Die Grünen wollen Deutschland nach ihrem kleinen Parteitag Ende Juni in mehrere Strompreis-Zonen aufteilen. Strom soll deshalb dort günstiger werden, wo viel Wind- oder Solarenergie entsteht. Auslöser sind Netzengpässe zwischen Erzeugungsregionen im Norden und Osten sowie großen Verbrauchszentren im Süden und Westen. Der einheitliche Börsenstrompreis bildet diese Engpässe bisher kaum ab. Betroffen wären deshalb Haushalte, Industrie, Netzbetreiber, Speicherbetreiber und Erzeuger erneuerbarer Energien.
Strompreis-Zonen sollen den Einheitspreis ablösen
Deutschland nutzt bisher eine gemeinsame Gebotszone mit Luxemburg. Deshalb gilt im Großhandel ein einheitlicher Strompreis. Dieser Preis unterscheidet nicht zwischen Regionen mit Stromüberschuss und Regionen mit Netzknappheit. Das vereinfacht den Handel, jedoch verdeckt es physikalische Engpässe im Stromnetz.

Wenn Windstrom aus dem Norden nicht nach Süden gelangt, greifen Netzbetreiber ein. Sie regeln Anlagen ab und beschaffen andernorts Ersatzstrom. Dadurch entstehen Redispatch-Kosten, die später im Stromsystem landen. Die Grünen wollen deshalb Preise stärker an die tatsächliche Netzlage koppeln.
Fünf Zonen liefern laut Analyse den höchsten Nutzen
Die europäische Gebotszonenprüfung liefert dafür einen wichtigen Bezugspunkt. ENTSO-E verglich mehrere Zuschnitte für Deutschland und Luxemburg. Das Modell mit fünf Gebotszonen erreichte dabei den höchsten rechnerischen Effizienzgewinn. Der Wert lag für das Zieljahr 2025 bei 339 Millionen Euro.
Dieser Betrag wirkt jedoch nur auf den ersten Blick groß. Im Verhältnis zu den gesamten Systemkosten bleibt der Effekt begrenzt. Außerdem warnen Übertragungsnetzbetreiber vor sinkender Marktliquidität und zusätzlichen Kosten. Sie verweisen zudem auf alte Datengrundlagen und lange Vorlaufzeiten.
Strompreis-Zonen schaffen Gewinner und Verlierer
Die geplanten Strompreis-Zonen könnten regional sehr unterschiedliche Folgen haben. Im windreichen Norden dürften Großhandelspreise eher sinken. In südlichen Industrieregionen könnten sie jedoch steigen. Genau deshalb lehnen süddeutsche Länder und Teile der Wirtschaft eine Aufteilung ab.
Schleswig-Holstein treibt die Debatte dennoch weiter voran. Eine Fraunhofer-Analyse prüfte eine gemeinsame Zone aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark-West. Das Modell soll Abregelungen senken und flexible Verbraucher anziehen. Außerdem könnte es Elektrolyseure wirtschaftlicher machen.
Bei drei Gigawatt zusätzlicher Elektrolyse sinken laut Fraunhofer die negativen Strompreise deutlich. Zugleich entstehen stärkere Anreize, Strom dort zu verbrauchen, wo er entsteht. Das passt zum Ziel der Grünen, Speicher, Wasserstoffanlagen und neue Industrie näher an erneuerbare Erzeugung zu bringen. Für bestehende Industriestandorte bleibt der Vorschlag jedoch heikel, weil höhere Großhandelspreise Betriebe im Süden und Westen belasten könnten.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Bündnis 90 Die Grünen (28.06.26) – Handelsblatt (29.06.26) – Taz (29.06.26) – Fraunhofer Institute (11.06.26)
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