Strompreise könnten sich trotz mildem Winter verdoppeln – bei Dunkelflaute droht Preisschock

Die Strompreise in Deutschland könnten sich im Januar 2027 selbst bei einem milden Winter mehr als verdoppeln. Energieanalysten warnen vor einem drastischen Preisanstieg, weil hohe Gaspreise und niedrige Speicherstände die Stromerzeugung verteuern. Besonders bei einer längeren Dunkelflaute müssen Gaskraftwerke einen großen Teil der Stromversorgung übernehmen. Bei extremer Kälte und schwachem Wind halten Experten deshalb durchschnittliche Börsenpreise von bis zu 260 Euro je Megawattstunde für möglich. Für Industrieunternehmen drohen erhebliche Mehrkosten, während auch Verbraucher zeitverzögert mit höheren Stromtarifen rechnen müssen.

Strompreise könnten im Januar explodieren. Niedrige Gasspeicher, teure Gaskraftwerke und Dunkelflauten bedrohen Wirtschaft und Verbraucher
Strompreise könnten im Januar explodieren. Niedrige Gasspeicher, teure Gaskraftwerke und Dunkelflauten bedrohen Wirtschaft und Verbraucher
Bild: Shutterstock

Strompreise hängen immer stärker von teuren Gaskraftwerken ab

Das eigentliche Problem liegt nicht allein in der Wetterprognose. Deutschland benötigt bei geringer Wind- und Solarstromproduktion weiterhin konventionelle Kraftwerke, um die Nachfrage zu decken. Besonders Gaskraftwerke übernehmen dabei eine wichtige Rolle, weil sie ihre Leistung flexibel anpassen können. Allerdings verteuern die gestiegenen Gaspreise gerade diese Stromerzeugung erheblich.

Wie gravierend der Kosteneffekt ausfällt, zeigt eine vereinfachte Rechnung. Bei einem Gaspreis von 95 Euro je Megawattstunde kostet der Brennstoff für eine Megawattstunde Strom rund 173 Euro. Grundlage ist ein modernes Gaskraftwerk mit 55 Prozent elektrischem Wirkungsgrad. Hinzu kommen bei einem CO2-Preis von 84 Euro je Tonne etwa 30 Euro für Emissionszertifikate. Damit entstehen bereits rund 203 Euro je Megawattstunde, bevor weitere Betriebskosten berücksichtigt werden.


Niedrige Gasspeicher verschärfen die Lage zum Winterbeginn

Die deutschen Gasspeicher waren am 25. Oktober nur zu 61,65 Prozent gefüllt. Ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 75,34 Prozent. Damit fehlen gegenüber dem Vorjahresniveau rund 13,7 Prozentpunkte. Besonders bemerkenswert ist der historische Vergleich: Selbst am bislang schwächsten vergleichbaren Oktobertermin der vergangenen zehn Jahre lagen die Speicherstände höher. Deutschland startet deshalb mit einer erheblich geringeren Reserve in die Heizperiode.

Die Bundesregierung sieht dennoch aktuell keine drohende Gasmangellage. Nach ihren Angaben fließen täglich mehr als zwei Terawattstunden Erdgas über Pipelines nach Deutschland. Zusätzlich stehen Flüssigerdgasimporte und gespeicherte Mengen zur Verfügung. Allerdings garantiert eine ausreichende Gasversorgung keineswegs niedrige Preise. Bei Kälte müssen Versorger zusätzliche Mengen beschaffen, während gleichzeitig Kraftwerke und Heizungen mehr Gas benötigen.

Dunkelflaute kann den gesamten Strommarkt verteuern

Besonders teuer wird Strom, wenn hohe Nachfrage und geringe Windstromproduktion zusammenfallen. Im europäischen Stromhandel bestimmt häufig das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Börsenpreis. Sobald Gaskraftwerke zur Deckung der Nachfrage notwendig sind, können ihre hohen Erzeugungskosten deshalb das Preisniveau des gesamten Marktes prägen. Davon profitieren auch günstig produzierende Anlagen, während Stromkunden höhere Beschaffungspreise zahlen müssen.

Diese Abhängigkeit macht einen wichtigen Widerspruch der Energiewende sichtbar. Zwar erzeugen Windkraft- und Solaranlagen Strom ohne Brennstoffkosten, doch ihre Produktion richtet sich nach dem Wetter. Während längerer windarmer Winterphasen können sie den Bedarf nicht zuverlässig allein decken. Deutschland muss dann zusätzliche konventionelle Kraftwerke einsetzen oder Strom importieren. Allerdings hängen auch die Importmöglichkeiten von der verfügbaren Erzeugung und den Preisen im europäischen Ausland ab.

Schon heute zeigen die Preise eine deutliche Verschärfung

Der Preisanstieg ist keineswegs nur eine Prognose für den kommenden Winter. Im September lag der durchschnittliche Day-Ahead-Preis bereits bei rund 145 Euro je Megawattstunde. Gleichzeitig stiegen die Gasnotierungen infolge geopolitischer Konflikte deutlich an. Für Stromlieferungen am 27. Oktober wurde ein Tagesdurchschnitt von rund 155 Euro je Megawattstunde ausgewiesen. Damit liegen die Großhandelspreise bereits auf einem Niveau, das erhebliche Beschaffungskosten verursacht.

Eine mögliche Verdoppelung lässt sich allerdings nicht ohne den jeweiligen Vergleichszeitraum bewerten. Der prognostizierte Januarwert von 260 Euro entspräche gegenüber 100 Euro einem Anstieg von 160 Prozent. Gegenüber dem genannten Septemberdurchschnitt wären es dagegen rund 80 Prozent. Entscheidend ist deshalb, dass die Verdoppelungsprognose und das extreme Kälteszenario unterschiedliche Ausgangsbedingungen beschreiben. Beide warnen jedoch vor erheblichen Belastungen für den Strommarkt.


Industrie zahlt zuerst – Haushalte folgen zeitverzögert

Besonders unmittelbar treffen hohe Börsenpreise Unternehmen mit kurzfristiger Strombeschaffung. Ein Industriebetrieb mit zehn Gigawattstunden Jahresverbrauch müsste bei 100 Euro Mehrkosten je Megawattstunde rechnerisch eine Million Euro zusätzlich aufbringen. Voraussetzung wäre allerdings, dass der gesamte Bedarf zu diesem höheren Preis eingekauft werden müsste. Langfristige Lieferverträge können solche Belastungen abfedern, während kurzfristige Beschaffungsmodelle stärkere Preisschwankungen übertragen.

Auch Privathaushalte spüren die Entwicklung bereits. Nach Angaben der Bundesnetzagentur kostete Strom für Neukunden im September durchschnittlich 38,62 Cent je Kilowattstunde. Das waren rund neun Prozent mehr als im Durchschnitt des ersten Halbjahres. Für Oktober erwartete die Behörde einen weiteren Anstieg. Allerdings bedeutet eine Verdoppelung des Börsenpreises keine Verdoppelung der gesamten Haushaltsrechnung, weil Netzentgelte, Steuern und weitere Preisbestandteile hinzukommen.

Versorgung gesichert – bezahlbarer Strom keineswegs

Die eigentliche wirtschaftliche Gefahr liegt damit nicht zwingend in einem drohenden Stromausfall. Auch bei technisch gesicherter Versorgung können die Preise ein Niveau erreichen, das energieintensive Produktionen zunehmend unwirtschaftlich macht. Unternehmen müssen dann höhere Kosten tragen, sie an Kunden weitergeben oder ihre Produktion anpassen. Gerade für den ohnehin angeschlagenen Industriestandort Deutschland wäre ein weiterer Energiepreisschub besonders belastend.

Die Winterprognose verdeutlicht deshalb eine grundlegende Schwäche des gegenwärtigen Stromsystems. Deutschland baut die wetterabhängige Erzeugung aus, benötigt aber weiterhin jederzeit verfügbare Kraftwerksleistung. Solange diese in kritischen Stunden überwiegend durch teures Erdgas bereitgestellt werden muss, bleiben erhebliche Preissprünge möglich. Selbst ein milder Winter bietet unter diesen Bedingungen keine Garantie für bezahlbaren Strom.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Montel News (21.10.26) – NDR (27.10.26) – Bundestag (20.10.26)

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