Berufsabschluss trifft diese Entwicklung besonders in standardisierten Tätigkeiten. Im Verkauf stehen 115.000 beschäftigten Helfern rund 170.000 arbeitslose Helfer gegenüber. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote erreicht dort deshalb 39 Prozent. Im Objektschutz liegt sie über 50 Prozent, in der Fahrzeugtechnik bei 31 Prozent und im Gartenbau bei 28 Prozent. Außerdem kann KI einfache Aufgaben in Produktion, Verwaltung und Büro zunehmend übernehmen.


Teilqualifikationen können Fachkräftepotenzial erschließen

Im Verkauf fehlen häufig Kenntnisse in Beratung und Filialorganisation. Im Gartenbau und Objektschutz liegen die formalen Hürden ebenfalls vergleichsweise niedrig. Bertelsmann-Experte Gunvald Herdin sagt deshalb: „Je nach Beruf können schon wenige Teilqualifikationen die Lücke zwischen Helfer- und Fachkraftjob füllen.“ Im Büro sowie im Maschinenbau verlangt der Aufstieg jedoch meist umfangreichere Qualifizierungen.

Das IAB zeigt jedoch, dass fehlende Abschlüsse nicht automatisch fehlende Fähigkeiten bedeuten. Nur 43 Prozent der Geringqualifizierten arbeiten auf Helferniveau, 44 Prozent bereits als Fachkraft. Weitere elf Prozent übernehmen Spezialisten- oder Expertentätigkeiten. Deshalb könnten Kompetenzfeststellungen, Zertifikate und berufsbegleitende Teilabschlüsse mehr Menschen in stabile Fachkraftstellen bringen. Der Bedarf bleibt hoch: 36 Prozent der Unternehmen können Stellen nicht besetzen, 57 Prozent suchen vergeblich dual Ausgebildete.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (21.07.26)Merkur (21.07.26)Bertelsmann Stiftung (Stand 21.07.26)Bertelsmann Stiftung (20.07.26)

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