ein Kommentar unseres Autors Klaus Bastian
Reuters meldete am 3. August 2026 Rekordwert für niedrigen Donaupegel nach anhaltender Hitze und Dürre. Kraftwerke drosselten ihre Leistung, während Schifffahrt und Wasserversorgung litten. Doch solche Rekorde gelten nur innerhalb eines vergleichsweise kleinen Zeitfensters in dem Temperaturen und Pegelstände systematisch über Wetter- und Pegelstationen erfasst wurden. Historische Hitzewellen und Dürren vor diesem Zeitfenster fehlen in den Ranglisten auf die diese Rekorde verweisen. Naturarchive und Chroniken belegen zahlreiche frühere Extremjahre mit teilweise verheerenden Folgen. Dass diese Ereignisse in heutigen Rekordmeldungen meist fehlen, ist aus meiner Sicht kein Zufall: Sie stören das verbreitete Narrativ, nach dem außergewöhnliche Hitze und Dürre vor allem Erscheinungen der Gegenwart seien.
Historische Hitzewellen und Dürren begannen nicht mit dem Aufstellen von Wetterstationen
Die Römische Warmzeit dauerte ungefähr von 200 vor Christus bis ca. 500 nach Christus. Sedimente aus dem westlichen Mittelmeer weisen regional außergewöhnlich hohe Temperaturen aus. Außerdem lebten wärmeliebende Insekten im römischen Yorkshire deutlich weiter nördlich als heute. Römer betrieben bei Wollaston großflächigen Weinbau. Am Schnidejoch belegen Münzen, Schuhnägel und Textilien einen damals nutzbaren Hochpass. Eisbohrkerne der Weißseespitze sichern zusätzlich Umweltspuren von der Römerzeit bis zur frühen Neuzeit. Zusammen zeigen diese Befunde, dass sich Vegetations- und Nutzungsgrenzen während früherer Wärmephasen deutlich nach Norden und in größere Höhen verschoben, was darauf hin deutet, dass es zu dieser Zeit deutlich wärmer war als heute.

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Während der mittelalterlichen Wärmephase bewirtschafteten Nordmänner ab etwa 985 Höfe im Südwesten Grönlands. Pollen, Holzkohle und Seesedimente dokumentieren Weiden und Viehhaltung nahe der heutigen Eiskappe. Die Funde zeigen, dass das damalige Klima dort über mehrere Jahrhunderte Landwirtschaft in Regionen erlaubte, die später durch Abkühlung und kürzere Vegetationszeiten nicht mehr nutzbar waren.
Historische Dürren lösten Brände und Versorgungskrisen aus
Europa trafen bereits im Hochmittelalter wiederholt schwere Dürren. Chroniken berichten für 1212 und 1252 von monatelangem Regenmangel. Weiden vertrockneten, während Vieh seine Futtergrundlage verlor. Außerdem vernichteten Brände Häuser und Vorräte. Sauberes Wasser wurde knapp, wodurch sich Krankheiten leichter ausbreiteten.
Im Jahr 1473 erfassten Hitze und Wassermangel besonders große Teile Europas. Flüsse sanken, Brunnen versiegten und Ernten begannen ungewöhnlich früh. Wald- und Stadtbrände zerstörten Gebäude, Holzvorräte und Lebensmittel. Gleichzeitig verteuerten sich Getreide und Viehfutter.
Die Megadürre von 1540
Die Megadürre von 1540 verschärfte diese Belastungen nochmals. In weiten Teilen Europas fiel fast elf Monate ungewöhnlich wenig Regen. Flüsse verloren einen Großteil ihres Abflusses, während Quellen und Brunnen austrockneten. Wassermühlen standen deshalb wochenlang still. Menschen mussten ihr Getreide teilweise über 100 Kilometer weit transportieren um noch funktionsfähige Mühlen zu finden. Schifffahrt, Warenverkehr und Lebensmittelversorgung brachen über weite Gebiete vollkommen ein. Die großen deutschen Flüsse, wie Rhein, Donau oder Elbe konnte teils kniehoch zu Fuß durchquert werden
Gleichzeitig verdorrten Getreide, Gemüse und Viehfutter auf den Feldern. Viele Bauern mussten Tiere schlachten, weil Wasser und Weideland fehlten. Schlechte Wasserqualität förderte außerdem Krankheiten unter Menschen und Vieh. Wald-, Moor- und Siedlungsbrände breiteten sich in der trockenen Landschaft schnell aus. Die Dürre war deshalb keine bloße Wetteranomalie. Sie entwickelte sich zu einer europäischen Wirtschafts-, Gesundheits- und Versorgungskrise.
Weitere Extremjahre brachten Hunger, Preissteigerungen und Migration
Auch nach 1540 riss die Serie historischer Hitzewellen und Dürren nicht ab. Hungersteine an der Elbe dokumentieren den extremen Wasserstand von 1616. Zwischen 1631 und 1636 trockneten erneut Brunnen, Bäche und Mühlengräben aus. Missernten und fehlendes Viehfutter verschärften dabei die Not des Dreißigjährigen Krieges. Weitere schwere Trockenphasen folgten 1718, 1719 und 1842. Damals standen vielerorts Mühlen still, während Schiffe Fahrten absagen mussten.
Parallel brachte die Kleine Eiszeit häufigere Kältephasen und wachsende Alpengletscher. Eis zerstörte Weiden, Äcker und Verkehrswege in den Hochlagen der Täler. Viele Bergbauern verloren deshalb ihre Lebensgrundlage und verließen einzelne Gebiete. Nachweislich zogen Tiroler Bergbauern bis nach Deutschland und erschlossen dort die Hänge abgelegener, dünn besiedelter Täler, weil sie in den Alpen ihre Höfe wegen Eis und Schnee aufgeben mussten. Kalte Jahre, Missernten und hohe Getreidepreise verstärkten außerdem die Auswanderung nach Nordamerika. Europas Klimageschichte kennt somit Wärme, Megadürren und Kältekrisen jahrhundertelang bevor amtlichen Aufzeichnungen stattfanden. Deshalb sollte man heutige Rekordmeldungen mit Vorsicht betrachten und zumindest fragen, welches Zeitfenster dieser neue Rekord eigentlich abdeckt.
Verfasser: Klaus Bastian – Blackout News
Verwendete Web-Quellen: Reuters (03.08.26) – European Geosciences Union (Stand: 03.08.26) – Frontiers (13.03.26) – Cambridge University (21.06.26) – SciencesDirect (Stand: 03.08.26) und viele weitere
Verwendete Buch-Quellen:
Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas – 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen – Primus Verlag, Darmstadt
Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas – Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung – Verlag C.H.Beck, München
Ronald D. Gerste: Wie das Wetter Geschichte macht – Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute – Klett-Cotta, Stuttgart


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