Vor Borkum verschiebt ein Rotorblattschaden den vollständigen Start von Deutschlands größtem Offshore-Windpark He Dreiht um mehrere Monate. Am 22. Juli brach an einer Vestas-Turbine ein Teil eines Rotorblatts ab und stürzte in die Nordsee. Deshalb untersucht Hersteller Vestas die Ursache und kontrolliert vorsorglich alle 192 Rotorblätter der 64 Anlagen. EnBW hatte die vollständige Inbetriebnahme noch für den Spätsommer vorgesehen. Nun soll die für den 17. September geplante Einweihung erst im Dezember stattfinden. Das abgebrochene Teil gefährdete zudem zeitweise die Schifffahrt. Betroffen ist ein 2,4-Milliarden-Euro-Projekt mit 960 Megawatt Leistung und langfristigen Stromverträgen für große Industriekunden.
Rotorblattschaden trifft eine technische Weltpremiere
He Dreiht nutzt erstmals im kommerziellen Maßstab die Vestas V236-15.0 MW. Jede Turbine leistet 15 Megawatt, während der Rotor einen Durchmesser von 236 Metern erreicht. Die einzelnen Rotorblätter sind rund 115 Meter lang. Deshalb betrifft die Untersuchung nicht nur ein einzelnes Bauteil, sondern die Premiere einer neuen Offshore-Leistungsklasse.

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EnBW meldete am 12. August die Montage aller 64 Turbinen als abgeschlossen. Allerdings liefen zu diesem Zeitpunkt noch technische und elektrische Arbeiten für die vollständige Inbetriebnahme. Vestas untersuchte den Schaden bereits, während EnBW weiterhin mit einem Vollbetrieb bis Spätsommer rechnete. Die Verschiebung auf Dezember zeigt deshalb, dass die Prüfung inzwischen unmittelbar auf den Projekttermin durchschlägt.
Abgebrochenes Rotorblatt gefährdete zeitweise die Schifffahrt
Der Vorfall hatte außerdem Folgen außerhalb des Windparks. Ein etwa 20 Meter langes und zwei Meter breites GFK-Teil trieb knapp unter der Wasseroberfläche. Deshalb konnten Schiffe das Hindernis nur schwer erkennen, und auf dem Radar erschien es ebenfalls nicht. Die Bundespolizei leitete den Verkehr um und barg das Teil schließlich mit dem Einsatzschiff „Bad Düben“.
Der Rotorblattschaden ereignete sich, bevor EnBW die Anlagen formell abgenommen hatte. Das ist für die technische Einordnung wichtig, weil Hersteller Vestas die Turbinen installiert hat. Zugleich bleibt die konkrete Ursache bislang öffentlich ungeklärt. Auch eine Schadenssumme lag nicht vor, während Vestas seine Untersuchungen fortsetzte.
Verzögerung trifft bereits langfristig verkauften Strom
He Dreiht soll jährlich rund 3,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Außerdem hat EnBW einen Großteil der Produktion bereits über langfristige Abnahmeverträge verkauft. Zu den Vertragspartnern zählen Google, DHL, Evonik, Bosch, Deutsche Bahn und die Telekom-Tochter PASM. Verzögerungen können deshalb Zusatzkosten auslösen, wenn Vertragspartner fehlende Strommengen vorübergehend anderweitig beschaffen müssen. Das Handelsblatt nennt mögliche Zusatzkosten ausdrücklich als Folge der Verschiebung.
Der Windpark liegt rund 85 Kilometer nordwestlich von Borkum und umfasst etwa 63 Quadratkilometer. EnBW errichtete das Projekt ohne staatliche EEG-Förderung, während langfristige Stromverträge einen großen Teil der Vermarktung absichern. Der Rotorblattschaden trifft damit eines der wichtigsten deutschen Offshore-Projekte unmittelbar vor dem geplanten Vollbetrieb. Zudem steht Vestas besonders im Fokus, weil He Dreiht der erste kommerzielle Großeinsatz seiner 15-Megawatt-Plattform ist.
Vefasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Golem (04.09.26) – Handelsblatt (04.09.26)
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