Die Niederlande haben am 26. Oktober 2026 einen weitreichenden Bürokratieabbau angekündigt. Bis 2035 sollen rund 25.000 Vollzeitstellen in der zentralen Verwaltung des Staats wegfallen. Künstliche Intelligenz (KI), weniger Vorschriften und schlankere Behörden sollen jährlich 3,5 Milliarden Euro einsparen. Während Den Haag damit konkrete Kürzungsziele bei der Bürokratie festlegt, wächst der deutsche Staatsapparat bislang weiter. Allein 2025 kamen im öffentlichen Dienst 95.100 Beschäftigte hinzu. Zugleich plant die Bundesregierung für zwei neue Steuern rund 1.046 zusätzliche Verwaltungsstellen. Damit stehen den deutschen Versprechen zur Entlastung weiterhin steigende Personalbestände und höhere Bürokratiekosten gegenüber.

Bild: KI-generiert
Niederlande planen den Abbau jedes sechsten Staatsjobs
Die niederländische Regierung will ihre zentrale Staatsverwaltung grundlegend verkleinern. Von derzeit rund 160.000 Vollzeitstellen sollen bis 2035 etwa 25.000 entfallen. Bereits 2027 muss der Staatsapparat 900 Millionen Euro einsparen. Danach steigt das jährliche Sparziel schrittweise auf 3,5 Milliarden Euro. Allerdings müssen die einzelnen Ministerien ihre konkreten Kürzungspläne noch ausarbeiten.
Staatssekretär Eric van der Burg setzt dabei auf weniger Verwaltungsaufgaben und den Einsatz künstlicher Intelligenz. Zudem sollen jährlich mindestens 500 Vorschriften abgeschafft oder vereinfacht werden. Die Regierung will außerdem Beratungsgremien reduzieren, IT-Systeme vereinheitlichen und Büroflächen verkleinern. Polizei und Verteidigung bleiben von den Kürzungen ausgenommen. Entscheidend ist jedoch, dass nicht nur Arbeitsabläufe digitalisiert, sondern auch staatliche Aufgaben gestrichen werden sollen.
Deutschlands Staatsapparat wächst trotz Sparversprechen
In Deutschland zeigt die bisherige Entwicklung dagegen einen anhaltenden Personalzuwachs. Laut Statistischem Bundesamt beschäftigte der öffentliche Dienst Mitte 2025 rund 5,5 Millionen Menschen. Das waren 95.100 Beschäftigte mehr als im Vorjahr.
Auch die enger abgegrenzte deutsche Bundesverwaltung wächst. Nach einer Untersuchung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft stieg die Zahl der vorgesehenen Stellen seit 2017 um 48.684 auf 305.753 im Jahr 2026. Für 2027 sieht der Regierungsentwurf bereits 310.487 Stellen vor. Damit wären weitere 4.734 Stellen eingeplant. Gleichzeitig sollen die jährlichen Personalausgaben für den Staatsapparat von knapp 32 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf mehr als 51 Milliarden Euro im Jahr 2027 steigen.
Neue Zucker- und Plastiksteuer blähen Staatsapparat weiter auf
Besonders deutlich wird der Gegensatz bei der geplanten Zuckersteuer. Während die Niederlande ihren Personalbestand reduzieren wollen, kalkuliert Deutschland für die neue Abgabe rund 227 zusätzliche Stellen. Davon entfallen nach den veröffentlichten Planungsangaben 200 auf den Zoll und 23 auf das Informationstechnikzentrum Bund. Weitere knapp vier Stellen sind im Bundesfinanzministerium vorgesehen. Allein die jährlichen Personalkosten werden auf rund 28 Millionen Euro geschätzt.
Hinzu kommt die geplante Plastiksteuer mit weiteren 819 Stellen und rund 46 Millionen Euro jährlichen Personalkosten. Beide Abgaben verursachen damit zusammen einen kalkulierten Bedarf von 1.046 zusätzlichen Stellen. Die jährlichen Personalkosten summieren sich auf etwa 74 Millionen Euro. Allerdings handelt es sich um Planungszahlen und nicht um bereits erfolgte Neueinstellungen. Die Zuckersteuer soll nach dem Kabinettsbeschluss vom 14. Oktober 2026 ab Juli 2027 gelten.
Deutsche Wirtschaft verliert Jobs und bezahlt immer mehr Bürokratie
Während der Staat zusätzliches Personal einplant, baut die Privatwirtschaft Arbeitsplätze ab. Allein das produzierende Gewerbe verlor 2025 rund 143.000 Beschäftigte. Gleichzeitig belasten Dokumentationspflichten, Genehmigungsverfahren und gesetzliche Nachweise zahlreiche Unternehmen durch immer mehr Bürokratie. Nach Berechnungen der Bundesbank stiegen die durchschnittlichen Bürokratiekosten der untersuchten Unternehmen zwischen 2022 und 2024 von fünf auf sieben Prozent ihres Umsatzes. Damit bindet die Erfüllung staatlicher Vorgaben erhebliche wirtschaftliche Ressourcen.
Auch die jüngste Bilanz des Nationalen Normenkontrollrats zeigt keine durchgreifende Trendwende. Im Berichtszeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 stiegen die jährlichen Bürokratiekosten der Wirtschaft um rund 1,3 Milliarden Euro. Zwar sank der umfassender berechnete Erfüllungsaufwand insgesamt deutlich. Dieser Rückgang beruhte jedoch wesentlich auf einer einzelnen, rechnerisch besonders wirksamen gesetzlichen Entlastung. Gleichzeitig entstanden in anderen Bereichen neue Belastungen für Unternehmen.
Bürokratieabbau angekündigt – Personalabbau bleibt bislang aus
Auch die Bundesregierung hat beschlossen, bis 2029 acht Prozent der Stellen in Teilen der Bundesverwaltung abzubauen. Sicherheitsbehörden sind davon allerdings ausgenommen. Dennoch weisen die Haushaltsplanungen für 2026 und 2027 insgesamt weiter steigende Stellenzahlen aus. Der angekündigte Stellenabbau einzelner Ressorts schlägt sich deshalb bislang nicht in einer generellen Verkleinerung des Bundes nieder. Neue Aufgaben und politische Prioritäten führen gleichzeitig zu zusätzlichem Personalbedarf.
Der entscheidende Unterschied liegt somit weniger in den politischen Absichtserklärungen als in der geplanten Umsetzung. Die Niederlande beziffern bereits den angestrebten Stellenabbau und die jährlichen Einsparungen. Deutschland beschließt dagegen weiterhin zusätzliche Verwaltungsaufgaben, während die bisherigen Personalzahlen steigen. Zwar verfolgt die Bundesregierung ebenfalls einen Bürokratieabbau, doch die tatsächliche Entlastung bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück. Ob die Niederlande ihren angekündigten Kurs erfolgreich umsetzen, muss sich allerdings erst zeigen.
Weniger Staat in Den Haag – mehr Verwaltungsaufgaben in Berlin
Besonders aufschlussreich ist der unterschiedliche Umgang mit neuen Vorschriften. Die niederländische Regierung will staatliche Aufgaben grundsätzlich überprüfen und bestehende Regelungen vereinfachen. Deutschland plant dagegen neue Abgaben, für deren Erhebung zusätzliche Behördenkapazitäten erforderlich werden. Die Zuckersteuer soll zwar gesundheitliche Folgekosten senken, verursacht jedoch zugleich neue Verwaltungsaufgaben. Auch die Plastiksteuer benötigt zusätzliche Kontrollen, IT-Systeme und Personal.
Der Vergleich verdeutlicht damit ein grundsätzliches Problem der deutschen Reformpolitik. Solange der Staat neue Aufgaben schafft, können Digitalisierung und effizientere Verfahren allein den Personalbedarf kaum dauerhaft reduzieren. Der Bürokratieabbau muss deshalb auch die Notwendigkeit bestehender und neuer Vorschriften betreffen. Die Niederlande haben dafür nun ein konkretes Einsparziel formuliert. Deutschland muss hingegen erst zeigen, dass seine angekündigten Entlastungen den tatsächlichen Personal- und Kostenanstieg umkehren können.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Rijksoverheid (26.10.26) – Handelsblatt (26.10.26) – EuroNews (07.10.26)
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