Nürnberg – Im Juli 2026 waren in Deutschland 3,007 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, 71.000 mehr als im Juni. Die Quote stieg auf 6,4 Prozent, während die Bundesagentur für Arbeit 2026 mit mehr als acht Milliarden Euro Defizit rechnet. Hinzu kommen mindestens 1,4 Milliarden Euro Defizit aus dem Vorjahr. Deshalb verschärft sich die Finanzlage der Arbeitslosenversicherung erheblich. BA-Chefin Andrea Nahles schließt höhere Beiträge nicht aus, betont jedoch, dass eine Anhebung derzeit nicht angestrebt werde. Beschlossen ist eine Beitragserhöhung nicht.
Schwacher Arbeitsmarkt belastet Einnahmen und Ausgaben
Die Drei-Millionen-Marke hat vor allem wegen saisonaler Effekte wieder an Bedeutung gewonnen. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit im Juli jedoch nur um 6.000 Personen. Gegenüber Juli 2025 waren trotzdem 28.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Außerdem sank die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Mai binnen Jahresfrist um 69.000 auf 34,83 Millionen.

Bild: Shutterstock
Auch die Nachfrage nach Personal bleibt schwach. Im Juli waren 653.000 offene Stellen bei der BA gemeldet, während 1,108 Millionen Menschen Arbeitslosengeld erhielten. Das waren 107.000 Leistungsempfänger mehr als ein Jahr zuvor. Deshalb steigen die Ausgaben der Behörde, obwohl die Beitragseinnahmen laut Nahles nicht das zentrale Problem darstellen.
Arbeitslosenversicherung verliert Rücklage und braucht Milliarden
Von Januar bis Juli flossen rund 17,7 Milliarden Euro in das Arbeitslosengeld. Das waren etwa 2,5 Milliarden Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bereits 2025 überschritt die BA ihre geplanten Ausgaben um 4,24 Milliarden Euro. Deshalb ist die Rücklage der Arbeitslosenversicherung inzwischen aufgebraucht.
Für 2026 hatte die BA ursprünglich Einnahmen von 49,23 Milliarden Euro und Ausgaben von 52,60 Milliarden Euro eingeplant. Die schwächere Konjunktur hat diese Planung jedoch überholt. Nach einem Finanzbericht der Behörde könnte das Defizit 2026 mehr als acht Milliarden Euro erreichen. Bis 2030 könnten sich zudem die benötigten Liquiditätshilfen des Bundes auf rund 23 Milliarden Euro summieren.
Höhere Beiträge würden Arbeitskosten weiter steigern
Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung liegt derzeit bei 2,6 Prozent des beitragspflichtigen Bruttolohns. Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen ihn jeweils zur Hälfte. Nach Angaben von Nahles bringt eine Erhöhung um 0,1 Prozentpunkte rund 1,6 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen pro Jahr. Ökonomen halten deshalb je nach Defizithöhe etwa 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte für einen vollständigen Ausgleich für nötig.
Eine solche Lösung würde jedoch die ohnehin hohe Belastung des Faktors Arbeit erhöhen. Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag liegt 2026 bei 42,3 Prozent, nachdem er 2019 noch 39,7 Prozent betrug. Der Sachverständigenrat erwartet bei unveränderter Rechtslage bis 2030 einen Anstieg auf 45,4 Prozent. Höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung würden deshalb Nettoeinkommen drücken und zugleich die Arbeitskosten der Unternehmen erhöhen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Apollo News (13.08.26) – Merkur (10.08.26)
Lesen Sie auch:
