In der Schweiz beziffert eine am 12. Juli 2026 veröffentlichte Studie die Folgen eines neuen Atomkraftwerks ab 2050. BAK Economics erstellte die Analyse im Auftrag des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Auslöser sind die absehbare Stilllegung der bestehenden Reaktoren und der wachsende Strombedarf. Das EPR-Modell verspricht jährlich 1,6 Milliarden Franken Wertschöpfung und 2.905 Arbeitsplätze. Allerdings setzt es Investitionen von 17,25 Milliarden Franken voraus. Zudem müsste der Staat jährlich rund 625 Millionen Franken beisteuern. Kostenüberschreitungen und Verzögerungen könnten die Bilanz deshalb deutlich verschlechtern.
Neuer Reaktor soll die Winterstromlücke verkleinern
Die vier Schweizer Reaktoren liefern heute rund 36 Prozent des Stroms. Außerdem erzeugen sie fast die Hälfte der heimischen Winterproduktion. Bei 60 Betriebsjahren gingen die Anlagen schrittweise bis 2044 vom Netz. Zugleich könnte die Elektrifizierung den Stromverbrauch bis 2050 um rund ein Drittel erhöhen.

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Die Studie modelliert deshalb einen EPR mit 1,63 Gigawatt Leistung und einer Laufzeit von 60 Jahren. Der Reaktor soll jährlich 12,1 Terawattstunden Strom liefern. Davon entfielen 6,7 Terawattstunden auf das Winterhalbjahr. Damit könnte er etwa 15 Prozent des erwarteten Winterverbrauchs decken. Sommerliche Überschüsse müsste die Schweiz jedoch teilweise exportieren.
Wertschöpfung hängt von staatlicher Förderung ab
Während der Bauphase erwartet BAK Economics 7,4 Milliarden Franken inländische Wertschöpfung. Im laufenden Betrieb sollen jährlich weitere 1,2 Milliarden Franken entstehen. Hinzu kommen laut Modell rund 240 Millionen Franken durch niedrigere Stromkosten und bessere Exportchancen. Bund, Kantone und Gemeinden könnten außerdem rund 95 Millionen Franken direkte Steuern einnehmen.
Die Stromgestehungskosten liegen im Basisszenario bei 115,50 Franken je Megawattstunde. Als Markterlös setzt die Studie jedoch nur 64 Franken an. Deshalb müsste ein Fördermechanismus 51,50 Franken je Megawattstunde ausgleichen. Bei der angenommenen Produktion entspricht das rund 625 Millionen Franken pro Jahr. Der Markt würde somit nur 55 Prozent der kalkulierten Kosten decken.
Andere Studie setzt der Wirtschaftlichkeit enge Grenzen
Eine ETH-PSI-Analyse kommt deshalb zu einem vorsichtigeren Ergebnis. Unter heutigen Bedingungen rechnen sich neue Reaktoren nach diesen Modellen nicht. Der Staat müsste Förderungen und einen Teil der Finanzierungsrisiken übernehmen. Zudem müssten die Kapitalkosten von acht auf fünf Prozent sinken. Bei Baukosten von 12.000 Franken je Kilowatt scheitert der Neubau in drei von vier Modellen. Damit bleibt auch die errechnete Wertschöpfung von den tatsächlichen Projektkosten abhängig.
Das Schweizer Parlament beschloss im Juni 2026 die Aufhebung des seit 2017 geltenden Neubauverbots. Ein Bündnis sammelt jedoch Unterschriften für ein Referendum. Dafür braucht es bis zum 8. Oktober 2026 mindestens 50.000 gültige Unterschriften. Außerdem hat bisher kein großer Schweizer Energieversorger ein konkretes Neubauprojekt angekündigt. Die Studie beschreibt daher ein mögliches Szenario und keine fertige Investitionsentscheidung.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Badische Zeitung (13.07.26) – SRF (13.07.26) – BAK Economic Intelligence (Stand: 15.06.26) – ETH Zürich (29.06.26)
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