Shell zieht sich weiter aus großen Projekten der Energiewende zurück und hat seine geplante Biokraftstoff-Anlage in Rotterdam endgültig aufgegeben. Der Konzern stoppte den Bau nach einer wirtschaftlichen und technischen Neubewertung. Hohe Fertigstellungskosten und schwache Marktbedingungen machten das Vorhaben aus Sicht von Shell unrentabel. Zugleich verkauft der Konzern Wind- und Solarprojekte in Europa und Indien. Deshalb verlagert Shell sein Kapital wieder stärker auf Öl, Gas, LNG und andere renditestarke Geschäftsbereiche.
Biokraftstoff-Projekt in Rotterdam endgültig gestoppt
Shell hatte die Anlage bereits 2021 beschlossen und 2022 mit dem Bau begonnen. Sie sollte jährlich bis zu 820.000 Tonnen erneuerbaren Diesel und nachhaltigen Flugkraftstoff herstellen. Als Rohstoffe waren unter anderem gebrauchte Speiseöle, tierische Fette und industrielle Reststoffe vorgesehen. Doch im Juli 2024 stoppte Shell die Arbeiten zunächst vorläufig.

Bild: Shutterstock
Im September 2025 zog der Konzern schließlich den Schlussstrich. Shell erklärte, die verbliebenen Baukosten seien unter den damaligen Marktbedingungen wirtschaftlich nicht mehr vertretbar. Das Unternehmen wollte deshalb kein weiteres Kapital in das Biokraftstoff-Projekt investieren. Stattdessen sollen Investitionen höhere Renditen erzielen und den finanziellen Spielraum des Konzerns verbessern.
Shell verkauft Wind- und Solarprojekte
Der Rückzug reicht jedoch inzwischen deutlich über Rotterdam hinaus. Anfang August 2026 vereinbarte Shell den Verkauf seines europäischen Onshore-Geschäfts mit erneuerbaren Energien an TotalEnergies. Zum Paket gehören rund 500 Megawatt bestehende oder bereits im Bau befindliche Anlagen. Außerdem wechseln Entwicklungsprojekte für weitere 3,5 Gigawatt Windkraft, Solarenergie und Batteriespeicher den Eigentümer.
Auch in Indien trennt sich Shell von einem großen Erneuerbaren-Portfolio. Im Juli 2026 vereinbarte der Konzern den Verkauf von Sprng Energy an Aditya Birla Renewables. Der Kaufpreis beträgt einschließlich Schulden rund 1,8 Milliarden Dollar. Damit stößt Shell ein Unternehmen ab, das der Konzern erst 2022 übernommen hatte und das über mehrere Gigawatt Erneuerbaren-Kapazität verfügt.
Öl, Gas und LNG liefern deutlich höhere Erträge
Während Shell grüne Projekte verkauft, laufen Öl, Gas und LNG besonders profitabel. Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern einen bereinigten Gewinn von 9,84 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 4,26 Milliarden Dollar. Höhere Energiepreise sowie starke Geschäfte mit LNG und Ölhandel trugen deshalb wesentlich zum Ergebnis bei.
Die wirtschaftlichen Unterschiede erklären den Kurswechsel. Shell verfolgt die Energiewende nicht vollständig zurück, beschränkt Investitionen jedoch zunehmend auf Projekte mit attraktiver Rendite. Großprojekte wie die Rotterdamer Biokraftstoff-Anlage fallen diesem Ansatz zum Opfer. Gleichzeitig fließt mehr Kapital in traditionelle Energiegeschäfte, während Wind-, Solar- und andere Erneuerbaren-Projekte verkauft oder reduziert werden.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (03.08.26) – Allsurplus (Stand: 06.08.26) – Biomass Magazine (03.08.26)
Lesen Sie auch:
