Virginia – Eine Stromnetz-Störung erfasste am Morgen des 22. Juli 2026 weite Teile des größten US-Verbundnetzes. Eine regionale Übertragungsleitung fiel aus, worauf zahlreiche Rechenzentren automatisch auf ihre Notstromversorgung wechselten. Dadurch verschwanden mehr als drei Gigawatt Nachfrage binnen kurzer Zeit aus dem PJM-Netz. Das entsprach rund drei Prozent des damaligen Stromverbrauchs im Verbund. Spannungseffekte reichten von Washington bis Chicago. Kunden meldeten währenddessen flackerndes Licht und Geräusche an Elektrogeräten. PJM verzeichnete zudem eine Frequenzänderung, jedoch keinen großflächigen Stromausfall. Die vollständige Stabilisierung dauerte nach Angaben von Ting Labs rund zehn Minuten.
Stromnetz-Störung breitet sich über Hunderte Kilometer aus
PJM versorgt rund 67 Millionen Menschen zwischen Atlantikküste und Mittlerem Westen. Deshalb blieb die Störung nicht auf das Rechenzentrumgebiet in Nord-Virginia begrenzt. Das Sensornetz von Ting Labs erfasste Spannungsabweichungen entlang der US-Ostküste und bis in den Raum Chicago. In Nord-Virginia reagierten außerdem Klimaanlagen, Kühlschränke und Beleuchtungen hörbar oder sichtbar auf die verschlechterte Spannungsqualität.

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Für Netzbetreiber wirkt ein plötzlicher Lastverlust ähnlich kritisch wie der unerwartete Ausfall eines großen Kraftwerks. Bei wegfallender Nachfrage bleibt zunächst zu viel Erzeugungsleistung im System. Dadurch steigt die Frequenz, während Kraftwerke und Regelreserven ihre Einspeisung schnell senken müssen. Die Stromnetz-Störung zeigte deshalb, wie lokale Schutzsysteme einen großräumigen Regelbedarf auslösen können.
Rechenzentren verwandeln einen Leitungsfehler in einen gewaltigen Lastsprung
Das Ereignis war kein Einzelfall, sondern übertraf frühere Vorfälle in derselben Region deutlich. Im Juli 2024 wechselten nach einem Leitungsfehler etwa 1,5 Gigawatt Rechenzentrumslast auf interne Versorgung. Im Februar 2025 folgten rund 1,8 Gigawatt an 18 Umspannwerken und 44 Transformatoren. Der neue Lastsprung lag jedoch oberhalb beider Werte und traf erneut zahlreiche Anlagen nahezu gleichzeitig.
NERC bewertet deshalb nicht mehr nur einzelne Rechenzentren, sondern ganze Standortgruppen als mögliche Störgröße. Anlagen in derselben Region reagieren oft auf dieselben Spannungseinbrüche und Schutzsignale. Dadurch kann ein einzelner Leitungsfehler mehrere Gigawatt Last zugleich aus dem Netz entfernen. Die Stromnetz-Störung macht diese Clusterwirkung nun in einer bisher nicht erreichten Größenordnung sichtbar.
Neue Regeln sollen gleichzeitige Abschaltungen verhindern
Die US-Regulierungsbehörde FERC hatte bereits am 16. Juli neue Zuverlässigkeitsstandards für computergestützte Großverbraucher angeordnet. NERC soll deshalb bis Ende 2026 Regeln für ihre Netzintegration und verbindliche Registrierungskriterien vorlegen. Dabei geht es besonders um Durchhaltezeiten, Schutzparameter, Messdaten und abgestimmte Rückkehrverfahren. Ohne solche Vorgaben können Rechenzentren weiterhin einzeln korrekt, aber gemeinsam netzschädlich reagieren.
PJM plant außerdem ein Register für Verbraucher ab 50 Megawatt an einem Standort. Der Betreiber will damit Standort, Leistung und eigene Stromversorgung großer Anlagen erfassen. Bis 2038 erwartet PJM rund 70 Gigawatt zusätzliche Nachfrage durch neue Großverbraucher. Gleichzeitig fehlten in der jüngsten Kapazitätsauktion etwa 6,8 Gigawatt bis zum Zuverlässigkeitsziel. Das Netz muss deshalb künftig zwei gegensätzliche Belastungen beherrschen: stark steigenden Verbrauch und abrupte Lastverluste in Milliardenwatt-Größe.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: The Wall Street Journal (24.07.26) – Data Center Dynamics (24.07.26) – Reuters (23.07.26)
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